Medal of Honor empört mit "Collateral Murder"-Szene und Taliban-Perspektive

19. August 2010, 12:32
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Provokation mit Berechnung?

Die medienwirksame Vorstellung des Kriegsspiels "Medal of Honor" mit dem Sänger der US-Band Linkin Park auf der GamesCom hat die ersten Kritiker aufs Tableau gerufen. Dabei spielte der Star vor versammelter Presse eine actionreiche Passage, in der der Spieler von einem US-Kampfhubschrauber heraus auf eine vermeintliche feindliche Stellung feuert.

Für die Branchenseite heise-online sei die gezeigte Szene bedenklich, da sie "frappierend" an das von Wikileaks Anfang April veröffentlichte Video "Collateral Murder" erinnere. Darin zu sehen ist ein realer Angriff eines US-Hubschraubers auf ein Dorf im Irak, bei dem wie im Spiel sofort auf vermeintliche Gegner gefeuert wurde. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es sich um Zivilisten handelte. Die "ästhetische Nähe" sei klar ersichtlich, wenngleich Medal of Honor in Afghanistan spielt und nicht im Irak.


(Video: Besagte Szene aus Medal of Honor)

Auf der falschen Seite

Auch in den USA sorgte Electronic Arts im Oktober erscheinenden Kriegsspiel bereits für Aufsehen. Eltern von in Afghanistan gefallenen Soldaten hatten sich darüber empört, dass im Mehrspielerteil des Games nicht nur in die Schuhe von US-Soldaten geschlüpft wird, sondern man sich auch in die Rolle der Taliban versetzt. Auf Branchenseiten wie Kotaku aber auch beim Nachrichtensender Fox wurde daraufhin die Frage aufgeworfen, ob nicht immer einer die "Bad Guys" spielen muss.

Provokation mit Berechnung

Dass hinter all der Provokation nicht auch ein gutes Maß an Berechnung steht, ist recht offensichtlich. 2009 etwa regte Herausgeber Activision kräftig die Medienaufmerksamkeit an, als bekannt wurde, dass man im Spiel "Call of Duty: Modern Warfare 2" in einer Szene an der Seite von Terroristen ein Massaker an Zivilisten begeht. "Call of Duty: Modern Warfare 2" wurde in der Folge darauf nach dem Film "Avatar" zum erfolgreichsten Medienspektakel des Jahres. (zw)

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