Bulgaren-Macher beschimpft Ungläubige

18. August 2010, 18:54
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Boschidar Dimitrov beschimpft jene als "Scheißvolk", die Johannes-Reliquien anzweifeln, und setzt die Masseneinbürgerungen durch

 

Er glaubt nicht nur, dass die Bulgaren die ersten Europäer waren, sondern dass andere Europäer in Wirklichkeit eigentlich Bulgaren sind. In seinem Buch Die zehn Lügen des Makedonismus stellt er sogar die These auf, dass alle Mazedonier eigentlich Bulgaren seien, "selbst wenn die heutigen Bulgaren sich anders nennen und zum Teil (bedauerlicherweise größtenteils) einer Gehirnwäsche unterzogen wurden".

Der populäre Historiker und Minister ohne Portefeuille Boschidar Dimitrov hat nun ein neues Thema gefunden. Kürzlich bezeichnete er jene Bulgaren als "Scheißvolk", die die Herkunft der kürzlich an der bulgarischen Schwarzmeerküste gefundenen, angeblich von Johannes dem Täufer stammenden Reliquien anzweifeln. Ende Juli war bei Ausgrabungen in einem Kloster auf der Insel Sveti Ivan bei Sozopol eine Urne mit menschlichen Überresten entdeckt worden. Nach Meinung des Ausgrabungsleiters Kasimir Popkonstantinov handelt es sich bei dem Zahn und Teilen einer Hand, eines Fußes und eines Kiefers eindeutig um Reliquien des Heiligen.

Die Opposition fordert nun den Rücktritt des auch aufgrund seiner Mitarbeit in der ehemaligen kommunistischen Staatssicherheit umstrittenen Ministers. "Stellen Sie sich vor, ein britischer Minister macht solche Aussagen. Er müsste danach nicht nur seinen Sessel räumen, sondern wäre noch dazu gezwungen, das Land zu verlassen", erklärte etwa der Parteichef der konservativen Union der Demokratischen Kräfte, Martin Dimitrov.

Keine Entschuldigung

Trotz Aufforderungen von vielen Seiten befand es Minister Dimitrov nicht einmal für notwendig, sich für die Äußerung zu entschuldigen. Er versuchte nur klarzustellen, dass er mit "Scheißvolk" nicht das bulgarische Volk, sondern lediglich diejenigen Historiker und Archäologen gemeint hatte, die aus Neid den großartigen Fund von Professor Popkonstantinov infrage stellten. Seiner Meinung nach sei da Misstrauen fehl am Platz, sagte Dimitrov, da gerade der Fundort Sozopol zu einem weltberühmten Pilgerort werden könne, der unter anderem der bulgarischen Wirtschaft stabile Einnahmen sichern könnte.

Es ist nicht das erste Mal, dass der für Auslandsbulgaren zuständige Minister wegen seiner scharfen Zunge in die Schlagzeilen gerät. Premier Bojko Borissov mahnte ihn vergangenes Jahr "zum letzten Mal", nachdem er von der Türkei 20 Milliarden Dollar Entschädigung für verlorene Territorien verlangte und einen diplomatischen Skandal verursacht hatte.

Auch seine Haltung gegenüber den Mazedoniern, wie seine eifrigen Bemühungen, durch Vergabe bulgarischer Pässe das Nachbarland (nach eigenen Worten) zu rebulgarisieren, stößt in Skopje auf Ärger. Allein seit September vorigen Jahres gibt es 17.000 neue bulgarische Staatsbürger. Dimitrov setzte durch, dass Bürger "mit bulgarischer Abstammung" und Bewohner "ehemaliger Teile Bulgariens" sehr einfach einen bulgarischen Pass beantragen können. Laut Figaro könnten so fünf Millionen Menschen in Bulgarien eingebürgert werden. (Diljana Lambreva aus Sofia/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2010)

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    Orthodoxe Priester tragen die angeblichen Reliquien von Johannes dem Täufer am Gedenktag des Heiligen in einer silbernen Box durch das Dorf Brachigovo.

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    Minister Boschidar Dimitrov glaubt, dass alle Mazedonier Bulgaren sind.

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