Kreuz-Streit löst Kirchendebatte aus

18. August 2010, 22:01
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Präsident Komorowski: "Diese Diskussion kann niemand mehr stoppen und sie wird sehr viele Angelegenheiten berühren"

Warschau - Zwischen dem neuen polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski und der katholischen Kirche gibt es zunehmend Misstöne, obwohl sich beide offiziell über das umstrittene Holzkreuz vor dem Präsidentenpalast in der Warschauer Innenstadt einig sind. Die Kirche habe für den Streit um das Kreuz "bezahlt und wird noch auf lange Sicht hin bezahlen", erklärte Komorowski, der aus der rechtsliberalen Regierungspartei Bürgerplattform (PO) stammt, in einem Interview mit der Zeitschrift "Polityka".

Durch das Holzkreuz, das an den Absturz eines Regierungsflugzeuges am 10. April - bei dem auch der damalige Präsident Lech Kaczynski starb - erinnern soll, sei eine Diskussion über die Rolle der Kirche im öffentlichen Leben aufgekommen. "Diese Diskussion kann niemand mehr stoppen und sie wird sehr viele Angelegenheiten berühren", erklärte Komorowski. Gleichzeitig äußerte sich der Präsident kritisch darüber, dass viele Geistliche im Wahlkampf seinen Widersacher Jaroslaw Kaczynski von der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützt hatten. Er werde diese Frage nicht vertiefen, "um nicht eine noch größere Spaltung innerhalb der Kirche zu fördern". Vielmehr hoffe er "auf ein Nachdenken darüber in der Kirche selbst".

Kirche für Kreuz-Verlegung

Das Episkopat forderte vor wenigen Tagen die vor dem Präsidentenpalast protestierenden Menschen auf, den Transport des Kreuzes in die St.-Anna-Kirche zu ermöglichen und stellte sich damit auf die Seite von Komorowski. Kritiker hatten den Kirchenoberen vorgeworfen, nicht schon bei dem am 3. August geplanten und schließlich gescheiterten Umzug klar Stellung bezogen zu haben. Damals erschienen nur einige Geistliche der Warschauer Kurie vor dem Präsidentenpalast und versuchten vergeblich, die Protestierenden umzustimmen.

Umgekehrt kommt trotz des Episkopats-Beschlusses aus der Kirche verstärkt Kritik am Vorgehen von Komorowski. Der als konservativ geltende Erzbischof von Gdansk (Danzig), Slawoj Glodz, trat gegenüber der Zeitung "Rzeczpospolita" für ein Denkmal an der Stelle des Kreuzes ein, was Komorowski ablehnt. Glodz warf dem Präsidenten vor, "die Spuren des Vorgängers verwischen" zu wollen, "um sich selbst zu erhöhen". Das Denkmal solle ebenso wie das Kreuz an die Opfer der Flugzeugkatastrophe erinnern, so Glodz, bei dem neben dem damaligen Präsidenten Lech Kaczynski alle 95 weiteren Passagiere ums Leben kamen.

Das Holzkreuz hatten Pfadfinder einige Tage nach der Katastrophe aufgestellt. Für seinen Erhalt vor dem Präsidentenpalast demonstrieren seit Wochen einige Dutzend Bürger mit Unterstützung der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit von Jaroslaw Kaczynski. Vor allem die Oppositionspartei Bündnis der demokratischen Linken (SLD) erklärte aus diesem Anlass, es müsse eine neue Diskussion über die Trennung von Staat und Kirche in Polen geführt werden. Als Beispiele nannte sie den Religionsunterricht in der Schule und die Kommission des Innenministeriums, die der Kirche ab 1945 enteignetes Eigentum erstattet oder entschädigt. (APA)

  • Hitzige Debatte am Kaczynski-Kreuz
    foto: epa/grzegorz jakubowski

    Hitzige Debatte am Kaczynski-Kreuz

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    "Verteidigt das Kreuz, vom Giewont (Berg in Südpolen, Anm.)  bis zum Baltischen Meer"

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