Ex-BayernLB-Chef Kemmer vor neuem Job

18. August 2010, 12:46
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Letzte Hürde vor Berufung ist die Frage, wie weit er in die Hypo-Alpe-Adria-Affäre verwickelt

Frankfurt - Der ehemalige BayernLB-Chef Michael Kemmer soll Finanzkreisen zufolge neuer Hauptgeschäftsführer des Privatbanken-Verbandes BdB werden. Mit dem 53-jährigen Bayern würde der Bundesverband deutscher Banken (BdB) zum ersten Mal einen hochrangigen Banker in diese Position berufen. Kemmer hat schon im privaten, genossenschaftlichen und öffentlichen Bankenlager gearbeitet und könnte daher das zuletzt angespannte Verhältnis der drei Gruppen verbessern helfen. Der Verband sucht seit Monaten händeringend nach einem Nachfolger für den zuletzt umstrittenen Manfred Weber, der zum Jahresende nach 18 Jahren seinen Hut nimmt.

Nur die Unterschrift unter Kemmers Vertrag fehle noch, sagten drei mit der Personalie vertraute Personen. Das sei eher eine Frage von Wochen als von Monaten.

Ermittlungen

Letzte Hürde vor Kemmers Berufung ist die Frage, wie weit er in die Affäre um den Kauf der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria (HGAA) verwickelt ist. Zum Zeitpunkt des Fehlkaufs, der die BayernLB 3,7 Mrd. Euro kostete, war er Finanzchef der Landesbank und damit maßgeblich für die Bewertung verantwortlich. Nach Informationen aus Kemmers Umfeld ermittelt die Münchener Staatsanwaltschaft auch gegen ihn. Konkrete Vorwürfe wurden bisher aber nicht bekannt. Ein Sprecher Kemmers äußerte sich nicht dazu. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte am Mittwoch, die Ermittlungen liefen noch. Zu einzelnen Personen wollte sie sich nicht äußern.

Kemmer musste Ende 2009 als BayernLB-Chef zurücktreten. Er gehörte dem Vorstand seit 2006 an, Mitte 2008 folgte er Werner Schmidt an der Bankspitze. Ein erster Anlauf des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), ihn abzusetzen, hatte eine Solidaritäts-Demonstration Hunderter Landesbank-Mitarbeiter für ihn ausgelöst - inmitten der Finanzkrise.

Von Kemmer erhofft sich der Verband vor allem eine bessere Außendarstellung und eine Verbesserung des Klimas zwischen den Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Das schlechte Image der deutschen Großbanken in der Finanzkrise war Weber mit angelastet worden. Weber wird im Dezember 60 Jahre alt, sein Vertrag wäre bis 2013 gelaufen. Bei der Suche nach einem Nachfolger war Finanzkreisen zufolge auch an den vor dem Rücktritt stehenden hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch als hauptamtlichem Präsidenten gedacht worden. BdB-Präsident ist der Vorstandschef der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus, Andreas Schmitz.

Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit war Kemmer bei der HVB getreten. Dort war er zunächst Bilanzchef, dann Risikovorstand. Nach der Übernahme durch den italienischen Unicredit sollte er dort den gleichen Posten übernehmen, zog es aber vor, die Bank zu verlassen. Vor seinem Wechsel zur Vereinsbank hatte Kemmer für die genossenschaftliche DG Bank gearbeitet. (APA/Reuters)

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