Immofinanz will 2,5 Milliarden Euro erlösen

17. August 2010, 18:05
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Konzern schafft Turnaround - Verkaufsprogramm wird fortgesetzt - Aktionären winkt Dividende

Wien - Es war die zweite Bilanzpressekonferenz, zu der Eduard Zehetner in seiner Funktion als Immofinanz-Chef lud. "Diese ist ein bisschen angenehmer", eröffnete er. Denn Umstrukturierung, Fusion mit Immoeast und Einigung mit der Constantia Packaging B.V. zeigen Wirkung.

Das operative Ergebnis (Ebitda) wurde von 310 Mio. Euro im Jahr 2008 auf 393,6 Mio. Euro gesteigert - obwohl die Umsatzerlöse im Jahresvergleich von 736 Mio. Euro auf 719 Mio. Euro gesunken sind. Der Rückgang "reflektiert die fehlende Dynamik am Mietmarkt" , erklärte Zehetner. Zusätzlich wurden einige Immobilien verkauft, wodurch Mieteinnahmen fehlen. Auch bei der Miethöhe musste der Konzern mancherorts deutlich Federn lassen. In Ungarn etwa seien die Shoppingcenter nur aufgrund deutlicher Abstriche bei der Miete noch voll.

Positives Ergebnis

Das Finanzergebnis (Vorjahr: minus 1,33 Mrd. Euro) ist heuer mit plus 20,5 Mio. Euro wieder positiv. Das Neubewertungsergebnis hingegen "ist katastrophal" , sagte Zehetner - trotz Verbesserung von minus 2,3 Mrd. Euro im Vorjahr auf minus 205,9 Mio. Euro. Vieles davon belaufe sich aber auf negative Währungseinflüsse, "auf die man keinen Einfluss hat" . Durch den Wegfall der Managementverträge und sonstige Sparmaßnahmen wurden die Kosten um 52 Prozent gesenkt. In Summe habe man den Turnaround geschafft.

Aufzuarbeiten gibt es aber noch einiges. Der Rückzug aus Nicht-Kernländern wird fortgesetzt. Kleinere Beteiligungen - etwa in Texas oder der Ukraine - werden verkauft. Auch aus dem Hotelbereich zieht man sich zurück. Das Verkaufsprogramm schätzt Zehetner auf ein Gesamtvolumen von 2,5 bis 2,7 Mrd. Euro. Künftig liegt der Fokus in den Kernmärkten Österreich, Deutschland, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Tschechien und Ungarn und in den Segmenten Büro, Logistik, Einzelhandel und Wohnen.

Dividende winkt

Wenn all das gelingt, "dann ist man ungefähr dort, wo man sagen kann, das Unternehmen wird seiner Funktion am Markt gerecht und erwirtschaftet Erträge für die Anleger", hält Zehetner fest. Dann soll den Aktionären auch eine Dividende winken. 20 Cent je Aktie sind für den Immofinanz-Chef "mittelfristig akzeptabel" . Eine Dividende für das laufende Jahr macht er davon abhängig, ob die 2014 auslaufende Wandelanleihe über 866 Mio. Euro und die 2017 auslaufende über 200 Mio. Euro refinanziert werden können. Geschehen soll das durch neue Wandelanleihen in den nächsten drei Quartalen.

Auch die Aufarbeitung der Vergangenheit schreitet voran. Klagen gegen das frühere Immofinanz-Management sind in Vorbereitung. Durch die Restrukturierung hätten sich Schadenssummen und Ansprüche konkretisiert. Ob hieraus noch Geld lukriert werden kann, ist offen. "Was herauskommt, wird pro Aktie nicht viel sein, aber genug, dass es den Aufwand lohnt." Das Verfahren gegen Ex-Immofinanz-Chef Karl Petrikovics dauere ihm schon viel zu lange, sagte Zehetner. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2010)

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