Halbzeit

17. August 2010, 17:20
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Urlaub von Salzburg - Von Karl Fluch

Salzburg kann einem leicht einmal unsympathisch sein. Der Schnürlregen ist etwa angesichts der musealen Anmutung der Getreidegasse nachgerade ein Sonnenschein. Und die Salzburger Festspiele festigen das schlummernde Vorurteil gegen die Scheinmetropole in Loden.

Diese nehmen Österreich jährlich wiederkehrend in dankbare Geiselhaft, perforieren die Hundstage mit Tralala, Jedermann und dem Gossip rund um die Augenbrauen von Rolando Dingsbumms und die in Rekordtempo eingemeindete Anna Ehschowissen.

Der Rest sind Homestorys und Kaffeetratsch, Babypausentatütata sowie die obligatorischen Stimmbandprobleme irgendwelcher Haupt- und Nebendarsteller. Dazu kommt nun innerstädtisches Verkehrschaos. Auch da: kein Interesse.

Als von der Wiederholungshochkultur nicht so wirklich angesprochener Mensch tut man also gut daran, in dieser Zeit das Land zu fliehen. Urlaub von Österreich bedeutet Urlaub von Salzburg zu machen.

Aber Salzburg ist ein Hund. Zwar musste man gar nicht allzu weit verreisen, um zwischen sich und die Festspiele Welten der Nichtbeachtung zu bringen. Kaum aber saß man im Flieger zurück, las man von der Halbzeit der Festspiele. Woraufhin der Schrei "Wann hört es endlich auf zu dauern!" die Sauerstoffmasken aus der Decke fallen ließ. (Karl Fluch, DER STANDARD - Printausgabe, 18. August 2010)

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