Hypo schlägt hohe Wellen in kroatischer Politik

18. August 2010, 17:34
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Angebliche Verwicklung von Expremier Sanader in Kreditvergabe und Korruption

Wien/ Zagreb - Für Aufregung sorgt derzeit die Behauptung, die kroatische Staatsanwaltschaft DORH würde in der Causa Hypo auch gegen den ehemaligen Premierminister Ivo Sanader ermitteln. Das behauptete die kroatische Wochenzeitschrift Nacional. Der Staatsanwalt Mladen Bajiæ dementierte jedoch. Es werde derzeit zwar mit den österreichischen Behörden in der Sache Hypo intensiv zusammengearbeitet, aber noch sei es zu früh um Sanader ins Visier zu nehmen. Es stimme nicht, wie manche Medien behaupten, dass der DORH konkretes Beweismaterial vorliegt.

Dem Expremier wird vorgeworfen, Mitte der 90er-Jahre eine illegale Provision in der Höhe von 800.000 Mark (400.000 Euro) kassiert zu haben. Sanader soll der Globus grupa vom kroatischen Tycoon Miroslav Kulter einen 4 Mio. Mark schweren Kredit der Hypo vermittelt haben. Sanader wird durch die Aussage der ehemaligen Finanzdirektorin und engen Mitarbeiterin Kutles, Milena Senator, belastet. Senator behauptet, das Geld unter den Initialen I. S. eingezahlt zu haben. Bis jetzt ist noch nicht geklärt, wer der Inhaber des Kontos war, auf das die Summe einging. Kutles Anwalt, Rajko Mlinariæ, wies indessen darauf hin, dass sich die Vorwürfe lediglich auf diese eine Aussage stützen und keine sonstigen Beweise vorliegen. Sanader selbst sprach von "haltlosen Vorwürfen".

Hypo Grund für Rücktritt?

Damir Kajin, Politiker der linksliberalen IDS aus Istrien, sieht durch die vermeintliche Verwicklung Sanaders, dessen überraschenden Rücktritt im Juli 2009 bestätigt. Eine Erklärung für Sanaders (gescheiterten) Versuch im Jänner in die Partei zurückzukehren konnte Kaijn aber nicht bieten. Doch auch die IDS finden sich in den Schlagzeilen der kroatischen Medien. Der Name von Kajins Parteichef, Ivan Jakovèiæ, wird in den letzten Tagen verstärkt im Zusammenhang mit Verkäufen und Umwidmungen in Bauland in der Gemeinde Vodnjan genannt. Hier sollen Millionen gemacht worden sein. der Standard berichtete.

Doch die Hypo-Affäre ist nicht Sanaders einzige Sorge. Auch die Untersuchungen im Fall der Fimi mediji könnten Sanader belasten, wo 16 Millionen Kuna (2,3 Mio. Euro) den staatlichen Unternehmen durch fiktive Rechnungen abgezweigt worden sein sollen. Die Besitzerin Nevenka Jurak wurde verhaftet und zwar nur einen Tag nach Sanaders Abreise in die USA. Samt Familie befindet er sich noch immer dort, wodurch die Spekulationen in den Medien, allen voran im Nacional angeregt werden. (Igor Pejic, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2010)

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    Umgerechnet 400.000 Euro soll Ivo Sanader für die Vermittlung eines Hypo-Kredites kassiert haben. Laut Staatsanwaltschaft gibt es derzeit aber noch keine offiziellen Ermittlungen.

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