Bianca Jagger: BP vor den Internationalen Strafgerichtshof

17. August 2010, 19:32
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    foto: markus peherstorfer

    Bianca Jagger will, das Öl-, Gas- und Chemie-Multis für Umweltverbrechen nicht ungestraft bleiben. Ihre Chefs sollen vor den Internationalen Strafgerichtshof, fordert sie.

Menschenrechtsaktivistin: "Verbrechen gegen zukünftige Generationen" in das Statut von Rom aufnehmen - bei einem Vortrag in Salzburg präsentierte sie ihre Pläne

Salzburg - Wenn es nach Bianca Jagger ginge, müsste die Chefetage von BP bald geschlossen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag aufmarschieren. Denn der von dem britischen Mineralölkonzern verschuldete Ölteppich im Golf von Mexiko wird noch jahrzehntelang die Ökosysteme der Region beeinträchtigen - aus der Sicht von Jagger ein "Verbrechen gegen zukünftige Generationen". Seit Jahren setzt sich die Menschenrechtsaktivistin dafür ein, diesen Straftatbestand in das Statut von Rom, die Rechtsgrundlage des Internationalen Strafgerichtshofs, aufzunehmen.

Vom Model zur Menschenrechtsaktivistin

Bei einem Vortrag im Rahmen der "Salzburg Law School on International Law" präsentierte Jagger am Dienstag ihre Forderungen. Die in Nicaragua geborene studierte Politologin, die in den 1970er-Jahren als Model und Schauspielerin arbeitete und von 1971 bis 1978 mit Rolling-Stones-Frontmann Mick Jagger verheiratet war, setzt sich seit drei Jahrzehnten für die Durchsetzung der Menschenrechte in den unterschiedlichsten Teilen der Welt ein. In Salzburg, wo sie Stammgast der Festspiele ist, war sie zuletzt eher negativ aufgefallen: Sie hatte sich vor Gericht monatelang mit dem Finder eines teuren Rings, den sie vor einem Hotel verloren hatte, um den Finderlohn gestritten.

Die BP-Ölkatastrophe sei nur ein Fall von vielen, sagte Jagger am Dienstag. Multinationale Konzerne, speziell Öl-, Gas- und Chemiekonzerne, seien für einige der schlimmsten Umweltkatastrophen und Menschenrechtsverletzungen der Welt verantwortlich. Besonders schlimm sei die Situation in der Dritten Welt, wo Regierungen den Konzernen oft freie Hand im Umgang mit der Umwelt ließen, solange sie nur Geld ins Land bringen.

"Kultur der Straflosigkeit"

Die von ihr gegründete "Bianca Jagger Human Rights Foundation" fordert daher seit drei Jahren, dass "Verbrechen gegen zukünftige Generationen" als Straftatbestand neben Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Völkermord in das Statut von Rom aufgenommen werden. Als "Verbrechen gegen zukünftige Generationen" seien dabei alle Handlungen zu sehen, die im Wissen um ihre schweren negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, die Sicherheit oder das Überleben künftiger menschlicher Generationen oder auf das Überleben ganzer Tier- und Pflanzenarten sowie Ökosysteme gesetzt werden.

Im Moment herrsche bei Umweltverbrechen speziell in Entwicklungsländern eine "Kultur der Straflosigkeit", kritisierte Jagger. Damit müsse Schluss sein. Bestehende internationale Verpflichtungen, etwa auf UN-Ebene, seien zahnlos, weil ihre Durchsetzung rein auf dem guten Willen einzelner Staaten beruhe. Etwas besser sei die Situation auf regionaler Ebene, etwa vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Der habe aber wiederum die Schwäche, dass er nur für Übertretungen zuständig ist, die auf dem Gebiet der Unterzeichnerstaaten der Europäischen Menschenrechtskonvention begangen werden.

Bestehende Regeln seien inadäquat

Auch bilaterale Verträge änderten nichts an der Straflosigkeit für Konzerne bei Umweltzerstörungen, sagte Jagger: "Auf der einen Seite gibt es 2600 bilaterale Investitionsverträge und noch einmal 250 Freihandelsabkommen, die die Interessen von Investoren schützen. Aber auf der anderen Seite gibt es kaum irgendwelche Verträge, die die Interessen der lokalen Gemeinschaften schützen."

Auch die Richtlinien der OECD für multinationale Konzerne, die eine Reihe von Regelungen etwa zur Einhaltung der Menschenrechte oder zum Umweltschutz enthalten, seien letztlich nicht durchsetzbar und hätten damit im Grunde nur Empfehlungscharakter. Prozesse vor nationalen Gerichten, die etwa in den USA unter Umständen auch für Taten zuständig sein können, die im Ausland begangen wurden, seien ebenso inadäquat, ihre Spruchpraxis oft unberechenbar.

Eigener Umweltgerichtshof?

Jagger berichtete auch von Bemühungen, neben dem Internationalen Gerichtshof und dem Internationalen Strafgerichtshof auch einen Internationalen Umweltgerichtshof einzurichten. Die Befürworter einer solchen Institution, die in der "ICE Coalition" und der "ICE Foundation" zusammengeschlossen sind, argumentieren damit, dass Umweltangelegenheiten oft spezialisiertes technisches Wissen bei den Richtern erfordern.

So oder so sei es notwendig, neue rechtliche Mechanismen auf internationaler Ebene einzuführen, um Umweltverbrechen zu sanktionieren, sagte Jagger. Dabei sollten nicht nur einzelne Manager, sondern auch die Firmen als solche und ihre Führungspersonen vor Gericht gestellt werden können. Fälle gebe es jedenfalls genug: Neben der BP-Ölkatastrophe nannte Jagger etwa die seit Jahrzehnten andauernde Verschmutzung des Grundwassers im Nigerdelta durch internationale Ölkonzerne oder das Chemieunglück im indischen Bhopal im Jahr 1984, für das der damalige Firmenchef bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurde. (Markus Peherstorfer, derStandard.at, 17.08.2010)

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Posting 1 bis 25 von 82
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kelchstein
00
19.8.2010, 01:25
Stets plagt den Reichen das schlechte Gewissen

und sie geben den Armen etwas von dem zurück, dass sie ihnen genommen haben: ein wenig Land, Geld und Menschenrechte.

Chien de Pique
01
18.8.2010, 18:03
Es würde reichen, das als schweres, nicht wieder gut zu machendes Verbrechen an den gegenwärtig

lebenden Menschen (und am Ökosystem) zu ahnden.
Wozu muss man da zukünftige Generationen ins Spiel bringen, von denen wir nicht wirklich wissen können, welche Sorgen und Möglichkeiten sie haben werden, ja ob es sie überhaupt wirklich geben wird? Die Definition verlangt überdies "Handlungen, die im Wissen um die negativen Auswirkungen gesetzt werden"; Unglücksfälle wie der aktuelle oder etwa Tschernobyl, die ja nicht gesetzt werden, sondern wo allenfalls Risken nicht mit allen Mitteln und aller gebotenen Sorgfalt vorgebeugt wurde, sind da nicht wirklich zu erfassen.
Und: Was gefährdet das langfristige Überleben der Menschheit mehr? Gentechnik/AKWs oder der Verzicht darauf? Hilft uns menschengemachte Klimaerwärmung in der nächsten Eiszeit?

Urs Baumannn
32
18.8.2010, 17:12
Bianca Jagger

Hut vor dieser Frau, sollte mehr geben von solchen Menschen.

Herr J.K.
12
18.8.2010, 17:06
Bild

Mit der alten Frisur gefiel mir Mick Jagger besser.

Gnowl
 
10
18.8.2010, 16:10
Looks like Michael Jaggerson

sociovation
01
18.8.2010, 16:52
Kleidungsmäßig

eher wie Pröll-Pepi...

die naive
02
18.8.2010, 15:08
Bravo!

"Verbrechen gegen zukünftige Generationen"!

Sie hat Recht, genau das ist es und dafür MUSS es im Hier und Jetzt eine Instanz geben!

max1210
00
18.8.2010, 14:32
sehr gut

Diejenigen die diese Einsparungsmaßnahmen angeordnet haben, die dann zu der Katastrophe geführt haben gehören lebenslang hinter Gitter

sociovation
44
18.8.2010, 14:25
Tolle, kluge, engagierte Frau

Chapeau!

agarthianer
00
18.8.2010, 15:35
Clustermunitions - Streubomben

Bianca Jagger engagiert sich auch seit Jahren gegen
clustermunitions - hielt während der Wiener Konferenz Dez.2007 eine flammende Rede gegen die Herstellernationen : http://www.oe-journal.at/Aktuelles... dpi_Lt.pdf

Der elegante Herr von nebenan
 
36
18.8.2010, 14:36

Die frau hat einen Ring im Wert von 300.000 Euro in Österreich verloren und verweigerte dem Finder den Finderlohn.

Mich ekeln solche Heuchler an.

Alberta Forgetti
13
18.8.2010, 16:39
Und sie hatte recht, weil dem

Finder kein Finderlohn zustand. Er hat den Ring nämlich erst herausgegeben, als schon medial danach gefahndet wurde. Finderlohn ist entgegen weit verbreiteter Ansicht kein gottgegebenes Naturrecht, sondern an Bedingungen gebunden - sofort und freiwillig muss der Fund abegegeben werden.

away from keyboard1
00
18.8.2010, 17:58
sind Sie sicher?

aehmm..

ich kenne das Österreichische Recht diesbezüglich nicht, aber gemäss Schweizer Obligationenrecht hat der Finder von Fundsachen ANSRPUCH auf einen "angemessenen" Finderlohn; als Richtwert gilt 10%.

sociovation
02
18.8.2010, 16:50
Vielleicht hat er den Ring sogar gefunden,

BEVOR sie ihn verloren hat...

jesus mohammed
10
18.8.2010, 14:25
Autofahren ist Völkermord

siehe: Hurrikan Mitch, der erste von Vergasern verursachte bekannt gewordene Genozid und der ist bald 15 Jahre her - nichts ist seitdem zum Positiven passiert. Alle Autofahrer, Fluggäste, etc. gehören wegen dem Dreck, den sie verzapfen vor's Kriegsgericht, alle Staaten, die Verbrennungsmotoren erlauben und deren Abgase nach außen geleitet werden, sind terroristische Vereinigungen; die meisten dazu noch imperialistisch, weil sie keine eigenen Rohstoffe haben und die schlimmsten sind die arroganten Regimes, deren Reichtum sich auf Ausbeutung u.a. indianischer Kulturen gründet. Von Indios gestohlen: Tabak, Mais, Kürbis, Bohnen, Kartoffeln, Kakao, Tomaten, Gold, Silber, usw. Ohne Autos keine Öltanker und Tankstellen.

Jürgen Rembremerding
00
19.8.2010, 02:53
"der erste von Vergasern verursachte bekannt gewordene Genozid"

Gut, dass ich ein Einspritzer bin!

Mirstetta Toni
00
18.8.2010, 12:34

erinnert mich ein bisserl an jene politiker, welche das 3 liter auto wollen. als es dann solche gab, fuhren sie trotzdem mit den V8 weiter.

Zomby Woof
02
18.8.2010, 14:50

Nicht nur Politiker, sondern vor allem unsere lieben Celebrity-Aktivisten. So wie der große Klimaschützer Sting, der mit solch herzzerreissender Inbrunst die Politiker auffordert do endlich WAS ZU TUN!!!, der nebenbei auch Werbung für Jaguar macht (15l/100km, eh klar) und sein Leben damit verbringt, per Privatjet zwischen seinen Häusern auf verschiedenen Kontinenten zu pendeln.

Loup Garou
00
18.8.2010, 12:31
ich weiß, worauf Sie hinaus wollen, aber sagen wir mal so,

wenn man gut ist, so wirklich richtig gut, dann bringt man es überall zu etwas.
Und da ist dann ziemlich egal, was man anfasst, am Ende wird was draus...

Roter Baron
12
18.8.2010, 12:10
die beste frau jagger

von allen, ever

roter baron

system1
60
18.8.2010, 11:14
die werte dame soll endlich mal den

finderlohn für ihren verlorenen diamantring blechen, der einem ehrlichen finder zusteht.

Alberta Forgetti
00
18.8.2010, 16:41
Wenn er ihm zustünde, hätte er ihn schon eingeklagt.

Aber er weiss genau, dass er ihm nicht zusteht.

pago1
00
18.8.2010, 18:31
das verfahren läuft längst

Der lustige aus dem zweiten Stock
 
00
18.8.2010, 14:02

Hat die " Dame " noch immer nicht gemacht ?

Entropix
24
18.8.2010, 11:06
und ganz sicher

ist die Gute mit dem Fahrrad zur Pressekonferenz gejettet ;-)

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