Sascha Lobo: Street View gehört zur Öffentlichkeit

18. August 2010, 16:24
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"Menschen haben ein Recht darauf, Fassaden von Häusern angucken zu können" - Online-Service als Sommerthema

Deutschland hat sein Sommerthema gefunden. "Google Street View" beherrscht die Medien. Boulevard und Politiker laufen gegen das Online-Service an. Google kündigte vergangene Woche an, den Dienst für 20 Städte zwischen München und Hamburg zu starten. Vor der Veröffentlichung der Bilder können Mieter und Besitzer innerhalb von vier Wochen bei Google gegen die Veröffentlichung der Gebäude in Einspruch gehen. Auch danach ist ein Widerspruch über die Webseite von Street View möglich.

"Häuser gehören zur Öffentlichkeit"

Der Blogger und  Buchautor Sascha Lobo sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, für ihn sei Street View eine Erweiterung der Öffentlichkeit. "Die Fassade meines Hauses und auch aller anderen Häuser gehören zur Öffentlichkeit und wenn ein Foto davon ins Netz gestellt wird, dann gehört das zur digitalen Öffentlichkeit. Die Menschen haben ein Recht darauf, Fassaden von Häusern angucken zu können. Es gibt da viele Szenarien, in denen das nützlich sein kann. Das einfachste Beispiel ist, dass ich, wenn ich eine Ferienwohnung mieten möchte, mich nicht nur auf die vielleicht geschönten Fotos des Anbieters verlassen muss, sondern auch mal gucken kann, wie die Umgebung aussieht."

"Widerspruch gegen den Widerspruch"

Dementsprechend bietet Lobo auch "Widerspruch gegen den Widerspruch"-Formular auf seinem Blog an. "Falls man glaubt, dass ein Nachbar möchte, dass das Haus verpixelt wird und das bei Google kundgetan hat, kann man Google sagen: Ich möchte aber, dass das Haus zu sehen ist." Mit dieser Aktion will er darauf aufmerksam machen, das durchaus ein Interesse der Öffentlichkeit bestehen kann. (red/dpa/APA)

 

  • Sascha Lobo, Blogger, digitaler Bohemien und Buchautor ("Dinge geregelt bekommen ohne einen Funken Selbstdisziplin"), lebt in Berlin
    foto: reto klar

    Sascha Lobo, Blogger, digitaler Bohemien und Buchautor ("Dinge geregelt bekommen ohne einen Funken Selbstdisziplin"), lebt in Berlin

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