FP-Plakat: 300 Beschwerden

"Negative Effekte für Wähler"

Astrid Ebenführer, 19. August 2010, 13:15
  • Artikelbild
    foto: apa/neubauer

    FPÖ-Sujet auf einem Gewista-Plakatplatz

Werberat will auch für Wahl-Kampagnen zuständig sein - Bei "Stopp"-Empfehlung könnten Plakate wie "Mehr Mut für unser Wiener Blut" aus Stadtbild verschwinden - Vor Wien-Wahl geht sich diese Neuregelung nicht aus - Wer dafür oder dagegen ist, erklärt Präsident Straberger

"Mehr Mut für unser Wiener Blut - Zuviel Fremdes tut niemandem gut" plakatiert die FPÖ: Rund 300 Beschwerden sind dazu in den vergangenen Tagen beim Werberat eingelangt. Noch darf sich das Gremium dort nicht damit beschäftigen. Denn, der Werberat ist derzeit nur für Wirtschaftswerbung zuständig, nicht jedoch für Werbung aus dem politischen Bereich. Doch das soll sich ändern. Wie berichtet will der Werberat in Zukunft auch über politische Werbung Urteile fällen.

Der Plan, dass diese Regelung bereits vor der Wiener Wahl gilt, ist nicht zu halten. "Ich bin durchaus zuversichtlich, dass es vor den nächsten großen Wahlen eine Regelung geben wird", sagt Präsident Michael Straberger. Doch damit meint er "leider nicht die Wiener Wahl - auch wenn ich mir das persönlich sehr gewünscht habe und ich weiß, dass viele Mitglieder des Werberats das übrigens ähnlich sehen".

Bei Werberat-Stopp keine Veröffentlichung

Diese Neuregelung könnte für Parteien und deren Werbung durchaus brisant sein. Denn mittlerweile haben heimische Außenwerber wie Gewista, Epamedia, Megaboard Soravia aber auch der ORF und ATV in ihren Geschäftsbedingungen festgelegt, keine Sujets und Kampagnen zu veröffentlichen, die vom Werberat mit einem "Stopp" belegt wurden (mehr dazu hier). Wäre die FP-Kampagne also vom Werberat verurteilt worden, so wäre es möglich, dass zum Beispiel die Gewista diese Plakaten nicht affichiert.

Straberger: "Der Werberat hat gerade in den letzten Monaten gezeigt, dass diskussions- und manchmal fragwürdige Kommunikationsmaßnahmen rasch öffentlich kritisch beleuchtet werden und in Extremfällen durch den Schulterschluss mit den führenden Medienunternehmen aus dem Stadt-/Landbild verschwinden. So wie für Unternehmen im Werberat-Rampenlicht Werbung schnell negative Effekte bei ihren Konsumenten bringen kann, so soll das in Zukunft für politischen Parteien bei ihren Wähler sein."

"Eher unwahrscheinlich ist, dass eine FP hier mitzieht"

Derzeit laufen Gespräche mit den Parteien. Wer ist dafür, wer dagegen, dass der Werberat auch über politische Werbung urteilt? Zwar habe der Werberat in ersten Gesprächen mit den Koalitionsparteien SPÖ/ÖVP grünes Licht für die gemeinsame Erarbeitung von eigens auf politische Werbung abgestimmte Beschwerdeprozesse erhalten, auch die Grünen seien für diesen Prozess "sicher zu gewinnen", aber von einer konkreten Umsetzung sei man "noch mehrere Monate entfernt". Straberger: "Politische Mühlen mahlen langsam". Dass eine FP hier mitzieht, hält er für "eher unwahrscheinlich".

Straberger: "Meiner Meinung nach wäre es sehr befremdend, wenn sich nicht die Mehrheit der politischen Parteien auf das Grundprinzip der Selbstbeschränkung, das man für Wirtschaftswerbung als gutes und richtiges Instrument ansieht, für ihre eigene Kommunikation einschwört. Wer sich unseren Kodex zu Gemüte führt, wird feststellen, dass hier nichts überreguliert, geschweige denn zensuriert werden soll, sondern soziale, gesellschaftlich-anerkannte Spielregeln eingefordert werden."

Stellung beziehen

Wäre das aktuelle FP-Plakat vom Werberat verurteilt und mit einem Stopp belegt worden? Straberger: "Diese Frage wird leider weder heute noch in Zukunft beantwortet. Das Plakat kam, wie es in der Wien-Wahl kommen musste, leider für uns zu früh. Aber der Umstand, dass innerhalb von wenigen Tagen rund 300 Beschwerden eingehen, ist ein klarer Indikator dafür, dass wir als Werberat die Verantwortung haben, Stellung zu beziehen." Über 300 Beschwerden innerhalb weniger Tage ist übrigens haushoher Rekord für den Werberat. Zum Vergleich: Zur bet-at-home.com-Kampagne mit Zidane-Kopfstoß gingen nicht einmal ein Drittel soviel Beschwerden ein.

Neues Judging

Für die Neuregelung müssten die Statuten des Werberat nicht verändert werden, "aber unser Ansatz ist, dass wir das Judging für Politwerbung unabhängig von dem nun etablierten Beschwerdeprozeß für Wirtschaftswerbung aufsetzen. So könnten Fakten wie Anzahl der Beschwerden innerhalb eines Zeitraums, Beschwerdeinhalt und Relevanz im Sinne unseres ÖWR-Kodex in eine offizielle Stellungnahme einfließen." Straberger: "Aus heutiger Sicht wird die Beschwerde-Procedure nicht über das Gremium unser 90 Werberäte laufen, aber da ist die Diskussion noch im Laufen. Ich glaube, dass hier Freiwilligkeit und Spezialistentum zu den Themenkreisen zusammengeführt werden muss." (ae, derStandard.at, 19.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 210
1 2 3 4 5
Wolfram Glühdraht
03
23.8.2010, 13:55
Bei (.)(.) ist der Werberat natürlich viel schneller.

peter purzel
00
22.8.2010, 21:20
Wenn ich den Wohlfahrtsausschuss...

...wiederbeleben möchte, werde ich dass sicher nicht der Wapplerpartie vom Werberat antragen.

Jo eh...
00
22.8.2010, 15:27

Das Plakat ist ja nicht nur dumm und hetzerisch, sondern v.a. einfach falsch. Die Theorie und Praxis der natürlichen Selektion zeigt dass stark durchmischte Arten immer viel erfolgreicher sind als isolierte.

Und überhaupt: Wenn Strache wirklich das "Wiener Blut" schützen will könnte er ja gleich zurück ins Sudetenland übersiedeln und die echten Wiener in Frieden lassen ;-)

sleepyc
01
22.8.2010, 12:16
grundsätzlich aber,

fände ich es mehr als bedenklich, wenn der werberat sich um juror über politische aussagen -und damit meinungen- aufschwingt.

was, wenn dieses gremium irgendwann mal mehrheitlich mit rechtsauslegern besetzt wäre?

also: idee gut, aber in einer kinderschuhdemokratie wie bei uns nicht machbar, da beschneidung der meinungsfreiheit.

sleepyc
01
22.8.2010, 12:13
dazu schönes zitat erhalten:

strache h.c. nicht mehr alle.

bitte um weiterverbreitung.

st.rache muss einhalt geboten werden.

Karl Freud
00
21.8.2010, 11:16
HaTscheStratsche-Luftballon & Co ...

... brauchen nicht eine aufs Häupl (ist kein Wortspiel) sondern einen guten Psychiater; ernst gemeint. Legen wir für die ersten 10 Stunden zusammen. Ernst gemeinte Hilfe verträgt er sicher nicht. Insofern ist dieser Vorschlag hinterfotzig.

Alina Zak
03
21.8.2010, 00:18
ausgegrenzt, verachtet, am liebsten gesteinigt,

FPÖ als Hassobjekt derer, die einen Sündenbock brauchen. so wird der Sündenbock-verwendende zum Sündenbock derer die beweisen wollen "besser" zu sein. was wären die anständigen Moralisten ohne sie?

so versteckt der aggressive seine Aggression: indem er den, der lauter seine Aggression zeigt, an den Pranger stellt.

aber "Einheimische" oder gar Intelektuelle Einhemische wollen das nicht erkennen. Nur als Außenstehender sieht man es ...

BärTiger
00
22.8.2010, 09:26

Ich denk man kann auch ohne Aggressionen und ohne dem Bedarf nach einem Sündebock die Werte und Plakatierungen der FPÖ bestürzend falsch finden.
Man muss nur Menschen im allgemeinen mögen (egal ob Einheimische, Zugewanderte und "gar" Intelektuelle) um ein Problem damit zu haben. Einer der Werte die die Plakate vermitteln sind dass offensichtlich eine Gruppe Menschen "besser" ist als andere. Und das empfinden Sie doch auch falsch?

Alina Zak
00
29.8.2010, 18:09
Nachtrag: sie haben recht

die Plakate darf man kritisieren.
aber Menschenliebe beweist man durch verteidigen der Menschen + nicht durch Hetze gegen die Gegner (gegner =strache), welcher auch ein Mensch ist. man kann nicht Menschenliebe ernten wenn man Verachtung sät. man lehrt am besten durchs Vorbild. abwerten von "anderen"(=HC) hat bewirkt das sich die geschicht immer nur wiederholt...

Alina Zak
00
29.8.2010, 17:05
Strache ist einer der provoziert

das ist nicht nötig.
aber mir fällt auf: es stört am meisten bestimmte Österreicher.
viele "Ausländer"(nicht nur ich, ohne meinen Migrationshintergrung wäre ich aber kaum so "mutig" so zu reden) nehmen es eher mit Humor/ironie. wieso erkennen letztere das es Strache eben strategisch benutzt, wie jeder populistische Stimmenfänger. Während best. "Gut"menschen seine Politik als enorme Bedrohung ansehen (angriff auf ihr schwaches Ego?). die eigentlich Angegriffenen fühlen sich weniger angegriffen als die "Moralapostel" (die wohl im Kampf gegen das Böse in sich selbst, wahnsinnig aufgeregt sind, weil Strache ins wespennest sticht)
strache selbst beeindruckt mich nicht, aber er zeigt ungewollt, wie falsch die gesellschaft ist...

Willies
11
21.8.2010, 00:08
Tolle Plakatkampagne: Wiener Blut - Vielfalt tut gut!

http://dasbuendnis.twoday.net/stories/w... ener-blut/

marty fink
01
20.8.2010, 17:22
Verhindern hat seit dem Vranz nichts gebracht!

A.B. Artig
 
00
20.8.2010, 20:19

Aber seit Schuessel waelzen die blauen sich frech in den Futtertroegen und maesten sich am Staat.

Alina Zak
00
29.8.2010, 17:18
sie holen in kurzer Zeit auf auf was sie lange Zeit angeprangert haben

ein häufig anzutreffendes Phänomen

der Kritisierende macht sobald er die Möglichkeit hat dasselbe wie die vorher kritisierten ...das sollte uns zu denken geben!!! jedes mal wenn "WIR" leidenschaftlich kritisieren...das wir unbewusst den kritisierten beneiden (um seine Freiheit zu tun was er so tut)...dieser Neid macht uns sehr emotional in der Kritik.......siehe leidenschaftliche angriffe gegen Strache/Hitler etc. (a la "das braune Gesindel")....gesindel = ein "gut"menschlicher ausdruck?

Nachweislich aufgeklärtester Bürger der EU
 
14
20.8.2010, 16:19
Meines Erachtens erfüllt die FPÖ den Tatbestand des §130 Abs 2 Zif. 1 lit. b StGB.

"Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft,
wer Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Haß gegen Teile der Bevölkerung (...) aufstacheln, (...) oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, daß Teile der Bevölkerung (...) böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden, öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht."

Unseren fremden Mitbürgern zu unterstellen, sie täten niemandem gut, ist Verhetzung par excellence!

Wozu noch Werberat, wenn es eine Staatsanwaltschaft gibt?

J.J
10
22.8.2010, 11:28

deine meinung ist völlig unbedeutend.

Nitram1988
00
22.8.2010, 02:37
Antwort: Politische Immunität

Der Grund wieso die FPÖler frei rumlaufen dürfen.

Alina Zak
04
21.8.2010, 00:25
reden sie mal mit den "fremden " Bürgern

"wir" wählen lieber FPÖ als Grün :-)

Truhe
 
10
21.8.2010, 15:21

Wenn dann schreib' "ich", das "wir" ist nämlich ein plural (jaja Deutsch lernen) und wenn du nicht an multiplen Persönlichkeiten leidest funktioniert das nicht.

Alina Zak
00
29.8.2010, 18:23
sie meinen ich als Ausländer soll Deutsch lernen :-)

habe ich, hatte meistens Einser in der Grammatik, im unterschied zu viele Ösis.

für langsam denkende; das "wir" weist darauf hin, das ich zu dieser Gruppe der "Ausländer" zähle, und fasst in einem kurzen Wort zusammen, das viele meiner "ausl. Bekannten, so wählen. ich persönlich wähle mittlerweile nicht mehr aus Überzeugung, sondern nur noch das geringste Übel. die Zeiten wo ich grün gewählt habe, sind vorbei. denn ich will daß die Grünen ihre Fehler erkennen. wie zb. öfterr mit den armen Ausländern reden, und zwar der Mehrheit + nicht den untypischen die in ihrer Partei sind
ausnahme:
http://derstandard.at/3295733/N... Auslaender
Efgani Dönmez

pauljoe
01
20.8.2010, 23:17

naja, daher wurde vermutlich 'fremdes' statt 'fremde' getextet, damit sind personen quasi begrifflich ausgeschlossen. dass natürlich trotzdem menschen gemeint sind, ist jedem klar, aber gesetzlich nach diesem gesetz nicht zu ahnden. damit hat man elegant das gesetz umgangen.

abgesehen davon, ich empfinde 'fremdes' noch einmal herabwürdigender als 'fremde', denn abgesehen davon, dass es verlogen ist, da man 'fremde' meint ist es letztklassig menschen sächlich, als als dinge, zu bezeichnen.

Advaita0
00
20.8.2010, 15:40
Meint Haze, dass man mehr zustechen soll?

Mehr Mut zu Blut...

Ich bin klug
02
20.8.2010, 15:17
Selbst schärfste Represalien gegen die FP wirken nicht annähernd so erfolgreich,

als wenn man sie ganz einfach ignoriert. Denn wenn eine reine Protestgruppe ignoriert wird, muss sie zwangsläufig zu härteren Kraftausdrücken greifen und gleitet anschließend in die Lächerlicherlichkeit ab.

Roll Over Beethoven
00
20.8.2010, 13:30

Finde die Diskussionen über & mit FPÖ Wähler einfach nur noch unnötig..
Sprach einmal mit einem, dem war sogar die Presse "zu links"..
Hoffnungslose Fälle

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 210
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.