Karadzic setzte sich durch: Prozess unterbrochen

19. August 2010, 10:29
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Haager Angeklagter bekommt zwei Wochen für Gesprächsaufnahmen Ratko Mladics

Den Haag/Belgrad - Der als Kriegsverbrecher angeklagte frühere bosnisch-serbische politische Führer Radovan Karadzic hat sich mit seinen Bemühungen um eine weitere Prozesspause zum Teil durchgesetzt. Nachdem diese Woche vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien im Verfahren gegen Karadzic zwei Zeugen der Anklage angehört werden, bekommt der frühere Präsident der bosnisch-serbischen Republik zwei Wochen, um sich Aufnahmen des Ex-Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, aus der Zeit des Bosnien-Krieges (1992-1995) anzuhören bzw. anzusehen, meldeten serbische Medien am Donnerstag unter Berufung auf den Senatsrichter O-Gon Kwon.

Gesprächsaufnahmen von Ratko Mladic

Karadzic hatte vergangene Woche eine dreiwöchige Prozesspause beantragt, um sich 93 Ton- und 10 Videokassetten sowie zwei CD- und acht DVD-Aufnahmen Mladics anzuhören. Sie wurden im Februar in dem Belgrader Haus des früheren bosnisch-serbischen Militärchefs sichergestellt und im Mai dem Chefankläger des Haager Gerichtes, Serge Brammertz, überreicht. Früheren Belgrader Medienberichten zufolge soll Mladic alle seine Gespräche, auch jene unter vier Augen, heimlich aufgenommen haben.

Karadzic hat sich vor dem UNO-Tribunal in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes und anderer Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina zu verteidigen. Der seit Herbst 2009 laufende Karadzic-Prozess wurde in der Vergangenheit schon mehrfach unterbrochen, weil der Angeklagte, der sich selbst verteidigt, mehr Zeit verlangte. Der ebenfalls angeklagte Mladic ist weiterhin flüchtig und wird in Serbien vermutet. (APA)

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