GGM leitete Börsegang ein

18. August 2010, 22:51
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Mit eingenommenem Geld soll Schuld beim amerikanischen Steuerzahler beglichen werden

New York/Detroit - Der US-Autobauer General Motors löst sich langsam aus der staatlichen Obhut. Am Mittwoch legte der einst weltgrößte Hersteller seinen vorläufigen Börsenprospekt vor. Mehrere Wall-Street-Institute und auch die Deutsche Bank werden dem Konzern bei der Rückkehr auf das Parkett helfen. Mit dem eingenommenen Geld soll die Schuld beim amerikanischen Steuerzahler beglichen werden, der GM vor einem Jahr vor dem Untergang bewahrt hatte.

Mit dem Projekt "Morgendämmerung" will die Opel-Mutter ein Jahr nach der erfolgreich überstandenen Blitzinsolvenz auch Schulden beim Staat zurückzahlen. Die Regierungen der USA und Kanadas hatten GM im vergangenen Jahr mit Milliarden an Steuergeldern vor dem Aus gerettet und halten seither die Mehrheit an der einstigen Industrie-Ikone. Die US-Regierung hatte insgesamt mehr als 50 Mrd. Dollar (derzeit 38,8 Mrd. Euro) in das Unternehmen gepumpt und erhielt 61 Prozent der Anteile. Kanada bekam knapp zwölf Prozent. Weitere Anteile erhielt die Automobilgewerkschaft UAW im Gegenzug für einen Verzicht auf Sozialleistungen.

Das Volumen des Börsegangs war zunächst unklar. Das US-Finanzministerium wolle rund ein Fünftel seiner 304 Millionen Aktien verkaufen, um den Anteil auf unter 50 Prozent zu senken, hieß es. Experten erwarten, dass es einer der größten Börsengänge aller Zeiten wird. In Kreisen wurde mit bis zu 20 Milliarden Dollar gerechnet. Eine mit den Vorgängen vertraute Person sagte, das Finanzministerium habe den Antrag für den Börsegang noch nicht unterzeichnet. Ursprünglich hatte der Konzern das Gesuch bereits am vergangenen Freitag bei der US-Börsenaufsicht SEC abgeben wollen. Der kurzfristig angekündigte Wechsel an der Unternehmensspitze brachte den Zeitplan aber durcheinander.

Wechsel an der Spitze

Der bisherige GM-Chef Ed Whitacre hatte überraschend angekündigt, zum 1. September die Leitung des Konzerns an Dan Akerson zu übergeben. Akerson, der damit der vierte GM-Chef in anderthalb Jahren wird, ist Geschäftsführer des Finanzinvestors Carlyle und wurde nach dem Insolvenzverfahren des einstigen Weltmarktführers vor einem Jahr von der US-Regierung in den Verwaltungsrat von GM entsandt. Whitacre soll noch bis Ende des Jahres Chef des Verwaltungsrats bleiben. Anschließend übernimmt Akerson auch dieses Amt.

Der Börsegang von General Motors wird für Oktober oder November erwartet, je nachdem wie schnell die Behörden arbeiten. Wenn es gelänge, GM bis November wieder auf den Kurszettel zu bringen, könnte Präsident Barack Obama nach Meinung von Experten die umstrittene Rettungsaktion als Erfolg feiern und als Argument im Wahlkampf nutzen. Im November finden in den USA Kongresswahlen statt. Sowohl Regierungsvertreter als auch Vertreter von GM haben einem Zusammenhang mit den Wahlen mehrfach bestritten.

Kreisen zufolge will GM bei dem Börsegang nach Möglichkeit auch Großinvestoren ins Boot holen. GM erwäge, sogenannte Anker-Investoren für den Kauf von Anteilen zu gewinnen, hatte Reuters am Dienstag aus Kreisen erfahren. Ein solches Vorgehen ist bei Börsengängen durchaus üblich, da damit nach außen gezeigt werden kann, dass wichtige Investoren den Gang eines Unternehmens an die Börse unterstützen. Die Anker-Investoren könnten aus den Reihen von Pensions- oder Staatsfonds kommen, die in der Regel Geld langfristig anlegen. Unklar ist noch, wie hoch ihr Anteil jeweils ausfallen könnte. (APA/Reuters)

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