"Supernanny" besucht zornige Häfenbrüder

17. August 2010, 19:14
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Eine Gruppe von Schwerverbrechern soll eine modernisierte Fassung von Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" einstudieren

Ein simpler Trick hilft, Häftlinge fürs Theaterspielen zu begeistern: "Ich habe ihnen gesagt, dass Sie blond sind", sagt der Gefängnisverwalter zur dunkelhaarigen Theaterregisseurin. Schon hatte er einen Haufen Anmeldungen. So funktioniert das mit der Resozialisierung.

Regisseurin Fanny Dannewald (Katharina Schüttler) versucht ein heikles Experiment: Eine Gruppe von jugendlichen Schwerverbrechern soll eine modernisierte Fassung von Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" einstudieren und auf die Bühne bringen.

Die Art, wie diese Umsetzung passiert, verstört die Häftlinge zuerst massiv: "Das ist kein Theater. Das ist ein Schwimmbad", staunt Timo angesichts eines mit Wasser, Dampf und Stahlkonstruktionen versehenen Bühnenbildes. "Seien Sie doch nicht so spießig", folgt prompt die Belehrung. Klar, dass sich diese Enge nicht bis zum Schluss halten lässt, dass irgendwann die Nerven am Flattern sind: "Ich hab' keine Ahnung, wie ich das Stück mit den Idioten auf die Reihe kriegen soll!" Als Fanny heimlich Likör einschleust, verschafft sie sich endlich den nötigen Respekt zum Schlussapplaus. Regisseurin Fanny wirkt wie eine energischere Variante der Supernanny. Torsten C. Fischers Fernsehspiel behält die Perspektive der Sozialisierten, die Kommunikation zwischen den "Schurken" beschränkt sich auf den schlichten Überlebenskampf in den Zellen.

Im gewalttätigen Umfeld wird die Realisierung trotzdem zum - bedingt gelungenen - Hürdenlauf. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2010)

Mittwoch, "Schurkenstück", 20.15, ARD

  • Häftlinge spielen Theater: "Schurkenstück", ARD.
    foto: wdr

    Häftlinge spielen Theater: "Schurkenstück", ARD.

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