"Zu wenig" Bewerber: Keine Aufnahmeprüfung in Publizistik

19. August 2010, 10:58
184 Postings

In Wien und Klagenfurt gibt es mehr Plätze als Bewerber - Nur in Salzburg ist die Aufnahmeprüfung nötig, Klagenfurt will einen "formalen" Test

Am Publizistik-Institut in Wien wird es nun doch keine Aufnahmeprüfung geben. Es haben sich weniger Personen für den Test am 13. September angemeldet, als es Plätze gibt. In Klagenfurt wird ein Test stattfinden, obwohl es nur 100 Bewerber für 180 Plätze gibt.

In Wien haben sich bis zum Fristende am 18. August nur 970 Interessenten für einen der 1.123 Plätze registrieren lassen. Alle Bewerber, die sich hier rechtzeitig angemeldet haben, können nun Publizistik studieren. Nur in Salzburg gibt es mit 226 wenig Plätze, hier ist ein Aufnahmeverfahren für die 263 Bewerber nötig.

Halb so viele Deutsche wie 2009

Der Studienprogrammleiter des Publizistik-Instituts in Wien, Klaus Lojka, erklärt sich im Gespräch mit derStandard.at den Rückgang der Publizistik-Interessenten so: "Wenn sich die Studierenden selbst prüfen müssen, dann gibt es weniger, die sagen 'dann probier ich es einmal'. Das geht jetzt nicht mehr". Zudem hätten sich auch rund halb so viele deutsche Interessenten beworben wie noch im Jahr 2009.

In diesem Frühjahr hatten sich die beiden Regierungsparteien zu einer Verordnung, die ein Aufnahmeverfahren in Publizistik und Psychologie erlaubt, durchgerungen. Die Regierung legte damals 1.123 Plätze für die Uni Wien fest. "Diese lagen deutlich über den Kapazitäten des Instituts", so die Uni Wien. Beantragt wurden deshalb 962 Plätze - und damit in etwa die nunmehrige Bewerberzahl. Für Lojka ist die Bewerberzahl "ideal".

Spätentscheider wurden ausgesiebt

Die frühe Anmeldefrist für die Prüfung hat wohl vor allem Spätentscheider ausgesiebt. "Damals bekamen wir noch in der letzten Septemberwoche 300 Anmeldungen", sagt Lojka. Obwohl nun kein Test stattfindet, hält der Studienprogrammleiter das Aufnahmeverfahren für gerechtfertigt. Man hätte im vergangenen Jahr gesehen, was passiert, wenn es keinen geregelten Zugang gibt. Im Studienjahr 2009/10 gab es in Wien rund 1.600 Studienanfänger, in Salzburg 500 und in Klagenfurt 180.

"Formaler" Aufnahmetest in Klagenfurt

An der Universität Klagenfurt wird es für das Publizistik-Studium trotz der geringen Anmeldezahlen einen Aufnahmetest geben. Das teilte die Universität in einer Aussendung mit. Im Rahmen eines "Aufnahmetags" sollen die angehenden Studenten Informationen über Fachbereich, Studienverlauf, Institut und Universität erhalten und anschließend einen "formalen Aufnahmetest" absolvieren.

Die Studenten müssen am 13. September also persönlich erscheinen, um ihren Studienplatz tatsächlich "abzuholen". Umgekehrt dürfen sich aber bisher nicht Angemeldete keine Hoffnung auf einen Studienplatz machen.

VSStÖ will Plätze in Wien und Klagenfurt für Bewerber aus Salzburg

Der Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten (VSStÖ) hat in einer Aussendung vorgeschlagen, dass auch in Salzburg keine Aufnahmeprüfung stattfinden soll. Hier haben sich 37 mehr beworben, als Plätze zur Verfügung stehen. Den Studierenden sollen stattdessen die freien Plätze in Wien und Klagenfurt angeboten werden, so der VSStÖ. Die Zugangsbeschränkungen bezeichnete die Bundesvorsitzende Stefanie Grubich als "absurd". "Es hat sich gezeigt, dass Zugangsbeschränkungen das Problem der Unterfinanzierung der Universitäten nicht lösen, sondern nur weiter Probleme schaffen", so Grubich. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) werde nicht "darum herumkommen" mehr Geld für die Universitäten locker zu machen. (lis, derStandard.at, 19.8.2010/APA)

Share if you care.