Zotter stoppt Kakao-Projekt in Kolumbien

17. August 2010, 14:50
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"Kakao statt Kokain" scheiterte an den unsicheren Verhältnissen und der schlechten Infrastruktur - ein Neustart in einer anderen Region ist geplant

Graz - Der steirische Chocolatier Josef Zotter hat ein eben erst begonnenes Entwicklungsprojekt im Rahmen der Initiative "Kakao statt Kokain" in Kolumbien aufgegeben. Wie der Riegersburger Spezialitätenhersteller erklärte, seien Infrastruktur und Ressourcen unzureichend und die Sicherheit nicht ausreichend gewährleistet. Jetzt versucht der Oststeirer in einer anderen Region Kolumbiens in kleinerem Umfang einen Neustart.

Wie der ORF Steiermark und mehrere Tageszeitungen berichteten, hat Zotter dieser Tage das "Aus" für das Projekt bekanntgegeben. Dass man damit vor der Drogenmafia, in deren Visier man geraten sei, kapituliere, relativierte der Schokoladenhersteller: "Das Projekt ist aber nicht nur aufgrund von Gewalt gescheitert, sondern aufgrund von fehlenden Strukturen und Fehleinschätzungen zu Beginn des Projektes", erklärte Zotter. Man übernehme selbst die bisher angelaufenen Projektkosten von 70.000 Euro - das auf drei Jahre anberaumte Projekt hätte 350.000 Euro gekostet, wovon die Hälfte bei Zielerreichung von der Austrian Development Agency ADA gefördert worden wäre.

Vergiftung der Kokafelder

Voraussetzung für die Kooperation mit den örtlichen Bauern seien aber die Produktion nach den Fairtrade- und Biostandards. Weil aber in der Region Anori seit 2002 mit Unterstützung von den USA die Kokafelder aus der Luft mit Pflanzengiften zerstört worden seien, wären die Flächen noch belastet. Für eine Bio-Zertifizierung müssten die Anbauflächen aber mindestens drei Jahre frei von Pestiziden sein.

Es stimme zwar, dass die lokale Mitarbeiterin nur gegen Voranmeldung bei Polizei und Militär einen Ortswechsel vornehmen durfte und sie zuletzt von zwei Helfern begleitet wurde, dies sei in dieser Gegend aber "leider nichts Außergewöhnliches", so Zotter. Er habe ja nur für etwa 100 Bauern eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen erreichen wollen: "Als die politische und bürokratische Situation immer schwieriger wurde und ich gesehen habe, dass wir das Projekt nicht auf den Boden bringen, habe ich einen Strich gezogen."

Das Projekt sei damit aber nicht aufgegeben, sondern werde in kleinerem Umfang in Eigenregie in einer anderen Region Bajo Cauca (Antioquia) fortgesetzt. Hier seien die Voraussetzungen besser. 50 Bio-Bauern, die derzeit keine Exportmöglichkeiten besitzen, sollen in der Vermarktung unterstützt werden.

Seit fünf Jahren betreibt Zotter eine Kooperation in Nicaragua. Auch ein Projekt in Brasilien befindet sich schon im dritten Jahr. (APA)

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    Seit fünf Jahren betreibt Zotter eine Kooperation in Nicaragua.

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