Neonazi wegen von Kameraden veröffentlichten Fotos verurteilt

17. August 2010, 15:19
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Der 19-jährige Neonazi Michael H. aus Frankfurt/Oder wurde am Montag vom Berliner Jugendschöffengericht zu 15 Monaten Haft verurteilt. Er hatte bei einer "Spontandemo" am 1. Mai in Berlin einen Polizisten mit einer Fahnenstange an der Lippe verletzt.

Die Neonazis waren offiziell in Begleitung mehrerer Beamter mit der S-Bahn zur (genehmigten) Demo am Prenzlauer Berg unterwegs. Als sie an der Haltestelle Halensee überraschend ausstiegen und den Kurfürstendamm entlangliefen, konnten die Polizisten sie zuerst nur zu Fuß verfolgen. Erst am Olivaer Platz, der mehr als einen Kilometer entfernt liegt, gelang es, die "Spontandemo" zu umstellen. Einige Rechtsextremisten versuchten darauf, die Polizeisperre zu durchbrechen, wobei ein Polizist verletzt wurde.

Neonazis stellten Bilder ins Netz

Obwohl H. so wie viele der am Kurfürstendamm Eingekesselten schwarze Kleidung trug und beim Prozess die Aussage verweigerte, gelang es den Ermittlern, ihn zu identifizieren. Als Beweismittel wurden neben Polizeivideos auch Bilder, die Gesinnungsgenossen H´s unter dem Titel "Sponti in Charlottenburg" auf die Webseite des "Nationalen Widerstands Berlin" gestellt hatten. Aufgrund dieser Fotos, die ihn kurz vor dem tätlichen Angriff mit der Fahnenstange in der Hand zeigen, wurde H. nun verurteilt.

Weil der wegen Körperverletzung, Bedrohung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz vorbestrafte Neonazi zum Tatzeitpunkt erst 18 Jahre alt war, hat er nun vier Monate Zeit, um eine Änderung seines Lebenswandels zu beweisen. Dann wird das Gericht entscheiden, ob er die Haftstrafe wieder zur Bewährung ausgesetzt wird oder er ins Gefängnis muss. (red)

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    Neonazi-Demo am Kurfürstendamm, 1. Mai 2010

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