Diplomatische Krise zwischen Bukarest und Moskau

17. August 2010, 20:05
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Russischer Diplomat als Reaktion auf Verhaftung eines rumänischen Diplomaten unter Spionageverdacht aus Rumänien ausgewiesen

Bukarest - Als Reaktion auf die Verhaftung eines rumänischen Diplomaten wegen Spionageverdachts in Moskau weist Rumänien einen russischen Diplomaten aus. Wie das rumänische Außenministerium am Dienstagabend erklärte, ist der erste Sekretär der russischen Botschaft in Bukarest zur unerwünschten Person erklärt worden und sollte das Land innerhalb von 48 Stunden verlassen.

Das rumänische Außenministerium hatte zuvor gegen die jüngste Festnahme eines rumänischen Diplomaten in Moskau wegen Spionageverdachts protestiert. Man werde "die notwendigen Maßnahmen" ergreifen, teilte das Ministerium am Dienstag in Bukarest mit, ohne Details zu nennen. Die Festnahme des ersten Botschaftssekretärs stelle einen "schweren Verstoß" gegen die Bestimmungen der Wiener Konvention von 1961 dar, die Diplomaten Immunität garantiert. Das Außenamt kritisierte die "vollkommen unangemessene Behandlung" seines Mitarbeiters durch die russischen Behörden, sowie die Art und Weise, in der die russische Seite den Fall der Öffentlichkeit präsentiert habe. Der russischen Botschaft in Bukarest wurde eine Protestnote übermittelt.

Auf frischer Tat ertappt

Der rumänische Diplomat war am Montag festgenommen worden. Ein Sprecher des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB sagte, Ermittler hätten ihn "auf frischer Tat ertappt", als er versucht habe, von einem russischen Staatsbürger Informationen über ein Militärgeheimnis zu erhalten. Bei dem Diplomaten sei "Spionage-Ausrüstung" gefunden worden, die seine "feindlichen Aktivitäten gegen die Russische Föderation vollkommen verraten" hätten. Der Mann wurde kurz nach seiner Festnahme zur persona non grata, zur "unerwünschten Person", erklärt. Er sollte innerhalb von 48 Stunden ausgewiesen werden.

Die Beziehungen zwischen Rumänien und Russland sind aus historischen Gründen traditionell unterkühlt. Auch als Mitglied des Warschauer Paktes hatte Rumänien unter der Diktatur von Nicolae Ceausescu einen aufmüpfig-nationalistischen Kurs gesteuert. Unbehagen hatte bei der russischen Führung vor allem der 2004 erfolgte NATO-Beitritt des exkommunistischen osteuropäischen Landes ausgelöst. In jüngster Zeit hat Bukarest sein Engagement für die Westannäherung der benachbarten Republik Moldau verstärkt, deren Bevölkerungsmehrheit rumänisch ist, die aber von Moskau als sein Einflussgebiet beansprucht wird. (APA/dpa)

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