Nicht "böser Mann in der Region"

18. August 2010, 18:27
3 Postings

Skepsis in Oberösterreich – ÖBB will Bahnen abtreten

Nach Niederösterreich ist nun Oberösterreich an der Reihe. Auch dort wollen die ÖBB die (teilweise defizitären) Regionalbahnen abstoßen. "Es gab erste Kontakte auf Sachbearbeiterebene zwischen dem Land und den ÖBB (...). Um welche Strecken es sich handeln könnte, wird sich erst im Verlauf von Gesprächen mit dem Land herauskristallisieren" , erklärt Oberösterreichs ÖBB-Pressesprecher Mario Brunnmayr.

Die grüne Nationalratsabgeordnete Gabriela Moser weiß da schon Genaueres. Sie hat ein ÖBB-internes Papier erhalten, aus dem hervorgeht, über welche Strecken verhandelt werden soll. So sei die "Mühlkreisbahn natürlich eine der zu diskutierenden Strecken" , genauso wie etwa der Abschnitt Wels-Grünau/Almtal, Attnang-Puchheim - Ried im Innkreis oder die Haager Lies, heißt es in dem Papier. Verkehrslandesrat Hermann Kepplinger (SPÖ) bestätigt, dass es ein erstes Treffen mit Landesbeamten zur "Thematik Regionalbahnen" gegeben hat. Doch dies bedeute keineswegs, dass es zu einer Übernahme kommen werde. Es gebe "klare Vorbehalte, vor allem von der ÖVP" , erklärt er.

Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) begründet seine "äußerste Zurückhaltung" damit, dass "wir den ÖBB sicherlich weder Investitionen noch die unangenehme Aufgabe von Streckenstilllegungen abnehmen werden" . Die Bundesbahn habe einen "Versorgungsauftrag, und wir werden nicht den bösen Mann in der Region spielen" . Die von Moser befürchtete "Zusperr-Orgie" werde es bei einer möglichen Verländerung der Bahnen nicht geben.

Der Zustand der Nebenbahnen sei jedoch auch in Oberösterreich zum Teil schlecht. Entscheidend werde deshalb bei den Verhandlungen sein, ob die ÖBB bereit sind, für die Sanierung von Bahnverbindungen, die seit Jahren vernachlässigt wurden wie etwa die Mühlkreisbahn, aufzukommen, stellt auch Kepplinger Bedingungen. In dem internen ÖBB-Papier heißt es, eine "Lösung muss für die ÖBB-Infrastruktur AG (...) wirtschaftlich verträglich sein". (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2010)

Share if you care.