Kunst und andere Konsumgüter

18. August 2010, 15:25
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"Best practice" bei Salzburger und Bregenzer Festspielen, nicht so bei Museumsshops?

Wien - Eine Studie, die am Mittwoch vom internationalen Beratungsunternehmen A.T. Kearney in Wien vorgestellt wurde, sieht bis 2020 jede zehnte Kultureinrichtung in Österreich von der Schließung bedroht: "Gefährdet sind vor allem kleine Institutionen". In der "Kulturmanagement im Elchtest" betitelten, 140-seitigen Schrift werden anhand internationaler Vergleiche aber auch "Best practice"-Beispiele aus Österreich genannt: Mit 77 bzw. 72 Prozent Eigenfinanzierung lassen die Salzburger und die Bregenzer Festspiele ihre Konkurrenten aus Bayreuth (68 Prozent) und Avignon (40 Prozent) hinter sich. Salzburg und Bgegenz seien "sowohl bei den Budgets als auch bei den Besucherzahlen topp."

Die Ausgangszahlen der Studie: Während bei den Kosten im kommenden Jahrzehnt ein Anstieg von rund 24 Prozent zu erwarten sei, rechnet man mit einem Rückgang der öffentlichen Zuschüsse um 8 bis 10 Prozent. Es gehe nicht darum, öffentliche Förderungen zu ersetzen, sondern die Gesamtbudgets auszuweiten. In Österreich würden derzeit Kulturinstitutionen durchschnittlich zu 63 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert, 35 Prozent käme vom Kulturkonsumenten, zwei Prozent aus Sponsoring-Einnahmen.

"Vom Konsumenten doppelt soviel kassieren"

Es werde zwar immer professioneller gearbeitet und auch immer mehr Zusatz-Geld lukriert, Studienleiterin Claudia Witzemann, Prinzipalin im Österreich-Büro von A.T. Kearney sieht aber noch viel Spielraum nach oben. Schließlich hätten die Österreicher "immer mehr Zeit und Geld für Kultur".  Dort, wo statt fixen Eintrittsgeldern freiwillige Spenden erbeten werden, werde pro Kopf meist überdurchschnittlich viel lukriert: "Wir sehen keine Korrelation zwischen Museumspreis und Eintrittszahlen."

Der "Kunstkonsument" steht im Fokus der Studie: "Wir müssen uns mehr um ihn und seine Bedürfnisse kümmern." Prämisse: "Die Kaufbereitschaft ist da, sie wird nur nicht abgeholt. Ich glaube, das man vom Konsumenten doppelt soviel kassieren kann. Heute wollen die Besucher nicht nur Kunst konsumieren, sondern auch vielleicht schön essen, einkaufen und anderes mehr."

Während der durchschnittliche Shopumsatz pro Museumsbesucher in Österreich bei zwei bis drei Euro liege, lägen die Vergleichswerte beim Metropolitan Museum bei umgerechnet 11,8 Euro, bei der Tate Gallery bei 6,6 Euro. "Für österreichische Museen kann professionelles Shopmanagement eine Einnahmensteigerung um fünf bis zehn Millionen Euro bedeuten", glaubt Witzemann. Auch in den Bereichen Gastronomie ("In der Tate Modern stellt man sich beim Gastronomieangebot auf die Ausstellungen ein.") und Veranstaltungsmanagement sieht die Studie großen Verbesserungsbedarf.

Die Studie baut auf vergleichende Zahlen von heimischen und internationalen Kulturinstitutionen, erwartungsgemäß finden sich in den Tabellen US-amerikanische und britische Institutionen beim Eigenfinanzierungsanteil an der Spitze: Das Metropolitan Museum New York führt (bei einem Gesamtetat von 213 Mio. Dollar bzw. 166 Mio. Euro) mit 87 Prozent Eigenfinanzierung vor der Tate Gallery (73 Prozent Eigenfinanzierung bei 200,2 Mio. Pfund bzw. 243 Mio. Euro Gesamtbudget). Die österreichischen Spitzenwerte liefern hier die Albertina (59 Prozent bei 18,7 Mio. Euro Gesamtbudget) und das Belvedere (56 Prozent bei 15,6 Mio. Budget).

Im Bühnenbereich kann der hohe 47-prozentige Eigenfinanzierungsanteil der Wiener Staatsoper mit den 72 Prozent des Royal Opera House London und den 99 Prozent der New Yorker Met nicht mithalten. (APA/red)

 

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