Schweiz und EU stecken in der Sackgasse

19. August 2010 17:40

Streit um EU-Recht - Bern erteilt Forderungen aus Brüssel klare Absage: Bilateraler Weg bevorzugt

Bern - Mit ihrem EU-Kurs der bilateralen Verhandlungen erteilt die Schweizer Regierung den Forderungen aus Brüssel eine klare Absage. Dort wird der bilaterale Weg inzwischen als Sackgasse betrachtet. Der Ruf nach einer automatischen Übernahme von EU-Recht wird immer lauter. Deutliche Worte gebrauchte der ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy Mitte Juli beim Besuch der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard in Brüssel: Die Schweiz müsse bei künftigen Verhandlungen von bilateralen Abkommen den EU-Rechtsbestand übernehmen, wenn sie am Binnenmarkt teilnehmen wolle.

Dabei verwies er auf die Erklärung der Mitgliedstaaten vom Dezember 2008, in der als "unerlässliche Voraussetzung" für den Abschluss künftiger Abkommen die "einheitliche und gleichzeitige Anwendung und Auslegung von EU-Recht" festgelegt wird. Ähnliche Forderungen enthält ein internes EU-Ratspapier. Dort wird als zusätzliches Problem die fehlende Gerichtsbarkeit erwähnt. So würden Fälle, in denen sich die EU und die Schweiz nicht einigen können, zu einem "politischen Problem".

Unverständnis für Sonderstatus der Schweiz

Auch im EU-Parlament und bei den Mitgliedstaaten wächst das Unverständnis für die Sonderstellung der Schweiz mit ihren über 120 bilateralen Abkommen mit der EU. Harzig kamen in den letzten Jahren denn auch die Verhandlungen im Energie- und Freihandelsbereich voran, andere wurden noch nicht einmal aufgenommen.

Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso jedoch schlug Leuthard im Juli nicht die Tür vor der Nase zu. Es sei kein Widerspruch, über eine neue, horizontale Form eines Rahmens für die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU zu sprechen und gleichzeitig die laufenden Verhandlungen in verschiedenen Dossiers voranzutreiben, sagte er.

So wurde vereinbart, eine gemeinsame Arbeitsgruppe einzusetzen, die Lösungsansätze ausarbeiten soll. Erste Vorschläge sollen bis Jahresende vorliegen. Barroso erwartet von den Experten eine "sehr offene" Diskussion, wie er sagte. Die Ideen reichten von einem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) über ein Rahmenabkommen bis zur Verbesserung der gemischten Ausschüsse. (APA/sda)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2
Marlon62
08.11.2010 14:58
Schweiz und EU stecken in der Sackgasse

Wohl eher in der Rue-de-la-Kack

living reef
30.10.2010 08:50
"So wurde vereinbart, eine gemeinsame Arbeitsgruppe einzusetzen"

und wenn ich nicht mehr weiter weis, gründ ich einen arbeitskreis....

Adam25
16.10.2010 21:01
Alte Erinnerungen von Uni-Zeiten

Also ich hab es damals so gelernet, dass in der Schweiz darüber eine Volksabstimmung abgehalten wurde, ob Sie Mitglied des ERW-s sein möchten. Das Volk stimmte aber dagegen. Lichtenstein, Island, Norwegen dafür.Der Fürst von Lichtenstein befürwortete auch den Beitritt von der Schweiz, daraus wurde nichts.Aber die EU zeigte sich damit nicht zufrieden, und begann mit der Schweiz auf bilateraler Basis zu verhandeln.Daraus entsanden die Bilaterale Verträge(I,II).In diesen Verträgen wurde geregert,dass das EU Recht langsam übernommen wird.Niederlassungsfreiheit, gegenseiteige Anerkennung von Diplomen,Freihandel Die Rolle des EU-Gerichtshofes wird grösser.. und die Schweiz zahlt in den Eu-Topf,in einige Fonds.Sind erfüllt.Mein Prof sagt CH ist EU

d87
24.10.2010 18:51
Du scheinst einen schlechten Prof zu haben.

Hoffentlich wirkt sich das später nicht negativ auf deine Berufschancen aus.

Gilgamesh
11.10.2010 16:33

Abkommen beenden, an den Grenzen scharf kontrollieren und die Schweiz wird betteln....

--: SID :--
17.11.2010 09:44

Nicht solange viele Mächtige ihr Geld dort gebunkert haben ;-)

u7b
12.10.2010 08:52

da lachen ja die Hühner ....

Gilgamesh
13.10.2010 09:02

Aber nur, weil die EU Politiker rückgradlos sind....

Marlon62
08.11.2010 15:00
rückgradlos

Beschreibt das eine fehlende Temperatur auf der Rückseite?

Promille Prolet
14.10.2010 11:50
ich wünschte wir hätten das so gscheid gemacht wie die schweizer

statt dessen haben wir den todkranken mock hingeschickt, der hat die ganze zeit gepennt, und seine wasserträger haben zu allem ja und amen gesagt.

Alfred Fux
11.10.2010 10:12
Die Schweiz verhält sich ganz richtig

hier gehts nicht drum, wer von wem abhängig ist, denn letztlich sind alle von allen abhängig.

Wir lassen uns mittlerweile 80% der Gesetze von der EU aufdrücken. Es stellt sich die Frage, wozu wir in Österreich noch für eine Legislative Steuern bezahlen sollen, die nichts mehr leistet? Österreich soll endlich den Föderalismus beim Wort nehmen, verdammt. Dei Schweiz behandelt die EU wie es ihr zusteht. Unilaterale Bestimmung sind das Werkzeug von Diktaturen. Sie haben in einer Föderation demokratischer Staaten nix zu suchen. Dann gibts halt unterschiedliche Gesetze in jedem Land. Wir essen ja auch nicht alle dasselbe. Der Gedanke der Union ist die Achtung unterschiedlicher Kulturen (und Gesetze!) in einem Verbund von Staaten.

Thomas Wetschnig
12.09.2010 11:23
Wir sind überhaupt nicht ............

............ auf die Schweiz angewiesen. Die Schweiz auf uns aber sehr wohl.

Mit Ausnahme von einigen afrikanischen Diktatoren ist die Schweiz sicher für die meisten Erdenbürger entbehrlich.

Promille Prolet
14.10.2010 11:51

glaube nicht, dass die schweiz grade auf sie angewiesen ist

Alfred Fux
11.10.2010 10:20
Bis auf die Schweizer

und um die geht es hier. Weniger um Ihre (zugegeben einfältige) "Gewichtung" von Abhängigkeiten und Entbehrlichkeiten. Der Planet kann ohne die gesamte Menschheit auskommen. Wenn das Ihr Argument ist, dann haben Sie keins.

Was Sie stören dürfte ist die Tatsache, dass sich da ein kleines Land etwas traut, wofür wir kleinen Österreicher zu feige sind.
Und wie alle Leute, die zu etwas zu feige sind, empören sie sich, sobald ein Anderer vorzeigt wie es gemacht wird.

living reef
30.10.2010 08:52
weiterträumen...oder spricht hier der jörgl aus dem paradies?

d87
19.09.2010 17:01

Mindestens so entbehrlich ist Österreich. Also Klappe halten.

welcome in vienna
01.09.2010 14:12
schweizer sind nicht blöd!

womit will man die schweizer ködern?

die haben eine mehrwertsteuer von 2 bis 6,5% (und diskutieren über die einführung eines einheitlichen satzes von 4,1%)

und zahlen dem bund eine einkommenssteuer von 0,77 - 11,5% (höchstsatz ab rund 50.000 euro einkommen im monat)

plus an kanton und gemeinde bis zu 17%

Austrialix
12.12.2010 11:28
nicht ganz

bis jetzt gilt 7,6% mwst - ab 2011 8,0% regelsatz. Tendenz klar nach oben. Dafür werden aber alle "kommunen" (Bund/Kanton/Gemeinde) "ausgehungert". alle dienste werden runtergefahren, bis es schmerzt. dann gehts aber noch eine treppe runter. hat auch gute seiten. leider werden die ausgaben fürs militär und die polizei extrem hoch gehalten. doch die versorgung mit hausärzten ist katastrophal...

Hardcoreboson
14.09.2010 21:52
naja ich denke schon das die schweizer zu zeit ein bisl bloed sind.

so versuchen sie zwar rosinen zu picken (das ist natuerlich nicht bloed), uebersehen aber das es immer weniger funktioniert. schengen ja, mit massiven zahlunengen an bruessel - und ohne teil der zollunion zu sein was ein massiver aufwand fuer schweizer unternehmen bedeutet.

es wird wohl darauf hinauslaufen das die schweiz im endeffekt wirklcih beitritt, oder wirklcih nicht dabei ist. ist fuer beide seiten besser.

Alfred Fux
11.10.2010 10:34
Wieso denken Sie

dass es für die Schweizer gut wäre, wenn ihre Unternehmen in Europa ungehemmt agieren könnten? Haben Sie nichts mitbekommen? Was die Schweizer schützen ist ihre eigene Ökonomie. Nur weil wir uns ständig Sand in den Kopf stecken muss das nicht jeder Andere auch tun, nicht wahr?

Dass wir (noch) gut dastehen liegt nicht an genialen Wirtschaftspflegern und-weisen. Es liegt daran, dass wir uns die strategische Wichtigkeit mit den Färöer-Insel teilen und einen absolut trägen Wirtschaftsapparat haben.

Christoph ************
22.08.2010 01:31

Die Schweiz möchte am Status Quo, also Bilaterale Verträge bleiben. Das ist verständlich, aber genauso ist es verständlich, dass die EU zunehmend weniger einsieht warum Sie sich ein immer komplexer werdendes Monstrum von ueber 100 Verträgen mit einem Staat antun soll, der eben so groß ist wie die Schweiz es nun mal ist. Verträge die alle laufend ueberholt werden muessen, da EU Recht nun mal dynamisch ist, die Verträge aber statisch.

Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass sich die Schweiz auf die EU zubewegen und diese Probleme zu lösen versuchen muss. Wenn Sie es nicht tut, dann gibt es halt keine neuen Verträge zw EU und Schweiz. Wenn letzere damit leben können, fein, erstere kann es sicher.

nuts1
10.09.2010 00:51

die menschen in der schweiz haben das recht selbst zu entscheiden wie sie ihr leben führen möchten udn wenn sie das ohne eu wollen dann soll das so sein,..

Hardcoreboson
14.09.2010 21:55
nun das recht haben sie

und die EU hat das recht nein zu sagen.

ist relativ einfach.

nur witzig ist es halt wenn die schweiz dann auf einmal auf solidaritaet aus europa wartet, wenns troubles gibt mit einen dikator aus afrika ...

muff
 
10.09.2010 20:12

ohne den europäischen Markt wird es aber auch für die Schweiz schwierig.

p c2
13.09.2010 16:26

ich dachte wir haben einen freien markt? protektionismus sollt kein thema sein (gemäss ihren eu gebietern)

und so ganz n.b., was glauben sie denn wo ihre bürokraten und eliten ihr geld in sicherheit bringen?
innerhalb der eu vielleicht?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 68
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.