Haager Angeklagter bekommt zwei Wochen für Gesprächsaufnahmen Ratko Mladics
Den Haag/Belgrad - Der als Kriegsverbrecher angeklagte frühere
bosnisch-serbische politische Führer Radovan Karadzic hat sich mit seinen
Bemühungen um eine weitere Prozesspause zum Teil durchgesetzt. Nachdem diese
Woche vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien im
Verfahren gegen Karadzic zwei Zeugen der Anklage angehört werden, bekommt der
frühere Präsident der bosnisch-serbischen Republik zwei Wochen, um sich
Aufnahmen des Ex-Militärchefs der bosnischen Serben, Ratko Mladic, aus der Zeit
des Bosnien-Krieges (1992-1995) anzuhören bzw. anzusehen, meldeten serbische
Medien am Donnerstag unter Berufung auf den Senatsrichter O-Gon Kwon.
Gesprächsaufnahmen von Ratko Mladic
Karadzic hatte vergangene Woche eine dreiwöchige Prozesspause beantragt, um
sich 93 Ton- und 10 Videokassetten sowie zwei CD- und acht DVD-Aufnahmen Mladics
anzuhören. Sie wurden im Februar in dem Belgrader Haus des früheren
bosnisch-serbischen Militärchefs sichergestellt und im Mai dem Chefankläger des
Haager Gerichtes, Serge Brammertz, überreicht. Früheren Belgrader
Medienberichten zufolge soll Mladic alle seine Gespräche, auch jene unter vier
Augen, heimlich aufgenommen haben.
Karadzic hat sich vor dem UNO-Tribunal in elf Anklagepunkten wegen
Völkermordes und anderer Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina zu verteidigen.
Der seit Herbst 2009 laufende Karadzic-Prozess wurde in der Vergangenheit schon
mehrfach unterbrochen, weil der Angeklagte, der sich selbst verteidigt, mehr
Zeit verlangte. Der ebenfalls angeklagte Mladic ist weiterhin flüchtig und wird
in Serbien vermutet. (APA)