OMV-Chef droht Anklage in Insiderverfahren

18. August 2010, 17:47
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Wegen Erwerb von OMV-Aktien rund um MOL-Ausstieg 2009

Wien - OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer droht in dem gegen ihn laufenden Aktien-Insiderverfahren eine Anklage, schreibt "Die Presse". Die Ermittler und die Justiz hätten Anhaltspunkte gefunden, die eine Anklage gegen den Manager rechtfertigen würden, heißt es. OMV-Sprecherin Michaela Huber betonte gegenüber der Zeitung, dass sämtliche Ermittlungen, auch die zuletzt geführten, bestätigen würden, dass Ruttenstorfer hier "stets völlig korrekt gehandelt" habe. Im übrigen gilt ohnedies die Unschuldsvermutung.

Ruttenstorfer hatte wie berichtet am 23. März 2009 für rund 632.000 Euro OMV-Aktien erworben. In einem Zeitungsinterview vom selben Tag erklärte er, der Konzern werde den 21,2-Prozent-Anteil an der ungarischen MOL noch bis Jahresende halten. Eine Woche später, am 30. März, verkaufte die OMV aber überraschend ihre MOL-Beteiligung an die russische Surgutneftegas. Die Frage sei nun, wann Ruttenstorfer von dem Deal gewusst habe. Seinen Angaben zufolge haben die Verhandlungen mit den Russen erst am 26. März begonnen, jedoch gab es schon am 15. März in Wien am Rande eines OPEC-Treffens erste Kontakte mit Surgutneftegas, angeblich aber noch nicht zum OMV-Anteil an MOL.

Ende Juli d.J. hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) die Erhebungen beendet und einen Bericht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte auf "Presse"-Anfrage, dass ein Abschlussbericht vorliegt. Zum Inhalt darf er sich nicht äußern. "Kein Kommentar", heißt es auch bei der FMA. Dem Vernehmen nach hält die FMA die Argumentation Ruttenstorfers, dass er den Kursgewinn nicht zu Geld gemacht habe, für irrelevant, so die Zeitung. Es gehe nicht darum, ob ein Gewinn erzielt wurde, sondern ob eine missbräuchliche Verwendung von Insiderinformationen vorliege, heißt es. OMV-Sprecherin Huber betont auch zur APA, es lägen Fachgutachten führender Kapitalmarktrechtsexperten vor, die die Rechtskonformität des Handelns von Ruttenstorfer bestätigten. Mit einer Entscheidung, ob Anklage erhoben wird, ist laut "Presse" frühestens im September oder Oktober zu rechnen. Möglich wäre dann ein außergerichtlicher Vergleich in Form einer Diversion. (APA)

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