Freiwillige nehmen Kampf gegen Feuer selbst in die Hand

17. August 2010, 19:30
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Kreml fordert Oligarchen zum Wiederaufbau auf - Bürokratie behindert Auszahlung der Entschädigungen

Moskau - "Wenn man am Ende des Lebens draufkommt, man hat nichts erreicht, das muss furchtbar sein", sagt Ljubow Iwanowna. Die 28-jährige Jekaterinenburgerin will daher nicht tatenlos zusehen, wie die Wälder in ihrer Region abbrennen und organisiert Gruppen von Freiwilligen, die mithelfen, die zahlreichen Brandherde zu löschen.

"Feuerlöschen - eine neue Art des Ausspannens am Ural" - mit diesem Slogan wirbt Iwanowna auf einem Internetportal augenzwinkernd für ihre Aktion, die seit Beginn der Brände im Mai an den Wochenenden stattfindet. Vergangenen Sonntag haben sich bereits mehr als 50 Freiwillige eingefunden.

Gefährlich sei das nicht, meint Iwanowna. "Wir riskieren nichts und sind mit Sicherheitsequipment ausgerüstet", sagt Iwanowna, die für ein lokales Ökotourismusunternehmen arbeitet. Zum Löschen stehen den Freiwilligen Rucksäcke mit Wassertanks und einem Schlauch zur Verfügung. Erst vergangene Woche ist in der Moskauer Region erstmals ein Freiwilliger in den Bränden ums Leben gekommen.

Die Löschaktion soll Iwanowna zufolge auch eine Lernwirkung haben: "Ich will, dass die Leute sehen, was sie anrichten, wenn sie im Wald Müll liegen lassen". Auch sei in Russland der Irrglaube weit verbreitet, dass nach einem Feuer der Boden besonders fruchtbar sei. Die Mondlandschaft, die vorherige Brände hinterließen, sprechen jedoch vom Gegenteil.

Für den Wiederaufbau der zerstörten Dörfer will der russische Präsident Dmitri Medewdew nun die Oligarchen einspannen. Er forderte von den Wirtschaftsbossen keine Geldspenden, sondern tatkräftige Unterstützung bei dem Bau von Wohnhäusern und Infrastruktur. "Ehrlich gesagt gab es in diesen Dörfern auch vor den Bränden kein Dolce Vita", sagte Medwedew bei einem Treffen mit den Industriellen in Sotschi. Die Oligarchen sagten ihre Hilfe zu. So versprach etwa Oleg Deripaska, Generaldirektor der Holding Basic Element, in der Region Nischnij Nowgorod 200 Häuser zu bauen.

Probleme gibt es hingegen bei der Staatshilfe. Die Bürokratie verhindere in vielen Fällen die von Regierungschef Wladimir Putin versprochenen Entschädigungen, berichtet Kommersant. So verwehrten regionale Behörden die Kompensationszahlungen für Sommerfrischler, die nicht an ihrem zerstörten Wohnsitz gemeldet waren. Probleme gibt es auch in Fällen von Grasbränden oder Regionen, die nicht offiziell als Katastrophengebiet gelten. (Verena Diethelm, DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2010)

  • Mit einem Löschrucksack ausgerüstet, stellen sich die Freiwilligen den Flammen in den Weg.
    foto: ljubow iwanowna

    Mit einem Löschrucksack ausgerüstet, stellen sich die Freiwilligen den Flammen in den Weg.

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