Optimismus ja, Euphorie nein

18. August 2010, 12:09
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Erstmals seit 2009 trübt sich die Stimmung für die Wirtschaftserholung ein, allen voran in den USA und in Asien

Berlin - Das Weltwirtschaftsklima hat sich erstmals seit eineinhalb Jahren wieder eingetrübt. Das vom Münchner Ifo-Institut ermittelte Barometer sank für den Zeitraum von Juli bis September auf 103,2 Punkte von 104,1 Zählern. Dies ist der erste Rückgang nach fünf positiven Quartalen und beruht ausschließlich auf pessimistischeren Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Lage hingegen schätzten die 1.103 vom Ifo befragten Experten aus 116 Ländern besser ein als im ersten Halbjahr. "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Erholung der Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr verlangsamt fortsetzen wird", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch zur vierteljährlichen Umfrage.

Das Barometer sank in Nordamerika und Asien, stieg aber in Westeuropa. In Nordamerika sackte der Indikator nach fünf Anstiegen in Folge ab und rutschte sogar wieder unter seinen langfristigen Durchschnitt. Die Lageurteile fielen besser aus als zuvor, die Perspektiven für die kommenden sechs Monate sind weniger zuversichtlich als bisher. Zuletzt hatten Signale zugenommen, dass sich in den USA als größter Volkswirtschaft der Welt die Konjunkturerholung verlangsamt.

Gebremster Optimismus in Asien

In Asien hat sich die gute Wirtschaftslage weiter verbessert. "Der Optimismus für das nächste halbe Jahr hat allerdings auch hier abgenommen", hieß es. In Westeuropa hingegen kletterte das Barometer das sechste Quartal in Folge und liegt fast doppelt so hoch wie nach dem rezessionsbedingten Absturz im ersten Quartal 2009. Die Aussichten für das zweite Halbjahr trübten sich zwar leicht ein, aber die Einschätzungen zur aktuellen Lage verbesserten sich deutlicher als im Weltdurchschnitt. In Deutschland etwa zog die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal mit 2,2 Prozent so stark an wie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Die Fachleute erwarten für 2010 im Weltdurchschnitt eine Inflation von 3,1 Prozent nach 2,5 Prozent im Vorjahr. Im Einklang mit den leicht eingetrübten Konjunkturperspektiven rechnen nun etwas weniger Experten als noch im Frühjahr damit, dass die kurzfristigen und langfristigen Zinsen im Laufe der kommenden sechs Monate steigen. "Anders als in den vorangegangenen Erhebungen wird der Euro gegenüber dem US-Dollar als leicht unterbewertet eingestuft." (APA/Reuters)

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    Global gesehen bleibt die Wirtschaftserholung ein schwaches Pflänzchen.

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