Schnelle Fotos, hohe Sprengkraft

18. August 2010, 19:54

Wie Private müssen Staaten lernen, Bilder und Daten vor Verbreitung zu schützen

Die Affäre um die Facebook-Fotos der israelischen Exsoldatin Eden Abergil, auf denen sie grinsend mit gefesselten palästinensischen Gefangenen posiert, hat zwei moralisch-politische Facetten:

Einerseits bietet sie ein erschreckendes Bild von der Stimmung in der israelischen Armee und der Einstellung vieler Soldaten und Soldatinnen zu den Palästinensern. Hier geht es - anders als im US-Gefängnis Abu Ghraib - nicht um Folter, sondern um die Missachtung der Menschenwürde, die nach 43 Jahren Besatzung in weiten Teilen der israelischen Gesellschaft zur Norm geworden ist. Dass auch viele Palästinenser - und andere Araber - in einem Israeli unter keinen Umständen den Menschen erkennen wollen, entschuldigt den Verfall der Sitten in einem Land mit so hohen ethischen Standards wie Israel nicht.

Der andere Aspekt geht über den Nahostkonflikt hinaus: Wie kann es sein, dass minderbemittelte Militärangehörige - die Israelin Abergil ebenso wie die Amerikanerin Lynndie England einst in Abu Ghraib - sich fröhlich bei fragwürdigen Amtshandlungen fotografieren lassen können und keinerlei Hemmungen haben, die Bilder der ganzen Welt zu zeigen? Während einfachen Bürgern und vor allem Jugendlichen täglich gepredigt wird, sie sollen im Umgang mit sozialen Internet-Medien doch bitte Disziplin und Diskretion walten lassen und nur ja nichts von sich preisgeben, was ihnen später schaden könnte, haben es staatliche Stellen in aller Welt verabsäumt, verbindliche Regeln für private Bilder aufzustellen und diese konsequent durchzusetzen.

Auch die Wikileaks-Affäre war in erster Linie Ausdruck einer erschreckenden Disziplinlosigkeit in den US-Streitkräften. Die 90.000 veröffentlichten Dokumente haben der Welt nichts über den Afghanistankrieg erzählt, was man nicht schon vorher wusste - außer der Erkenntnis, dass die größte Militärmacht der Welt nicht in der Lage ist, vertrauliche Dokumente vor dem Zugriff einzelner Renegaten zu schützen. Hier geht es nicht um eine Verteidigung der Zensur: Wikileaks hatte jedes Recht, die erhaltenen Protokolle zu veröffentlichen. Aber diese hätten nie in seine Hände fallen dürfen.

Denn solche Sorglosigkeit darf nicht etwa mit Offenheit verwechselt werden. Militär- oder Polizeikommandanten, die sich nicht darum scheren, was ihre Untergebenen so alles knipsen, versenden oder tratschen, kümmern sich meist auch nicht um die Einhaltung anderer Vorschriften - etwa den korrekten und respektvollen Umgang mit Gefangenen. Und eine Armee, die bei der eigenen Datensicherheit versagt, wird auch andere gravierende - und für Zivilisten oft tödliche - Fehler begehen. Wenn in Österreich Rekruten "Heil Hitler"-Videos auf Youtube stellen, ist der Schaden zum Glück auf die Reputation des Bundesheers und des Landes beschränkt.

Die Bilder der Demütigung, die vom Fall Abergil ausgehen, drohen hingegen das israelisch-palästinensische Verhältnis weiter zu vergiften, selbst wenn keine Übergriffe darauf zu sehen sind. Das ist das politische Gegenstück zum jugendlichen Party-Schnappschuss auf Facebook, der einem Arbeitgeber in die Hände fällt - aber mit viel schlimmeren Folgen.

Auch Staaten müssen sich endlich der Gefahren, die in der Handy- und Facebook-Ära von schnell gemachten Fotos ausgehen, bewusst werden. Die Debatte, wie man sie eindämmen kann, hat gerade erst begonnen. (Eric Frey/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2010)

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Walter Bimini
00
28.8.2010, 14:43
müssen Staaten lernen, Bilder und Daten vor Verbreitung zu schützen

freys herz blutet, wenn er die ineffektive zensur in den westlichen armeen erdulden muß.

momodeluxe
01
20.8.2010, 10:30

gewalt gut, gewaltfotos böse?

ist das der inhalt dieses artikels?

THE MGT.
01
20.8.2010, 06:31

http://derstandard.at/128182956... rutalitaet

Was wäre hier zu tun gewesen? Das Video rechtzeitig verschwinden lassen, damit "unnötige" Aufregung verhindert wird?

Wüstenfloh
01
19.8.2010, 17:46
Schade, Herr Frey...

an Ihnen ist die Aufklärung spurlos vorbeigegangen!

Walter Bimini
00
28.8.2010, 14:45
ich fürchte das müssen sie ihm genauer erklären. denn sonst versteht es unser steinzeitler einfach nicht.

Wyle E. Koyote
00
19.8.2010, 16:40
tja, wenn mam hofberichterstattung

betreibt ist man nicht auf solche "quellen" angewiesen...

Herr frey

farbrauschen
09
19.8.2010, 13:02
irrtum,herr frey. ganz im gegenteil. wir leben in einer demokratie und sollten mitentscheiden können. und das ist wiederum nur möglich, wenn der informationsfluss reichlich und ungetrübt fließt.

das ist deutlich unbequemer für die volksvertreter.

es sollte keine geheimnisse geben, alles offenliegen und einsehbar sein,
dann wäre korruption mit einem schlag enorm erschwert.

genau das geheimhalten ist es,
das mauscherln,
das "untersuchungen-durch-weisungen-unterdrücken" (siehe hypo nö), das schwarzstricheln von beweisunterlagen, etc,
ist es, das die rechtlichen kosrrosionszonen in jedem staat der welt enorm vergrößert.
ich denke da z.b.an die ganz geheimen eurofighter-abmachungen: die wirtschaftsplattform, die die fighter bezahlt, ist so geheim, dass sie bislang nicht in aktion treten konnte...

geheimhaltung ist ein machtmittel.
und gehört abgeschafft.

so wie soldaten, die gefangene demütigen oder quälen.
egal, in welchem land

Süffisant
011
19.8.2010, 12:46
frey kapiert das wesentliche nicht!

nicht die fotos sind das problem, sondern die missachtung der menschenwürde an sich ist das problem. missachtung der menschenwürde wird ja nicht ERST DANN schlimm, wenn sie durch bild/ton dokumentiert wird.

mao zeitung
01
19.8.2010, 12:45
herzig: ..."drohen hingegen das israelisch-palästinensische Verhältnis weiter zu vergiften"...

gerade jetzt wo die so gut waren miteinander.

Don schlau on
03
19.8.2010, 12:28
wenn solche Sachen vorkommen

gehören sie publiziert!

Nichts gehört unter den Teppich gekehrt.

The Real Zet
 
00
19.8.2010, 12:24

Könnte vielleicht das nächste Buch werden: Staaten, sehet die Signale!

The Real Zet
 
03
19.8.2010, 12:24

"Auch Staaten müssen sich endlich der Gefahren, die in der Handy- und Facebook-Ära von schnell gemachten Fotos ausgehen, bewusst werden."

Sagt Ihnen das Stichwort IRAN irgend etwas, Herr Frey?

sotho talker
 
01
19.8.2010, 11:53
diskretion ist ein anderes wort für unfreiheit.

wenn menschen entscheidungen treffen dann gibt es 2 möglichkeiten:
rationale entscheidungen und irrationale entscheidungen.

rationale entscheidungen kann ein mensch
nur und ausschließlich dann treffen wenn seine informationen so korrekt und umfassend wie möglich sind.

unfreiheit der information bedingt also zwingend irrationalität.

es geht nicht um "sicherheit", es geht um manipulation von meinungen. alles was "geheim" ist bedingt den zweck der manipulation zu einem vorteil von jemandem.

wer will behaupten die ziele geheimhalter wären identisch mit den zielen von demokratie und freiheit?

meinungsfreiheit bedingt als vorraussetzung erstmal die möglichkeit sich überhaupt eine meinung bilden zu können!

hage
27
19.8.2010, 11:49
...Land mit so hohen ethischen Standards wie Israel...

habe mich soeben verschluckt... dankesehr

buaahaahaaahha

Walter KURTZ
 
10
19.8.2010, 11:44

Naja, zur Zeit als ich beim Bundesheer war (gerade einmal 12 Jahre), waren simple Digicams recht teuer, Handys Welten davon entfernt brauchbare Fotos zu machen. Da beim BH mitm Fotoapparat herumrennen ist da kaum unauffällig gegangen und Fotografieren war mWn auf militärischen Objekten verboten (wurde nicht einmal Goethe in Italien verhaftet, weil er eine Festung abmalte (!) ?).
Das Problem ist nicht die Verbreitung, sondern die Entstehung der Fotos (da tritt mangelnde Disziplin als erstes zu Tage). Daher: Handys und Fotoapparate weg für Soldaten.

Der, der es hinter die Ohren tätowiert
04
19.8.2010, 11:09

Wie Private müssen Staaten lernen, Bilder und Daten vor Verbreitung zu schützen

diese Aussage würde sogar Kinderpornografie schützend unterstützen

*war gar nicht gut*

Der, der es hinter die Ohren tätowiert
00
19.8.2010, 11:18

"Wie kann es sein, dass minderbemittelte Militärangehörige - die Israelin Abergil ebenso wie die Amerikanerin Lynndie England einst in Abu Ghraib - sich fröhlich bei fragwürdigen Amtshandlungen fotografieren lassen können und keinerlei Hemmungen haben, die Bilder der ganzen Welt zu zeigen?"

Wie kann es sein, das solche überhaupt bei der Armee sind?
Warum gibt es solche sumpfigen Auswüchse

WO HABEN WIR ZU LERNEN
wenn wir es nicht sehen, können wir nicht lernen

nicht alles glauben - hinterfragen!
00
19.8.2010, 10:50
Moral und ..

Politker sollten eine Vorbildwirkung haben und für das Volk arbeiten.
Da es oft den Anschein hat daß man tun und lassen kann was man will.. warum sollte es in der Zivilbevölkerung anders sein?
Nicht das ein Verfall der Sitten und des Anstand nur auf Politiker zurück zuführen ist..
Aber die Werte in dieser Welt sind schon simpler geworden.
Gewinn steht über dem Menschen..
Ausbildung steht über Bildung..
brems deinen nächsten aus bevor er dich ausbremst..
Elten haben keine Zeit für Ihre Kinder (warum..siehe die Punkte oben)
Viele Junge wollen oder können diesen Druck und Erwartungshaltung nicht mehr standhalten und so...
Photos dieser Art, Jugentliche prügeln egal auf wenn ein... alle sind schokiert und keiner hilft..

Nr 41876
10
19.8.2010, 10:07
Und wie schauts dann mit den ganzen Webcams

bis hin zu den TW1 Kameras aus?

Weil die müsste man dann eigentlich auch reglementieren was bis jetzt ja nicht der Fall war.

andreas stampf
00
19.8.2010, 09:52

die entscheidende frage muss doch sein, ob ein derartiges missbrauchsverhalten systematisch und typisch ist. einzelne idioten und psychopathen wird es immer geben. wenn deshalb dann zusätzliche spannungen und konflikte entstehen leidet die zivilbevölkerung doch nur noch mehr.

ignazius rummsfeld
18
19.8.2010, 09:49
Schizo-Schmus!

Wir wollen eine bessere Welt, aber Missstände müsse besser verheimlicht/der Öffentlichkeit vorenthalten werden.....?
...Herr Frey, das ist wieder einmal ein Spitzenartikel...^^

WenKele
28
19.8.2010, 09:41
"sich fröhlich bei fragwürdigen Amtshandlungen fotografieren lassen können und keinerlei Hemmungen haben, die Bilder der ganzen Welt zu zeigen?"

Sind wir doch froh, dass diese Soldatinnen dumm genug waren, die Fotos auch noch ins Internet zu stellen, jetzt wissen wir wenigstens, wie es genau in diesen Gefaengnissen etc zugeht, und welche "fragwuerdigen Amtshandlungen" scheinbar ungestraft durchgefuehrt werden.

Das Problem sind nicht die Fotos, das Problem ist, was dort passiert!

Andreas S.
00
19.8.2010, 11:47

Das war nicht in einem gefaengniss. Es waren an der grenze zu gaza, und es waren leute die gerade beim illegalen grenzuebertritt verhaftet wurden.

Steht uebrigends auch so im artikel ueber das ereignis. Lies nach.

Tower Hill
00
19.8.2010, 13:58
Interessanter Umgang mit illegalen Grenzverletzern.

Kabelbinder und Augenbinden.

Andreas S.
00
19.8.2010, 15:54

nun die mit einer ak47 die grenze verletzen werden gleich erschossen (davon liest man ja auch in .at ab und zu ;-)

Wie sollen etwa grundwehrdiener gerade verhaftete etwa sonst bewachen? Fesseln und augen verbinden ist eine sehr sichere methode. (den aelteren maennern sogar nur vorne und nicht hinten)

Wie wird das in .at gemacht? Hab gehoert da wird manchmal der mund zugklebt. (nur bei schwarzen?)

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