Erschießungsvideo von Arkan-Freischärlern aufgetaucht

17. August 2010, 16:07
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Möglicherweise Druckmittel Milosevics gegen Mafiaboss

Belgrad - In Serbien ist Medienberichten zufolge ein Video aufgetaucht, auf dem ehemalige Angehörige der "Serbischen Freiwilligengarde" (SDG) bei der Erschießung eines Zivilisten in Kroatien im Jahre 1991 zu sehen sind. Bei der SDG handelt es sich um eine ehemalige Milizeneinheit des Belgrader Mafiabosses Zeljko Raznatovic "Arkan". Der stellvertretende Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Bruno Vekaric, erklärte gegenüber dem Sender B-92, dass sich das Video im Besitz einer Person befinde, die mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt getreten sei. Man habe die Aufnahme noch nicht gesehen.

Das serbische Boulevardblatt "Kurir" berichtete am Dienstag, ein ehemaliger Staatsfunktionär wollte die Aufnahme, auf der auch "Arkan" selbst zu sehen sei, an die Staatsanwaltschaft zu verkaufen. Die Aufnahme sei wahrscheinlich von einem SDG-Angehörigen gemacht worden und habe dem Regime von Präsident Slobodan Milosevic dazu gedient, Raznatovic unter Kontrolle zu halten, hieß es.

Berufskiller des Geheimdienstes

Natasa Kandic, die Leiterin des Belgrader Fonds für humanitäres Recht, zeigte sich über die Existenz des Erschießungsvideos überrascht. Ihre Nichtregierungsorganisation habe mit etwa 300 bis 400 Personen Gespräche geführt, die während des Krieges in Kroatien von "Arkan"-Leuten in Erdut gefangen gehalten und Folter ausgesetzt waren. Allerdings sei man nie auf Informationen gestoßen, dass es Videoaufnahmen davon gebe, sagte sie B-92.

Das Haager UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien hatte Raznatovic 1999 wegen Kriegsverbrechen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina angeklagt. Wenige Monate später wurde der Mafiaboss in einem Belgrader Hotel erschossen. Der inzwischen verurteilte Mörder, damals Polizist, ist auf der Flucht.

"Arkan" startete seine Karriere als Berufskiller des jugoslawischen Geheimdienstes SDB in den frühen 70er Jahren in Westeuropa. Vor dem blutigen Zerfall Jugoslawiens Anfang der 90er Jahre engagierte er sich als Anführer nationalistisch gesinnter Fußballfans vom Belgrader Club "Roter Stern".

Im Laufe des nach dem Tod Milosevics eingestellten Prozess gegen den serbischen Ex-Präsidenten vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal sorgte ein Video für Aufsehen, auf dem serbische Freischärler bei der Erschießung von sechs Einwohnern der ostbosnischen Stadt Srebrenica im Sommer 1995 zu sehen waren. (APA)

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