Kriegsverbrecher-Vermögen im Visier der Justiz

18. August 2010, 13:15
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Verfahren gegen 22 Angehörige zwei früherer serbischer Milizeinheiten eingeleitet

Belgrad - Die serbische Sonderstaatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen hat laut einem Zeitungsbericht zum ersten Mal ein Verfahren zur Beschlagnahmung von Vermögen von wegen Kriegsverbrechen angeklagten bzw. verurteilten Personen eingeleitet. Wie die Tageszeitung "Danas" am heutigen Mittwoch berichtete, läuft ein solches Verfahren gegen 22 Angehörige der früheren serbischen Milizeinheiten "Skorpione" und "Schakale". Die Ermittlungen beziehen sich laut dem Blatt auch auf das Vermögen, welche diese Personen in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Montenegro besitzen.

Unter den Personen, deren Vermögen beschlagnahmt werden dürfte, befinden sich vier Angehörige der "Skorpione", die wegen der Erschießung von sechs Einwohnern von Srebrenica im Sommer 1995 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Die Anklage gegen die Angehörigen der Milizeinheit war erhoben worden, nachdem im Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen und serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal ein Erschießungsvideo vorgeführt worden war.

Kriegsverbrechen

Achtzehn Angehörige der "Schakale" wurden Anfang des Jahres wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt. Die Milizeinheit hatte am 14. Mai 1999 im Dorf Cuska (albanisch: Qyshk) unweit der westkosovarischen Stadt Pec mehr als 40 albanische Zivilisten - Männer und Jugendliche - ermordet. Nach dem Massaker wurde das Dorf niedergebrannt. Unter den Opfern befanden sich auch der Vater und ein Bruder des damaligen Befehlshabers der "Befreiungsarmee des Kosovo" (UCK) und späteren kosovarischen Premiers, Agim Ceku.

Aufgrund des Gesetzes, das die Beschlagnahmung von auf Kriminalität beruhenden Vermögens ermöglicht, wurde in Serbien nach Angaben der Behörden seit dem Vorjahr Vermögen im Wert von mehr als 150 Mio. Euro beschlagnahmt. Auf seine Belgrader Villa musste auch Milorad Ulemek "Legija", der Hauptorganisator des Mordangriffes auf den damaligen Premier Zoran Djindjic, verzichten. (APA)

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