Hoffen auf ein neuerliches Husarenstück

18. August 2010, 16:11
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Pacult hat großen Respekt vor den Briten, ortet aber auch Schwächen - Hofmann wünscht sich wieder schnelles Tor - Nur 183 Villa-Fans in Wien

Wien - Österreichs Fußball-Rekordmeister SK Rapid hofft am Donnerstag (18.45 Uhr/live ORF1) im ausverkauften Hanappi-Stadion auf ein Deja-vu. Die Hütteldorfer bekommen es wie im Vorjahr im Play-off zur Europa League mit Aston Villa zu tun und peilen dabei eine neuerliche Sensation an. 2009 wurde der Premier-League-Club dank eines 1:0 in Wien und eines 1:2 in Birmingham aus dem Bewerb geworfen, womit sich erstmals in der Europacup-Geschichte eine österreichische Mannschaft gegen ein englisches Team durchsetzte.

Beide Treffer für Rapid erzielte damals Nikica Jelavic, der dieses Mal nicht zum Einsatz kommen wird, der Kroate wechselte am Donnerstag zu den Glasgow Rangers. Vor einem Jahr in Wien traf er bereits nach 16 Sekunden. "Ein schnelles Tor wäre wieder sehr schön. Es muss ja nicht nach 16, sondern kann auch nach 17 oder 18 Sekunden sein", schmunzelte Steffen Hofmann.

Laut dem Deutschen steht Rapid vor einer noch schwierigeren Aufgabe als 2009. "Aston Villa wird uns sicher nicht mehr unterschätzen und das Ausscheiden gutmachen wollen", befürchtete der Kapitän.

Einstellungssache

Gleicher Ansicht war sein Trainer Peter Pacult. "Jetzt wissen sie, wer Rapid ist. Die Einstellung wird eine andere sein." Allerdings könnte der Druck, sich rehabilitieren zu müssen, auch hemmend sein, vermutete der Coach.

Dem bevorstehenden Abgang von James Milner, dessen Wechsel zu Manchester City unmittelbar bevorstand, wollte Pacult nicht allzu viel Bedeutung beimessen. "Natürlich ist er ein wichtiger Spieler. Wenn er weg ist, fehlt in der Vorwärtsbewegung ein wichtiger Mann. Aber bei diesem Kader hat Aston Villa auch ganz andere Möglichkeiten, und es wird nicht von Milner, sondern von uns abhängen, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen."

Pacult wünscht sich ein Resultat, "mit dem wir guter Hoffnung in einer Woche nach Birmingham reisen können". Um dies zu schaffen, schickt der Wiener nach eigenen Angaben eine Mannschaft mit einem 4-4-2-System aufs Feld. Mit dieser Taktik war 2009 der Heimsieg gelungen, auswärts bewährte sich allerdings die 4-2-3-1-Formation, die danach auch in der Gruppenphase zur Anwendung kam.

Selbstvertrauen und Spielfreude

Abseits aller taktischen Planspiele setzt Pacult auf das durch die Siege gegen Salzburg und Sturm Graz wiedergewonnene Selbstvertrauen. "Wir haben zuletzt die Leistungen gebracht, die wir uns von Anfang an erwartet haben. Die Mannschaft ist wieder gefestigt und die Spielfreude ist wieder da."

Dennoch warnte der 50-Jährige vor übertriebenem Optimismus. "Wir müssen schon die Kirche im Dorf lassen. Aston Villa ist noch immer ein Club aus der englischen Premier League, der in der letzten Meisterschaft Liverpool hinter sich gelassen hat." Pacults Respekt wurde durch die Eindrücke des souveränen 3:0 der Birminghamer zum Liga-Auftakt gegen West Ham United genährt. So sei etwa der körperliche Zustand der "Villians" viel besser als noch im Vorjahr.

Besonders beeindruckt war Pacult auch vom 20-jährigen rechten Flügel Marc Albrighton, der gegen West Ham alle drei Tore vorbereitete. "Er ist schnell, unbekümmert und macht viel Dampf." Generell sei Villa "genauso stark wie im Vorjahr, aber mit neuem taktischen Konzept", sagte Pacult und erzählte von Flügelspieler Ashley Young als zweiter Spitze neben John Carew, aber auch von Abwehrschwächen. "Sie haben einige Chancen zu gelassen."

Die Aston-Villa-Delegation landete am Mittwochnachmittag in Wien-Schwechat, schon davor ließ der vorläufige Interimscoach Kevin MacDonald wissen, dass man das Spiel ernst nehmen werde. "Wir hoffen auf ein gutes Resultat. Wir haben gegen Rapid noch etwas gutzumachen und würden uns auf die Teilnahme an der Gruppenphase freuen, weil dann viele junge Spieler Erfahrung sammeln könnten."

Der Meistercup-Sieger von 1982 wird im Hanappi-Stadion nur von 183 mitgereisten Fans unterstützt. Der Rest der 400 georderten Tickets wurde an die Hütteldorfer zurückgegeben, weshalb 17.500 Rapid-Anhänger im Stadion sitzen werden. (APA)

SK Rapid Wien und Aston Villa
(Donnerstag, 18.45 Uhr/live ORF 1, Hanappi-Stadion, SR Alain Hamer/LUX)

Rapid: Hedl - Kayhan, Sonnleitner, Patocka, Katzer - Hofmann, Heikkinen, Hinum, Kavlak - Gartler, Salihi

Ersatz: Payer - Eder, Dober, Pehlivan, Kulovits, Saurer, Drazan, Trimmel

Es fehlt: Soma (nach Knöchelverletzung noch nicht fit)

Aston Villa: Friedel - L. Young, Dunne, Clark, Warnock - Albrighton, Reo-Coker, Petrow, Downing - Carew, A. Young

Ersatz: Guzan - Beye, Lichaj, Bannan, Weimann, Heskey

Fraglich: Cuellar, Collins, Agbonlahor, Davies (alle angeschlagen)

Rückspiel am 26. August (20.45 Uhr MESZ/live ATV, SR Eric Braamshaar/NED) im Villa Park von Birmingham - der Aufsteiger steht in der Gruppenphase der Europa League.

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    So feierten die Grün-weißen den Aufstieg im Villa Park.

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