Auch West-Genossen auf Distanz zu Parteichef Ernst

18. August 2010, 18:57
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Umstrittene Reiseabrechnungen, hohes Gehalt, angebliche Manipulation von Mitgliederzahlen

Berlin - Klaus Ernst, Parteichef der deutschen Linken, gerät in den eigenen Reihen immer mehr unter Beschuss. Kritik kommt nicht nur aus ostdeutschen Landesverbänden, sondern auch aus Nordrhein-Westfalen. Er erwarte "mehr Transparenz", sagt Landeschef Hubertus Zdebel und bezieht sich nicht allein auf Ernsts umstrittene Reiseabrechnungen und sein hohes Gehalt, sondern auch auf angebliche Manipulation von Mitgliederzahlen. Zdebel wirft sowohl Ernst als auch dessen Co-Vorsitzende Gesine Lötzsch vor, seit der Amtsübernahme im Mai keine Akzente gesetzt zu haben.

Die neuesten Vorwürfe gegen Ernst kommen aus seinem Heimatverband Bayern. Der Schatzmeister der Linken, Ulrich Voß, behauptet, einige bayerische Kreisverbände hätten ihre Mitgliederzahlen künstlich nach oben getrieben, um mehr Delegierte bei Parteitagen stellen zu können.
"Tote Mitglieder"

Davon hätte Ernst profitiert, denn Unregelmäßigkeiten habe es vor allem in den "Pro-Ernst-Bastionen" München, Nürnberg, Fürth und Schweinfurt gegeben. So sollen Mitglieder angegeben worden sein, die gar nicht in die Linkspartei eingetreten sind. Man habe auch Mitglieder angeführt, die schon länger tot sind.

Ernst nennt die Vorwürfe "absurd". Ex-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch jedoch hat Unregelmäßigkeiten eingeräumt: "Das hatten wir schon in einigen westdeutschen Landesverbänden." Ernst wird zudem vorgeworfen, er habe Reisen mit der Bundestagsverwaltung nicht korrekt abgerechnet (die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt) und beziehe außerdem für sein Amt als Vorsitzender der Linkspartei ein zu hohes Gehalt. (bau/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2010)

 

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