Roboter fördern Interaktion mit autistischen Kindern

21. August 2010, 17:35
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In Connecticut studiert ein Team die motorische Verbesserung bei den Kindern

New Haven/USA - Ein kleiner Spielzeugroboter führt einen Karateschlag aus, trommelt auf seiner Minitrommel oder reicht die Hand zum Schütteln - ein Kind imitiert jede seiner Bewegungen und ist entzückt von dem neuen Spielkameraden. Alle Eltern kennen die Faszination, die Roboter auf Kleinkinder ausüben. Bei autistischen Kindern allerdings scheint noch etwas wesentlich Wichtigeres zu passieren. Wissenschafter der University of Connecticut (UConn) in New Haven glauben, die motorischen Fähigkeiten und die soziale Kommunikation von Kindern mit Autismus durch Roboter verbessern zu können.

Noch gibt es wenige klinische Studien zur Roboter-Kind-Interaktion als Therapie. Vor rund zwei Jahren startete Kinesiologie-Professorin Anjana Bhat von der UConn erste Beobachtungsreihen mit einer Handvoll autistischer Kinder im Spiel mit drei puppengroßen Robotern aus dem Spielzeugladen. Daraus wurde ein Forschungsprojekt mit zwei humanoiden Nao-Robotern vom französischen Hersteller Aldebaran. Nao ist 60 Zentimeter groß und hat in etwa die Gestalt eines Kleinkinds. Seine Bewegungen sind langsam und simpel, und er spricht einige kurze, englische Sätze.

Roboter sind "weniger kompliziert"

"Autistische Kindern fühlen sich zu humanoiden Robotern hingezogen, denn sie sind weniger kompliziert als Menschen", erklärt Bhat. Die Professorin will die Forschung weiter ausbauen und entwickelt nun mit einer Forschergruppe und finanzieller Hilfe des US-Gesundheitsinstituts eine Reihe von elektronischen Helfern. Sie will therapeutische Programme etablieren, um die Bewegungsfähigkeit und das Ausdrucksvermögen von autistischen Kindern zu fördern.

Bhat lernte während ihrer Doktorarbeit auf dem Gebiet des Autismus, dass Grobmotorik und Gleichgewicht bei Kindern innerhalb des autistischen Spektrums (ASD) häufig eingeschränkt sind. Sie haben Schwierigkeiten, komplexere Bewegungen nachzuahmen. Die Forschung lieferte Hinweise, dass diese Störungen zur Beeinträchtigung der sozialen Kommunikation beitragen.

Ein motivierender Kontext

Laut neueren Daten glauben die Wissenschafter, dass die Interaktion mit Robotern Kindern einen motivierenden Kontext liefert - gleich ob sie unter ASD leiden oder nicht. Sie fühlen sich zunächst wohler mit den Humanoid-Computern als mit Menschen, da die Interaktion für sie einfacher und besser vorhersehbar ist. Die Sympathie weite sich jedoch auf die anwesenden menschlichen Helfer aus, erklärt Bhat. Der Gesichtsausdruck eines Menschen verwirre ASD-Kinder oft, denn er sei flüchtig und komplex. Roboter hingegen mimen langsamer und können eine Pose länger beibehalten. Je nach Software kann Nao auch Freude, Angst oder Ärger ausdrücken und sogar Thai-Chi-Routinen zu Musik ausführen.

Auch an den Universitäten Yale, USC in Kalifornien und im englischen Hertfordshire experimentieren Mediziner mit Nao und autistischen Kindern. Sowohl Wissenschafter als auch beteiligte Eltern halten die Studien für vielversprechend. Die Briten konzentrieren ihre Arbeit mit einem Budget von gut drei Millionen Dollar auf die emotionalen Fähigkeiten der Cyber-Helfer.

In Connecticut studieren Bhat und ihr Team die motorische Verbesserung. Weitere Entwicklungen vorausgesetzt, könnten die Blechgesellen einmal als erster Kontakthelfer dienen, um eine emotionale Verbindung zwischen Therapeuten und Kindern herzustellen.

Zudem könnten Roboter die Reichweite der Kliniken vergrößern. ASD-Patienten benötigen, je nach Ausprägung der Störung, intensive Therapien - oft zwischen 30 und 40 Stunden wöchentlich. Routineaufgaben, die sonst Eltern und nicht-ausgebildete Helfer ausführen, könnte der Cyber-Freund übernehmen - und dazu auch noch wertvolle Videoaufzeichnungen von der Motorik des Kindes im Alltag liefern. (APA/apn/Erich Bonnert)


Link
University of Connecticut: Robot Speaks the Language of Kids

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    Nao wird an der University of Connecticut zur Interaktion mit autistischen Kindern eingesetzt.

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