"Google ist ein tolles Feindbild"

19. August 2010 10:27
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    Foto: apa / herbert pfarrhofer

    STEPHAN HUMER (33) ist Soziologe und Dozent an der Universität der Künste in Berlin.
    Was manche befürchten: Street View ermögliche es Einbrechern, Häuser auszuspionieren. Dafür seien die Bilder allerdings zu alt, sagt der Internetsoziologe Stephan Humer.

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Die Angst der Deutschen vor Google Street View führt der Internetsoziologe Stephan Humer auf mangelndes Wissen zurück

Standard: Warum ist die Aufregung über Google Street View in Deutschland so groß? Die Franzosen sehen das viel gelassener.

Humer: Viele haben überhaupt nicht verstanden, wie Google seinen Dienst umsetzen will. Die glauben immer noch, da werden Live-Bilder im Internet gezeigt, was ja Quatsch ist. Außerdem hat sich die Politik jetzt sehr auf dieses Thema gesetzt, weil sie zuvor wieder einmal geschlafen hat.

Standard: Was meinen Sie damit?

Humer: Deutschland ist ein sehr technikkritisches Land, Politiker sind oft technikfeindlich, was wohl auch eine Generationenfrage ist. Aber die deutsche Politik hat sich auch gegen die Buch-Digitalisierung gewehrt oder hatte Bedenken gegen Google-Mail.

Standard: Sightwalk.de bietet schon Stadtansichten. Da sind nicht einmal Gesichter gepixelt. Warum regt das niemanden auf?

Humer: Ja, da gäbe es die eine oder andere Geschichte, die genauso zu hinterfragen wäre. Aber Google ist ein tolles Feindbild - ein großer US-Konzern, den jeder kennt. Da ist viel Populismus dabei.

Standard: Hätte Google sein Vorhaben besser erklären müssen?

Humer: Die hätten schon wissen müssen, dass die deutsche Politik sehr träge ist. Aber jetzt sind sie ja sehr offensiv und schalten große Anzeigen. Das Problem in Deutschland ist, dass viele Leute immer noch glauben, Digitalisierung sei eine technische Neuerung, die nur ein paar Freaks angeht. So ist es aber nicht. Da passiert gerade epochales und damit muss ich mich auseinandersetzen, egal, ob es mir gefällt oder nicht - nicht nur als Privatperson, auch als Politiker.

Standard: Was erwarten Sie von der deutschen Politik?

Humer: Dass sie jetzt keine Hau-drauf-Aktion startet, sondern in Ruhe mit Internet-Experten überlegt, welchen gesetzlichen Rahmen Digitalisierung braucht.

Standard: Sie werden Ihr Haus wohl eher nicht pixeln lassen.

Humer: Nein, mache ich nicht. Mir ist es völlig egal, ob es gezeigt wird. Man muss ja auch bedenken: Jede Person, die möchte, kann ein Haus fotografieren und dann das Foto im Internet veröffentlichen. Das ist nicht verboten.

Standard: Skeptiker fürchten, Einbrecher könnten via Google Street View Häuser auskundschaften.

Humer: Die Bilder, die Street View zeigt, sind zum Teil schon ein paar Jahre alt. Wenn sich wer wirklich für ein Haus interessiert, kann er auch mit dem Auto vorbeifahren und sich alles anschauen. Ich habe Verständnis dafür, dass man militärische Anlagen nicht zeigt. (das Interview führte Birgit Baumann, DER STANDARD Printausgabe 19. Augut 2010)

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Kronski
24.08.2010 16:47
geht's noch blöder?

1) Deutschland sei ein technikkritisches Land... mit Verlaub, Deutschland ist DIE Industrienation der Welt, das hat sich beim Herrn Humer noch nicht herumgesprochen

2) Feindbild Google: Streetview ist ja nicht das einzige Angebot des Konzerns... alle Dienste von Google zusammengenommen sind schon ganz detaillierte Profile von jedem Einzelnen möglich, diese Daten sollten nicht Besitz eines Konzerns sein

3) Häuserfassaden sind zwar öffentlich, jedoch bildet Streetview mehr als nur Häuserfassaden ab. Außerdem ist zu fragen, ob die Öffentlichkeit der Fassade automatisch die weltweit zugängliche Veröffentlichung der Fassade als Bild erlaubt!

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
19.08.2010 17:21

die gefahr ist ja nicht der dienst selbst, sondern
1. die menge an daten und
2. die vernetzung mit anderen daten und
3. die geschwindigkeit mit der diese daten kombiniert werde können.

zb ein einbruch: früher musste man sich in der
gegend auskennen, die gegebenheiten auskundschaften. dies barg natürlich auch gleichzeitig das risiko, schon frühzeitig erkannt/ertappt zu werden. auf unvorhergesehene
ereignisse konnte kaum rücksicht genommen werden.

heute: erkundigung ist schnell & anonym aus der
ganzen welt möglich. oh der hat grad auf ebay eine wertvolle vase erstanden - wo lebt der, ist polizei in der nähe? mal auf facebook schauen, ob er zuhaus ist und mit streetview anfahrt & flucht planen. plan in 20min fertig.

OGHaha
20.08.2010 00:30
Schon richtig, aber bei ALLEM was je erfunden wurde gibts immer Vorteil und Risiko.

Spielen sie dass mal durch: Rad? Weit gefährlicher als auf 2 Beinen, und und und ....

Im speziellen Fall: Um wirklich bei allen Möglichkeiten, die sie anführen sicher zu sein, müssten sie weltweit das Internet abdrehen.

clican
19.08.2010 14:00

Der Herold darf damit online gehen
http://strassentour.herold.at/?point=002751 ,
bei Google muss erst die Datenschutzkommission prüfen...

clican
19.08.2010 13:43
Paranoia

Was bringt einem Einbrecher Google Streetview? Wird sich noch jeder selbst vor Ort ein Bild von der Umgebung, Fluchtmöglichkeiten und Verstecken machen. Und Gelegenheitseinbrecher steigenh bei Leuten ein, die daheim sind, und im Nebenzimmer nichts davon mitbekommen. Ganz ohne Streetview.

OGHaha
20.08.2010 00:36
Na, überhaupt nichts. Die Krux wenn schon, ist vielmehr die heutige immer bessere Kameratechnik.

Bald gibts bei pearl den preiswerten "street view hat".

iohui
19.08.2010 11:42
die wahrscheinlichkeit dass ein wohnhaus in einer wohnsiedlung

nach 2 jahren noch immer so aussieht ist auf jeden fall grösser als dass eine ferienanlage in einem hoteldorf noch genauso aussieht.

insofern sind diese ganzen argumente, warum man sowas brauchen könnte, an den haaren herbeigezogen.

das ist ordinärer voyeurismus,
sonst gar nichts,
denn es geht ja nicht nur um sehenswürdigkeiten sondern auch um abgelegene wohnstrassen, wo ein tourist gar nicht hin will. bei gaunern halt mit dem vorteil des geringeren aufwands bei der jobplanung.

OGHaha
20.08.2010 00:40
Das ganze Internet, das ganze Leben ist "ordinärer voyeurismus"

Kunst und Kultur...usw.

melhor
19.08.2010 12:41

HAHA! Ich stell mir mal so ein paar Einbrecher vor, die vor einem Computerbildschirm hocken und sich über StreetView bzw Norc die Häuser anschauen. Müssen Top-Profis sein!

Es gibt 2 Arten von Einbrechern. Die, die wissen was wie zu holen ist und diejenigen, die auf gut Glück in ihre Wohnung eindringen in der Hoffnung DigiCams, Laptops udgl abzustauben. Erstere kommen sowieso wenn sie Wertvolles besitzen. Die anderen kommen weil sie gerade nicht zuhause sind (Urlaub, Arbeit, ...). In beiden fällen nützt denen StreetView gar nichts.

Und was hat das eigentlich mit Voyerismus zum tun? Glauben sie nackte Menschen in den Fenstern entdecken zu können?

iohui
19.08.2010 14:19

bei den profis läuft das angeblich schon so, dass die, die die touren planen, weit weg sind und das onlineangebot zum auskundschaften der lohnenden gebiete sehr zu schätzen wissen, weil sie die ausführende truppe gezielt losschicken können, ohne dass sie selber auch anreisen müssen.

OGHaha
20.08.2010 00:45
Kann durchaus sein, dass es solche gibt. Aber dann müssen sie zB auch gegen die allgemeine Motorisierung sein.

Was glauben sie wie dadurch die ehrenwerte Arbeit des gemeinen Einbrechers erleichtert wurde...

iohui
21.08.2010 05:07

wieso muss ich gegen etwas sein?

melhor
19.08.2010 15:02

Ah verstehe! Und die "Tourenplaner" schauen sich die Fassaden der Häuser an, weil sie daran erkennen ob bei jemandem Fotoapparate und Laptops zu erstehlen sind. Und die Strassenbilder benutzen sie dann auch gleich um ihre Flucht zu planen, weil Satellitenbilder bzw Straßenkarten hier nicht genug Aufschluss über die örtlichen Straßenverhältnisse geben.

iohui
19.08.2010 15:48

soweit ich weiss sind die strategisch schon etwas fortgeschrittener.

clican
19.08.2010 15:31

und von Aussen kann man natürlich auch erkennen, welche Alarmanlage im Inneren verwendet wird, ob diese eine Anbindung zur Polizei hat und welcher Safe-typ sich im verstecken Panic-Room befindet...

xrichx
 
19.08.2010 12:31
keine ahnung

aber viel mitreden wollen...

tut mir leid, aber mir half street view bei meiner reiseplanung in den USA sehr wohl um zu sehen wie es zB. mit parkplätzen dort aussieht usw. usf...

iohui
19.08.2010 12:40

das siehst in den satellitenbildern genauso. in den usa kriegst sogar jede tankstelle und jeden burgerschuppen markiert.

melhor
19.08.2010 12:53

Satellitenbilder stören sie aber nicht? Auch nicht wenn sie in ihrem Garten, nackt am Pool liegend, fotografiert werden?

iohui
19.08.2010 13:16

abgesehen davon dass ich keinen garten mit pool habe darf mich google gern in jeder erdenklichen pose für seine gewerblichen zwecke fotografieren.
kostet aber einiges.

melhor
19.08.2010 13:53

Der Hellste sinds ja vielleicht nicht, dafür aber haben sie Humor.

iohui
19.08.2010 14:10

fast immer. und so verdunkelt dass ich ein standardforum mit einem intelligenztest verwechsle bin ich auch nicht.

melhor
19.08.2010 15:03

Wo sie recht haben ... schließlich zwingt sie im Standardforum niemand ihr Hirn einzuschalten

iohui
19.08.2010 15:55

das wär ja eine riesensauerei. schliesslich kommt man hierher um mal abzuschalten.

Hectic
19.08.2010 12:15
Wo ein Tourist nicht hinwill...

Aha? Uns Sie wissen wo/was Touristen alles sehen wollen?

Btw. hab ich mir von einer alten bekanntschaft in Florenz auch schon die umgebung in Streetview angesehen. Siehe da! Ich bin nirgens eingebrochen o.Ä. Sowas von den Deutschen geht schon über die gesunde Paranoier hinaus

iohui
19.08.2010 12:41

ja die alten bekanntschaften. da gibt es vielerlei voyeuristische interessen.

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