Lage am US-Arbeitsmarkt wird immer trister

19. August 2010, 14:47
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Arbeitslosigkeit verharrt seit Monaten auf hohem Niveau

Washington - Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich in der vergangenen Woche überraschend stark verschlechtert. Insgesamt stellten 500.000 Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenunterstützung, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte. Das sind 12.000 mehr als in der Woche zuvor und so viele wie seit neun Monaten nicht mehr. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem Rückgang auf 476.000 gerechnet. Der Vierwochenschnitt bei den Erstanträgen stieg auf 482.500, das ist der höchste Stand seit Anfang Dezember 2009. Die Zahl liegt deutlich über dem Niveau, bei dem nach Einschätzung von Experten unter dem Strich neue Jobs geschaffen werden: Erst, wenn nur noch bis zu 400.000 Menschen Hilfe beantragen, gibt es Chancen, dass die Arbeitslosigkeit insgesamt sinkt.

Acht Millionen Stellen perdu

Die Arbeitslosigkeit in den USA verharrt seit Monaten auf einem hohen Niveau, und auch bei den Erstanträgen zeichnet sich keine Entspannung ab. Experten sehen das als Anzeichen dafür, dass die Lage am Arbeitsmarkt vorerst schwierig bleiben wird. Damit schwinden die Chancen für einen kräftigen Aufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft. Sie hängt zu 70 Prozent vom privaten Konsum ab. Die Wirtschaftskrise hat mehr als acht Millionen Amerikanern den Job gekostet. Experten fürchten, es könnte Jahre dauern, bis die Arbeitsplätze wieder geschaffen werden. 

Staat half nach

Noch im Mai war von einem Lichtblick am Jobmarkt die Rede. Dank staatlicher Hilfe wurden damals am US-Arbeitsmarkt so viele Stellen geschaffen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Vater Staat hat beim Jobaufbau allerdings kräftig nachgeholfen: Allein für eine Volkszählung wurden 411.000 Amerikaner angeworben - zumeist Zeitarbeiter. Die hohe Arbeitslosigkeit gehört auch zu den größten Problemen für US-Präsident Barack Obama vor den anstehenden Kongresswahlen im November. Der Präsident übt sich dieser Tage vor allem in Optimismus: "So hart es ist für all die Menschen da draußen, so steht doch eines fest: Unsere Wirtschaft bewegt sich in die richtige Richtung. Die Privatwirtschaft schafft neue Stellen. Amerika kommt voran."

Die USA stehen angesichts der düsteren Lage am Arbeitsmarkt vor einem schwierigen Sparkurs. Das Haushaltsdefizit werde zwar in diesem Jahr auf 1,342 Bill. Dollar (1,05 Bill. Euro) zurückgehen und damit etwas stärker als noch im März angenommen, teilte die Kongress-Haushaltsbehörde am Donnerstag mit. 2011 werde es aber mit 1,066 Bill. Dollar etwas höher ausfallen als bisher prognostiziert. Barack Obama forderte einen Sparkurs, der die Erholung nicht belastet. (Reuters/rb)

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