Älteste Tiere überlebten den "Schneeball Erde"

18. August 2010, 13:57
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Fossilienfunde in Australien sind etwa 90 Millionen Jahre älter als die bisherigen Rekordhalter

Frankfurt/Main - Die Eiszeiten der jüngeren Vergangenheit waren nichts im Vergleich zu einer Cryogenium genannten Phase des Erdaltertums, die vor etwa 850 Millionen Jahren begann und vor 635 Millionen Jahren endete. Es gibt starke Anzeichen dafür, dass in diesem Zeitraum zumindest zweimal die Eisflächen von den Polen bis zum Äquator wuchsen: Eine beinahe komplette Vereisung der gesamten Erdoberfläche, für die der Ausdruck "Schneeball Erde" geprägt wurde.

Das Leben an sich ist zwar wesentlich älter als diese Phase - die bislang ältesten bekannten Fossilien von Tieren hingegen datierten erst aus der Zeit nach der letzten Schneeball-Phase vor 635 Millionen Jahren. Etwa 540 bis 550 Millionen Jahre haben die bisherigen Rekordhalter unter den Tierfossilien auf dem Buckel - weit in den Schatten gestellt von dem, was nun im Süden von Australien entdeckt wurde. Die von ihrer äußeren Erscheinung her als Schwamm-ähnlich beschriebenen Organismen lebten vor 640 bis 650 Millionen Jahren, also mitten während der Phase, als die Erde weitestgehend zugefroren war. Sie sind damit auch deutlich älter als die seltsamen Wesen, die während des Ediacariums vor etwa 610 Millionen Jahren auftauchten - und bei diesen weiß man immer noch nicht, ob es sich überhaupt um Tiere oder eine andere Form vielzelligen Lebens handelte.

Der Fund

Forscher der amerikanischen Universität Princeton um Adam Maloof entdeckten die Versteinerungen in der Nähe von Adelaide unter einer 635 Millionen Jahre alten Sedimentschicht. Anfangs hielten sie die auffälligen rötlich-braunen Muster in den Felsen für mineralische Einschlüsse. "Aber dann fanden wir überall diese sich wiederholenden Formen", sagt Maloof. "Erst im zweiten Jahr erkannten wir, dass wir auf Lebewesen gestoßen waren, und beschlossen, die Fossilien zu analysieren." Die mutmaßlichen Organismen waren wenige Millimeter bis etwa einen Zentimeter groß und im Inneren von Kanälen durchzogen. Damit filterten sie - ähnlich wie Schwämme - Nährstoffe aus dem Wasser, berichten die Forscher in "Nature Geoscience". Hundertprozentig geklärt ist die Zuordnung noch nicht, doch passt diese Hypothese laut den Forschern am besten zum Erscheinungsbild der Fossilien.

"Niemand erwartete, dass wir Tiere finden würden, die vor dieser Eiszeit lebten", sagt Maloof. "Da Tiere wahrscheinlich nicht zwei Mal entstehen, sind wir plötzlich mit der Frage konfrontiert, wie manche Verwandte dieser Riffbewohner den Schneeball Erde überlebt haben könnten." (red/APA/apn)

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