Paywall

Kostenpflichtige "Times" verliert 1,2 Millionen Leser

Oliver Mark, 17. August 2010, 17:15
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    Die "Times" ist im Besitz von Murdochs Imperium News International.

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    Die Paywall: Eine zu hohe Hürde zum Überspringen?

Murdochs Online-Angebot der britischen Zeitung verzeichnet nach zwei Monaten dramatischen Userschwund

Seit 1. Juni "versteckt" sich das Online-Angebot der britischen Zeitung "Times" hinter einer Paywall. Ein Experiment des Medienmoguls Rupert Murdoch, das in der Branche mit Spannung beobachtet wird. Schließlich springen immer mehr Portale in Richtung Paid Content-Zug auf. Rein über die Schiene Werbung lasse sich Qualitätsjournalismus im Web nicht finanzieren, klagen zumindest viele Verleger.

Eine Zwischenbilanz für die "Times" und deren Schwester "Sunday Times" fällt allerdings ernüchternd aus - und dürfte potenzielle Nachahmer abschrecken. In wenigen Wochen verloren die Portale die Hälfte der Leserschaft, wie zum Beispiel "MediaWeek" berichtet.

Zwei Drittel weniger Seitenaufrufe

Die Webseiten Thetimes.co.uk und Thesundaytimes.co.uk kamen noch im Mai zusammen auf 2,79 Millionen Unique Visitors. Im Juni fiel die Zahl auf 2,2 Millionen, im Juli waren es nur mehr 1,6 Millionen User, die die Seiten frequentierten. Die durchschnittliche Nutzungszeit pro Visit sank von 7,6 Minuten im Mai auf vier Minuten im Juli. Die Seitenaufrufe brachen noch dramatischer ein: von noch 29 Millionen im Mai auf nur mehr neun Millionen im Juli.

Die Zahlen geben allerdings keine Aufschlüsse, wie viele Zahlungswillige die Inhalte nutzen. Erst beim Aufruf eines Artikels wird man zur Zahlung bzw. Registrierung aufgefordert. Mitte Juli waren es angeblich rund 15.000 Online-Abonnenten. Der Preis für die "Times" beträgt 1 Pfund (1,2 Euro) am Tag oder zwei Pfund pro Woche. Betroffen sind tagesaktuelle Berichte und jene aus dem Archiv.

Experten bezweifeln, dass die Online-Gebühren die geringeren Werbeeinnahmen - aufgrund des Reichweitenverlustes - auch nur einigermaßen abfedern können. Murdoch selbst zeigte sich mit der Anfangsphase der Paywall zufrieden: "Wir glauben, dass wir auf dem richtigen Weg sind", meint er Anfang August und setzt auf den Faktor Zeit, um seine Bezahlangebote zu etablieren. Ob sich sein langer Atem auszahlt, darf bezweifelt werden. Es gibt genügend Alternativen, gerade im überregionalen Bereich, die gratis sind - und so von Murdochs Paywall profitieren. (derStandard.at, 17.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
1 2
tiefseegurke
00
22.11.2010, 21:47

da muss man halt vorher ein sinnvolles bezahlsystem präsentieren... ich meld mich doch nicht extra an & geb dann meine kreditkartendaten an, um ein pfund zu bezahlen.

Ich bin wirsch, gezogen und gehobelt.
 
01
22.8.2010, 19:37

Das gab es doch schon mal: Bezahlen für Inhalte. Hieß, glaub ich, Compuserve.

Ich bin wirsch, gezogen und gehobelt.
 
11
21.8.2010, 11:29

Ich würde für den Standard sicher nicht bezahlen. Sobald das was kostet, bin ich weg.

petra 0815
00
18.8.2010, 18:33

Also wie doof muss man eigentlich sein,zu glauben, dass just-for-fun Leser für Inhalte zahlen.Das wäre dasselbe,wenn Reuters gratis Infomeldungen zur Verfügung stellen würde.Aber die lassen sich das gut bezahlen,ebenso die Anbieter von Fachinformationen.Viele Fachzeischriften bieten nur "gedruckte" Ausgaben,der Internetverkehr beschränkt sich auf Newsletter und stark abgemagerte Online-Versionen.Und da werden Abos seltener gekündigt,weil sie sich vom Internet bewußt heraushalten.Ich persönlich würde mir den Print-Standard viel öfter kaufen,gäb's keine gratis Onlineversion. Selber schuld! Wenn ich ein Jahresabo bestelle, habe ich einmal entschieden, bezahle, basta. Aber bei jedem paid-Aritkel muss ich jedesmal überlegen,ob ich "ihn" brauche!

roland geheim
00
18.8.2010, 11:09
mega-flop...

gibt es nicht im moment eine 'test-aktion' für 1 pfund das monat?

selbst im best-case (also 15000 user x 1 pfund x 365 tage) kommt times gerade mal auf 5mio. pfund jährliche einnahmen

kann mir beim besten willen nicht vorstellen, daß das ein gutes geschäft ist - wie hoch waren die werbeeinahmen bist jetzt?

nur meine meinung

M.Honeybee
00
18.8.2010, 15:08

Ja, Testaktion: 1 Pfund für 30 Tage,
Danach 2 Pfund pro Woche (=104 Pfund im Jahr).
Danke nein. Bin seither auch ein Nichtleser.

Aber z.b. die Financial Times scheint erfolgreich zu sein mit paid content (= Mix aus allen Methoden)
http://tinyurl.com/yamhgba

fire wall
 
01
18.8.2010, 11:03
Am Bezahlmodell

führt irgendwie kein Weg vorbei. Aber es muss ja nicht gleich alles kostenpflichtig sein.

Beispiel: www.yachtrevue.at (Newsbereich) ist nicht kostenpflichtig, aber die Printausgabe ist multimedial aufgefettet als e-magazin - und zum frei wählbaren preis (sic!) abrufbar. Hier geht man also zumindest jenen Lesern (ein bisserl) an die Geldbörse, denen ein Printabo zu mühsam/teuer/was auch immer ist.

Ob sich damit natürlich längerfristig geld verdienen lässt, wenn man dem leser frei lässt wieviel er zu zahlen bereit ist, zweifel ich jetzt mal an...

Fritz Meyer
10
18.8.2010, 14:34
"Am Bezahlmodell führt irgendwie kein Weg vorbei."

Ihr Posting kostet 1,50 Euro!

Schliesslich nehmen Sie gerade die Kommentarfunktion einer der grössten Tageszeitungen Österreichs in Anspruch.

Haben's das so gemeint?

system1
20
18.8.2010, 11:19
yachtrevue?

bruhahaha, was soll der vergleich? übrigens: das pfarrblatt aus schasklappersdorf ist auch kostenpflichtig....

Stoascheissa Korl
10
18.8.2010, 12:54

Interessant: ich dachte, dass heißt Schaslappersdorf an der Jauche.

Kra Wuzikabuzi
10
18.8.2010, 09:43
na da sind wir aber nun überrascht...

gibts dort keine leute mit hirn, die das vorher kalkulieren? ich wette, dass 80% der abos von firmen bezahlt werden.

Fleischsack, größtenteils aus Wasser
00
18.8.2010, 09:35

Ach ne. Wirklich. Das hat ja vorher noch nie wer probiert, und es ist auch noch nie wer dran gescheitert. Leute wie Murdoch verstehen einfach nicht, dass die Gratis-Konkurrenz genau einen Klick weg ist. Im Web ist auch die Kundentreue nicht so ausgeprägt, wenn nicht wirklich tolle unique features geboten werden (wie etwa das Forum hier beim Standard).

Hernie Hells
11
18.8.2010, 10:55

Eben genau nicht: Zu Angeboten wie der Times, dem Telegraph oder des Guardian gibt es keine Konkurrenz. Die ganzen hunderte News-Portale mit ihren ewig gelichen Agentur-Inhalten sind keine Konkurrenz für einen Times-Artikel. Und wenn diese Inhalte nun eben Geld kosten, muss man zahlen genauso wie man für die gedruckte Zeitung bezahlt. Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten und korrigiert einen kaufmännischen Fehler, der schon viel zu lange nicht behoben wurde. Man hatte geglaubt, das mit Werbung besser finanzieren zu können. Da das nicht funktioniert, müssen nun eben Vertriebserlöse her. Aus, Ende.

Fleischsack, größtenteils aus Wasser
00
19.8.2010, 08:45

Du irrst. Auch wenn die vielleicht Exklusivinhalte haben oder von mir aus tiefe Recherchen betreiben, finden sich diese Inhalte ein paar Stunden später ohnehin überall im Netz.

sirnicha
00
18.8.2010, 19:51
das

halte ich für ein gerücht: keine leser = keine firmen, die dort werben werden.

overtaker
20
18.8.2010, 09:14
Geschäftsmodelle sind gefragt!

Um ganz ehrlich zu sein: Die Versuchung, sich seine Inhalte bezahlen zu lassen, ist permanent vorhanden. Es macht also Sinn, das Modell einer Paywall immer wieder zu evaluieren. Ein Internetlokalführer ist kein Newsportal und eine Suchmaschine zeigt ein ganz anderes Benutzerverhalten was die Anzahl der Seitenaufrufe und der Verweildauer betrifft als ein Contentseite mit redaktionellen Inhalten.

Lokaltipp.at hat 100.000 Unique Clients im Monat. Ein kalkuliertes Absinken der Userzahlen um 40% und ein ABO-Preis von zB. 50 Cent pro Monat, da lacht das Herz des gewinnorientierten CEO.
Warum wirs trotzdem nicht machen? Weil Umsätze auch anders erzielt werden können,weil Reichweite die Marke stärkt und schnödes Abzocken des Users fad ist.

Atrus
10
19.8.2010, 08:11

Wir machen ein lustiges Spiel:
lokaltipp.at verhält sich zur times wie......

Es kann losgehen =)

PostIt
09
18.8.2010, 10:51
"Warum wirs trotzdem nicht machen?"

glaub vor allem deswegen, weil die userzahlen eher um 96% absinken würden^^

Werner Ridl
00
18.8.2010, 09:01
wie

mit dem rauchverbot
geht nur, wenn es alle machen

sonst heißt es, exklusive Inhalte wie einzigartige Analysen, Interviews etc. bieten - sonst kann ich als Leser immer auf Alternativen ausweichen

Bürger Europas
01
18.8.2010, 09:47

Oder man unterscheidet sich durch Qualität.

Lorf
 
00
18.8.2010, 08:20

war ja abzusehen...

samron
02
17.8.2010, 21:42

Finde ich ganz schlecht umgesetzt, ohne zu zahlen sieht man nur die Startseite. Noch nicht mal die Übersicht über einzelne Sparten wie Sport oder Wirtschaft kann man aufrufen.

dannadosch
00
17.8.2010, 19:48

Wie viele Abos zu 8 Pfund im Monat wird eine Onlineausgabe wie die Times denn zum Überleben brauchen? Was interessieren mich die Seitenaufrufe, wenn ich nimmer von der Werbung leben will?

Hat eventuell jemand ein kostenpflichtiges Abo bei einer echten Qualitätszeitung, die diese Fragen in ihrer Berichterstattung beantwortet - und kann mir das eventuell beantworten, bitte?

Bürger Europas
00
17.8.2010, 21:08

Ich habe ein eAbo der Wochenzeitung Die Zeit für 7,50 EUR/Monat. Qualität ist der Unterschied. Wenn ich schnelle Infos/Updates brauche, surfe ich über kostenlose Seiten wie SPON oder den Standard. Wenn ich aber ZEITUNG LESEN will, also Themen vertiefen und qualitativ hochwertiges lesen will, dann reichen mir die teils doch eher hingerotzten kostenlosen Onlineartikel nicht aus.

Sehr interessant am eAbo der Zeit sind übrigens auch die wöchentlichen 14 Audio-Artikel, die man gut im Auto oder Fitnessstudio oder auch zusammen mit der Partnerin auf dem Sofa hören kann.

Fleischsack, größtenteils aus Wasser
00
18.8.2010, 09:36

Wenn ich ZEITUNG LESEN will, dann will ich ehrlich gesagt das Printprodukt oder von mir aus was auf einem Tablet.

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