Schaffner in jedem Zug, zehn Minuten weniger Fahrzeit

18. August 2010, 18:30
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Die Pinzgaubahn hat von der "Verländerung" profitiert

In Salzburg gibt es eine Bahnlinie, die immer wieder als Vorbild genannt wird, wenn es um die Revitalisierung angeblich unwirtschaftlicher Nebenbahnen geht: die Pinzgauer Lokalbahn. Dabei stand die Pinzgaubahn, die auf 53 Kilometern von Zell am See nach Krimml führt, vor fünf Jahren noch vor dem Aus: Im Juli 2005 unterspülte ein Hochwasser weite Teile der Strecke und machte den westlichen Teil der Bahn zwischen Mittersill und Krimml unbefahrbar. Schon in den Jahren zuvor hatten die ÖBB immer wieder durchklingen lassen, dass sie die unrentable Strecke lieber heute als morgen loswerden würden.

Inzwischen haben die Gleise einen neuen Besitzer gefunden: Seit 2008 gehören sie dem Land Salzburg. Betreiber ist jetzt die Salzburger Lokalbahn, eine Tochter des Energieversorgers Salzburg AG, die auch die Strecken von der Landeshauptstadt nach Lamprechtshausen und Trimmelkam und - gemeinsam mit einem deutschen Partner - zwischen Freilassing und Berchtesgaden im benachbarten Bayern betreibt.

Für den Wiederaufbau der beschädigten Pinzgaubahn wurde viel Geld in die Hand genommen: 13 Millionen kamen von den ÖBB, zehn Millionen vom Bund und neun vom Land Salzburg. Seit Dezember 2009 fährt die Bahn wieder bis Bramberg, am 11. September wird der erste Zug in den Endbahnhof Krimml einrollen. Mittlerweile sind auch frühere Skeptiker wie der parteifreie Mittersiller Bürgermeister Wolfgang Viertler überzeugt, er spricht von "sehr erfreulichen Zuwachsraten" bei den Fahrgästen. Die sind dafür dankbar, dass die Bahn mittlerweile täglich bis 20 Uhr im Stundentakt verkehrt und sich die Fahrzeit zwischen Zell am See und Mittersill um zehn Minuten auf 42 reduziert hat - und dafür, dass Fahrkarten in jedem Zug beim Schaffner gelöst werden können. (pehe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2010)

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