Unendliche Weiten der Webserien

18. August 2010, 19:15
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"Dexter", "Mad Men", "Monk": TV-Sender produzieren eigene Folgen im Netz

Helmut Thoma ist in naher Fernsehzukunft alles eins: In 15 Jahren werden Zuschauer nicht mehr zwischen Fernsehen und Internet unterscheiden. Völlig egal, ob die Inhalte dann TV, Streams oder Webvideos heißen, prophezeit der legendäre RTL-Gründer. Der Mediendienst Boxee zeigt vor, was Thoma sieht. Google TV perfektioniert die Vision: Wer seine Lieblingsserie am Fernsehgerät sehen will, lässt sie sich einfach ausheben - aus Netz oder TV-Programm.

Zunehmend verschmelzen erfahren zudem die Inhalte selbst: Fernsehsender nutzen das Web als Verlängerung ihrer Serien und reichen eigens produzierte Zusatzware nach. Die großen Hollywoodstudios nützen das Potenzial von Webserien, um Reichweiten und Publikumsbindung zu erhöhen.

Pionier dieser Bewegung ist Tim Kring, der mit Heroes im Web ein ganzes Paralleluniversum geschaffen hat. Zu den Fernsehhelden kamen Webcomics, allein fürs Internet produzierte Folgen mit eigenen Figuren. Jeder Darsteller schrieb Blogs und kreierte eigene Wirklichkeiten (mehr dazu hier). Für die TV-Serie mit fatalen Folgen: Während die Downloads stiegen, fielen die Quoten. Im Mai stellte NBC die Serie ein. Kring bastelt weiter an der transmedialen Idee: Im Auftrag von Nokia entwickelt er Conspiracy for God, einen Verschwörungsthriller, der sämtliche Möglichkeiten mobiler Nutzung ausreizen soll.

Das Gen zum Töten und Mad-Men-Stil

Showtime zeigt in Comics, dass Dexter früh das Gen zum Töten in sich entdeckt. Zu den Early Cuts kommt ab Herbst die gruselige Fortsetzung, Dark Echo. Begleitservice leistete der Abosender AMC zur Erfolgsserie Mad Men. Der Sieger des Webcastings You Could Be on Mad Men wurde mit einer Statistenrolle belohnt. Die Teilnehmer mussten eine Szene nachspielen. Mit dem Gap-Label Banana Republic gibt es eine Fortsetzung: Mitspielen darf, wer sich via Foto am perfektesten im Mad-Men-Stil präsentiert. In Inside Mad Men erfahren Nutzer Hintergründe zur Serie.

ABC versorgte die materialhungrigen Fans der Mysteryserie Lost mit verstreuten Webbies: 13 Folgen von Missing Pieces sollten die Wartezeit zwischen zwei Staffeln verkürzen.

Schrulliger kleiner Monk

Schrullig geht es bei Little Monk zu: Bereits in der Schule entwickelt der spätere Ermittler Spürsinn und reichlich Ticks.

Zoë Bell bewies in Death Proof, dass sie Hollywoods wendigste Stuntfrau ist. In Angel of Death muss sie sich als schlagkräftiger Racheengel mit allerlei Unannehmlichkeiten auseinandersetzen: zum Beispiel mit einem Messer, das ihre Schädeldecke durchbohrt und für Halluzinationen als Folgeschäden sorgt.

MTV bringt die Mystery-Serie Valemont ins Fernsehen. Konzipiert wurde sie fürs Internet. Den umgekehrten Weg geht NBC, ebenfalls mit Mystery in Persons Unknown. Weil im Fernsehen die Quote nicht stimmte, bemühen sich die Unbekannten künftig im Web um Zuschauer. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 19.8.2010)

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  • Wie "Dexter"  zum Serienkiller wurde, erfahren User im Webcomic von Showtime.
    foto: showtime

    Wie "Dexter" zum Serienkiller wurde, erfahren User im Webcomic von Showtime.

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