Rechte Heimseiten

18. August 2010, 18:48
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Kurzmann, der wackere Vorkämpfer gegen Anglizismen in der deutschen Sprache, weiß natürlich genau, was er sagt

Gerhard Kurzmann kommt langsam im 21. Jahrhundert an. Jetzt hat der steirische FPÖ-Chef nicht nur eine neue "Heimseite", wie er sagt, auch auf Facebook - er wird wohl "Gesichtsbuch" dazu sagen - ist er vertreten. Dass ihm sein Parteigeschäftsführer für den Wahlkampf einen "War-Room" eingerichtet hat, passt Kurzmann so gar nicht. Er verwende diesen Ausdruck generell nicht - wohl auch weil "Kriegszimmer" doch einigermaßen blöd klingt. Kurzmann, der wackere Vorkämpfer gegen Anglizismen in der deutschen Sprache, weiß natürlich genau, was er sagt, auch wenn das Ganze schrullig rüberkommt.

Der steirische Parteichef ist ein aufrechter Rechtsnationaler und seine Sprachzensur nur Teil der politischen Hetzpropaganda gegen Minderheiten, die eng mit der "Wiener Blut"-Kampagne Heinz Christian Straches koordiniert ist. Mit ebensolcher Aggressivität und dumpfem Heimatgefasel fährt übrigens auch der kleine orange Stiefbruder der FPÖ, das BZÖ, in den steirischen Wahlkampf. Landeschef Gerald Grosz schwärmt schon davon, im Land "aufzuräumen" - so schaut er also aus, der neue "liberale" Kurs des BZÖ-Obmanns Josef Bucher.

Weil sie beide Parteien aber zu Packeleien brauchen, schweigen SPÖ und ÖVP. Solange sie aber nicht endlich eine Firewall einbauen und sich klar ablehnend zu diesen rechtsautoritären Umtrieben äußern, werden die zwei Rechtsparteien das Klima im Land noch weiter vergiften.(Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2010)

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