Spendenbereitschaft wächst nur langsam

18. August 2010, 11:46
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Ein Fünftel des Landes steht unter Wasser - Lage wird immer dramatischer - UN hat erst die Hälfte der dringend geforderten Hilfsgelder erhalten

Islamabad - Die Vereinten Nationen haben erst die Hälfte der benötigten Hilfsgelder für die Flutopfer in Pakistan bekommen. Für Soforthilfe hat die UN vergangene Woche um 459 Millionen Dollar (rund 357 Millionen Euro) gebeten. Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft wird vielfach als zu langsam kritisiert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die Überschwemmungen als die schwerste Naturkatastrophe beschrieben, die er jemals gesehen habe. Ban hatte die Krisengebiete am vergangenen Wochenende besucht.

"Wir haben nun 208 Millionen Dollar erhalten, das entspricht 42,5 Prozent", sagte der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in Pakistan, Maurizio Giuliano, am Mittwoch. "Mit weiteren Zusagen könnten die Gelder eine Quote von 54,5 Prozent erreichen."

EU hat Hilfe bisher abgelehnt

Die EU hat nun vorgeschlagen, bei einer internationalen Geberkonferenz Hilfsgelder für den langfristigen Wiederaufbau Pakistans einzusammeln. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte am Dienstag in einem Brief an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy ebenso "eine spürbare Erhöhung" der Nothilfe an. Zudem werde die EU in Kürze konkrete Vorschläge für "eine neue Politik der Krisenreaktion" machen.  Bisher hatten die EU-Regierungen eine EU-Struktur für die Katastrophenhilfe abgelehnt.

Ausländische Prüfer

Die Regierung in Islamabad versicherte, sie werde gewissenhaft mit den Hilfen umgehen. Man überlege auch, ausländische Prüfer zur Überwachung der Verwendung von Spenden einzustellen, sagte Innenminister Rehman Malik der britischen BBC. Keinesfalls würden die Hilfen in die Hände von Extremisten gelangen, versicherte Malik. Spender könnten sicher sein, "dass wir überprüfbar sind". Die Hilfe gehöre "den Armen, den Flutopfern", sagte Malik. "Ich verspreche, dass sie bei ihnen ankommt." Die Zurückhaltung der Spender war unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem Einfluss der Taliban in Pakistan begründet worden.

Ein Fünftel des Landes steht unter Wasser

Unterdessen wird die Lage in den überfluteten Gebieten immer dramatischer: Ein Fünftel des Landes steht nach UN-Angaben unter Wasser. Unter den Millionen Flüchtlingen breiten sich Krankheiten aus, Helfer rechnen mit noch mehr Toten. "Wir müssen uns darauf vorbereiten", sagte der stellvertretende Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, Abdullah Assaedi, am Dienstag in Islamabad. Die Fluten hätten ein Fünftel der Gesundheitseinrichtungen im Land zerstört oder beschädigt. Nach pakistanischen Medienberichten nehmen Magen-Darm-Erkrankungen zu.

Fast 900.000 Häuser zerstört oder beschädigt

Nach jüngsten Angaben der Katastrophenschutzbehörde NDMA starben in den Fluten mindestens 1.473 Menschen, 2.024 weitere wurden verletzt. 895.596 Häuser wurden zerstört oder beschädigt.

 Meteorologen schätzen, dass das Hochwasser auch bis Ende August noch nicht völlig zurückgehen wird. Die Sturzfluten bahnen sich zur Zeit weiter einen Weg flussabwärts. Bald könnten sie große Städte wie Hyderabad und Sukkur im Süden erreichen.

Papst ruft zu Solidarität auf

Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch zu mehr Hilfe für die Flutopfer aufgerufen. Den Betroffenen dürfe nicht die Solidarität und die konkrete Unterstützung der internationalen Gemeinschaft fehlen, erklärte der Papst laut Kathpress bei seiner Generalaudienz in Castelgandolfo.

Politischer Machtkampf

Der von den Überschwemmungen betroffene Nordwesten gilt als Zentrum des Kampfs der pakistanischen Regierung gegen die Taliban und Al-Kaida. Zu Beginn der Flutkatastrophe war der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari schon zu einer mehrtägigen Reise nach Europa aufgebrochen, was in Pakistan sein ohnehin nicht sonderlich hohes Ansehen weiter beschädigte. Der umstrittene pakistanische Präsident Zardari reiste nun zu einer Regionalkonferenz in die russische Stadt Sotschi. Dort bot ihm der russische Staatschef Dmitri Medwedew Hilfe bei der Bewältigung der Flutkatastrophe an. Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat auch seine Amtskollegen aus Afghanistan und Tadschikistan zu dem Vierer-Gipfeltreffen eingeladen. Beim Sicherheitsgipfel im Schwarzmeer-Badeort Sotschi geht es um Bemühungen zur Stabilisierung der Region und die Bewältigung der Flutkatastrophe in Pakistan. In Sotschi wird erwartet, dass die vier Staatschefs nach dem Ende der Konferenz die internationale Gemeinschaft zu verstärkter Hilfe für Pakistan aufrufen. (APA)

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    Die Lage in den überfluteten Gebieten immer dramatischer: Unter den Millionen Flüchtlingen breiten sich Krankheiten aus. Helfer rechnen mit noch mehr Toten

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