Gedenken an Kanzler Josef Klaus mit Lücken

17. August 2010, 21:33
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Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des 2001 verstorbenen Politikers - "Brecht-Affäre" ausgespart

Salzburg - Ein Josef-Klaus-Platz in der Landeshauptstadt, eine Kranzniederlegung am Sonntag, eine Buchpräsentation am Montag sowie ein Festakt mit Vizekanzler Josef Pröll, Altkanzler Wolfgang Schüssel und Ex-ORF-Intendant Gerd Bacher Dienstagabend: Die ÖVP ehrt den 2001 verstorbenen Josef Klaus, dessen Geburtstag sich vergangenen Sonntag zum einhundertsten Mal gejährt hatte. Politisch verbindet die ÖVP mit Klaus einen großen Wahlerfolg, der ihr 1966 die absolute Mehrheit im Nationalrat einbrachte.

Vier Jahre führte Klaus eine ÖVP-Alleinregierung, ehe er am 1. März 1970 die absolute Mehrheit verlor und dem Sozialdemokraten Bruno Kreisky Platz machen musste. Davor war der gebürtige Kärntner zwei Jahre Kanzler einer schwarz-roten Bundesregierung, der er 1961 bis 1963 bereits als Finanzminister angehörte. Die politische Karriere der "Ikone der ÖVP" (Salzburgs VP-Obmann Wilfried Haslauer junior) begann 1949, als der damals 39-jährige Rechtsanwalt im Zuge einer Hausrevolte als Quereinsteiger überraschend zum Landeshauptmann Salzburgs gewählt wurde.

"Moderner Konservativer"

In der Diktion der ÖVP wird Klaus heute als "Reformkanzler" bewertet. Gemeint sind damit beispielsweise die größere Unabhängigkeit des ORF durch das Rundfunkgesetz 1966 nach dem Rundfunkvolksbegehren, das Südtirol-Paket mit Italien 1967 und die Annäherung an die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG.

Vor allem die Salzburger Volkspartei feiert den Bundeskanzler aus Salzburg auch als ersten Exponenten "eines modernen Konservativismus" . Aktuelle Bezüge sind dabei erwünscht. Auch Haslauer lässt sich im Vorwort zu einer jüngst unter dem Titel "Rede und Antwort" im Pustet-Verlag erschienen Sammlung seiner Reden und Essays als "moderner Konservativer" positionieren.

Haslauer betonte Dienstagabend in der bis auf den letzten Platz gefüllten großen Aula der Universität Salzburg die Rolle von Klaus als Föderalist. Auf die Frage, "wie viel Klaus brauchen wir heute" , müsse man auch antworten, dass es Aufgabe der Bundesländer sei, "Wien bewusst zu machen, dass Österreich nicht nur aus Wien und Niederösterreich besteht" . Heute wäre es freilich fast undenkbar, dass ein Landeshauptmann seine Funktion für ein Amt in der Bundesregierung aufgeben würde, wie dies Klaus tat.

Der Fall Gottfried von Einem

Weitgehend ausgeblendet in den Darstellungen des politischen Wirkens von Klaus bleibt Widersprüchliches im "modernen Konservatismus" : So hatte er sich in seiner zwölfjährigen Amtszeit als Salzburger Landeshauptmann, gegen den Widerstand von Sozialdemokraten und vor allem der FPÖ, für den Bau des Großen Festspielhauses (Architekt: Clemens Holzmeister) engagiert.

Gleichzeitig war es Klaus, der 1951 den Ausschluss des Komponisten Gottfried von Einem aus dem Direktorium der Festspiele betrieben hatte. Der Komponist hatte sich für die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft an den Schriftsteller Bert Brecht und dessen Mitarbeit bei den Festspielen eingesetzt. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2010)

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    Foto: APA

    Josef Klaus (1910-2001) wäre am Sonntag 100 geworden

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