Orange Wolke gegen das Verbrechen

18. August 2010, 14:48
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Kriminalitäts-Hotspots der vergangenen 96 Stunden online - Neuer Internet-Warndienst soll Bevölkerung informieren

Im Internet können Wiener künftig bei der Polizei erfahren, in welcher Gegend sich Einbrüche oder Autodiebstähle häufen. Ein wirksames Warnsystem ist das aber noch nicht – im Ausland ist man schon weite

Wien – Wer auf dem offiziellen Weg seine Sicherheit in Wien abfragen will, braucht eine recht hohe Konzentrationsfähigkeit. Denn die Internet-Adresse www.bmi.gv.at/cms/bpd_wien/_sicherheitsinformation ist für Tippfehler prädestiniert. Den Ausweg empfiehlt die Wiener Polizei selbst – in Google "BPD Wien" eingeben. Dort kann man dann einen neuen Service zur – aus Polizeisicht – Hebung der Sicherheit nutzen, der am Mittwoch offiziell in den Echtbetrieb gegangen ist.

"Kriminalitäts-Hotspots"

Auf einem Wien-Stadtplan sollen dabei "Kriminalitäts-Hotspots" erkennbar werden. Der Hintergedanke der Exekutive: Wenn ich weiß, dass es in meiner Gegend vermehrt zu Wohnungseinbrüchen kommt, bin ich eher bereit, die Polizei zu rufen, wenn ich verdächtige Personen im Stiegenhaus sehe, oder gar meine eigene Tür gegen eine austauschen zu lassen, die einbruchssicherer ist.

Informationswert noch recht beschränkt

Der Gedanke ist durchaus gut, gab es doch heuer im ersten Halbjahr 4157 Wohnungseinbrüche in der Bundeshauptstadt, rund 23 täglich. Bei der Präsentation am Mittwoch zeigte sich aber, dass die Umsetzung noch einigen Spielraum für Verbesserungen bietet. Denn derzeit ist der Informationswert recht beschränkt.

Ungenaue Angaben

Öffnet man etwa die Karte für den Bereich Wohnungseinbrüche (siehe Screenshot), sieht man vor allem eine große orange Wolke, die am 17. August gleich über fünf Bezirken liegt. Wer nun glaubt, in diesem Gebiet am besten gleich mit einem scharfen Schäferhund zu Hause auf einen Verbrecher warten zu müssen, irrt. Denn weder wird die Gesamtzahl der Delikte der vergangenen 96 Stunden angegeben, noch die Orte, wo sich diese genau ereignet haben.

Datenschutz und Bürgerwehren

Paul Marouschek vom Bundeskriminalamt nennt mehrere Gründe dafür. "Erstens geht es um den Datenschutz. Wenn genaue Adressen eingegeben würden, könnte man auf die Opfer schließen." Aber auch kriminaltaktische Gründe spielen eine Rolle – würden Täter sehen, dass ihr Revier genau bekannt ist, würden sie einfach ausweichen. Vermeiden will man auch, dass plötzlich Bürgerwehren durch betroffene Grätzeln patrouillieren.

Polizei wartet auf Feedback

Dass es Verbesserungspotenzial gibt, gesteht er aber durchaus ein. "Wir sind jetzt einmal gespannt, welches Feedback wir bekommen. Es gibt natürlich die Möglichkeit, dass wir den Radius um einen Tatort enger fassen und so mehr Information bieten."

In Los Angeles kann man acht Deliktsformen aufrufen

Im angloamerikanischen Raum ist das durchaus schon der Fall. Bei der Polizei in Los Angeles kann man zum Beispiel acht Deliktsformen aufrufen – bis auf die Straßenecke genau. Auch bei der Metropolitan Police in London kann man deutlich weiter in den Stadtplan zoomen als in Wien.

Tendenzen bei der Verbrechensentwicklung

Konzedieren muss man freilich, dass das Bundeskriminalamt zumindest offener mit den Polizeidaten umgeht als in der Vergangenheit. Vor zwei Jahren hatte Marouschek es noch strikt abgelehnt, auch nur Tendenzen bei der Verbrechensentwicklung bekanntzugeben. Ein Sinneswandel sei das aber nicht, beteuert er. "Die Daten waren damals nur für die Polizei aufgearbeitet und für die Öffentlichkeit nicht benutzbar." (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 19.8.2010)

  • Die neue Infoseite der Polizei: Eine gelb eingefärbte Wolke soll darüber informieren, wo in den vergangenen 96 Stunden vermehrt eingebrochen wurde.
    screenshot: homepage polizei wien

    Die neue Infoseite der Polizei: Eine gelb eingefärbte Wolke soll darüber informieren, wo in den vergangenen 96 Stunden vermehrt eingebrochen wurde.

  • Die roten Markierungen sind die Polizeistationen, bei denen man sich weiter informieren kann
    screenshot: homepage polizei wien

    Die roten Markierungen sind die Polizeistationen, bei denen man sich weiter informieren kann

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    Geht es nach der Wiener Polizei und dem Bundeskriminalamt, soll der Blick in den Computer die Bürger nun vor Einbrecherbanden warnen

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