Wien-Hietzing

Werkbundsiedlung wird saniert

17. August 2010 14:14
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    Foto: apa/pfarrhofer

    Mit dem Bau der Werkbundsiedlung wurde im Herbst 1930 begonnen. Die Siedlung wurde aus 33 Haustypen errichtet: 22 Reihenhaustypen, sieben Typen mit gekuppelter Verbauung, drei Einzelhaustypen und einer Sondertype. Finanziert wurde die Errichtung von der Heimbauhilfsaktion der Gemeinde Wien, die Häuser waren zum Kauf in Baurecht bestimmt. Es konnten jedoch nur 14 Häuser verkauft werden. 1939 übernahm die Gemeinde die verbliebenen Häuser in ihre Verwaltung und vermietete sie. Sechs Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, an deren Stelle in den Jahren 1951, 1952 und 1956 Neubauten in Privatbesitz errichtet wurden. Seit 1978 steht die Werkbundsiedlung unter Denkmalschutz.

Wiener Wohnen finanziert Großteil der Arbeiten an städtischen Objekten - Gesamtkosten von rund 10 Millionen Euro

Die Wiener Stadtregierung nimmt nun die Sanierung der sogenannten "Werkbundsiedlung" in Wien-Hietzing in Angriff. Das Architektur-Juwel im Westen Wiens, an dessen Entstehung vor 77 Jahren 32 teils weltberühmte Architekten beteiligt waren, werde ab Mitte September revitalisiert, gaben Bürgermeister Michael Häupl und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (beide SPÖ) am Dienstag bekannt. Die Gesamtkosten wurden mit rund 10 Millionen Euro beziffert.

Eine eigens dafür gegründete Gesellschaft, die WISEG (Wiener Substanzerhaltungsgesellschaft & Co KG), werde dabei alle Agenden übernehmen, um eine professionelle Abwicklung zu gewährleisten. Dadurch soll zum einen sichergestellt werden, dass die Erneuerung des architektonischen Kulturerbes den hohen Anforderungen entspreche, zum anderen, dass auch die Mieter umfassend betreut werden, hieß es.

Am Besitzverhältnis ändert sich nichts: Jene knapp 50 Häuser, die nun revitalisiert werden, befinden sich weiterhin im Eigentum der Stadt. Laut Ludwig wird man sich aber auch um die Eigentümer der 22 im Privatbesitz stehenden Objekte bemühen. Diese können bei einer Renovierung ebenfalls mit Mittel aus dem Fördertopf der Stadt rechnen. Mit den Arbeiten wird voraussichtlich Ende des Jahres begonnen.

Auch an den Mietverhältnissen gibt es keine Änderungen, wurde heute betont. Künftig will die Stadt, falls in der Werkbundsiedlung Wohnungen frei werden, diese jedenfalls an Personen vergeben, die eine Affinität zur Architektur vorweisen können.

Opposition kritisiert "Stückwerk"

Von den Wiener Oppositionsparteien wurde die Ankündigung zur Sanierung skeptisch aufgenommen. "Werden zehn Millionen Euro reichen?", fragte der Hietzinger VP-Gemeinderat Bernhard Dworak, der die Ankündigung auch als "reine Ankündigungspolitik vor den Wahlen" bezeichnete. Ein Angebot an die Mieterinnen und Mieter der Siedlung, die von ihnen bewohnten Häuser und Wohnungen der Werkbundsiedlung käuflich zu erwerben, könnte einen Anreiz dazu schaffen, nachhaltig die Substanz zu erhalten, so Dworak.

"Offensichtlich hat die Wiener SPÖ nun doch erkannt, dass es bald zu spät für eine Sanierung der Werkbundsiedlung wäre und man sich nicht noch ein verfallenes Architekturjuwel in Wien leisten kann", sagte die Planungssprecherin der Wiener Grünen, Sabine Gretner. "Ein ähnliches Schicksal wie bei der 'Stadt des Kindes', die durch einen Teilabriss zerstört wurde, ist somit hoffentlich vom Tisch." Warum das Sanierungskonzept aber "mehr als zehn Jahre gedauert hat, ist mir unerklärlich", so Gretner.

FPÖ-Architektursprecherin Henriette Frank meinte, eine laufende Sanierung des Architekturdenkmales wäre effizienter und günstiger gewesen. "Abbröckelnde Fassaden und feuchte Keller haben die Bausubstanz angegriffen, so dass die Werkbundsiedlung vom 'World Monuments Fond' (WMF) auf die Liste der weltweit am meisten gefährdeten Kulturdenkmäler gesetzt wurde."

Gebaut von 1930 bis 1932

Die Werkbundsiedlung entstand in den Jahren 1930 bis 1932 unter der Leitung des Architekten Josef Frank. Die Objekte stammen unter anderem von Adolf Loos, Josef Hoffmann oder Clemens Holzmeister. Die Siedlung gilt heute als eines der bedeutenden Beispiele moderner Architektur in Wien.

Die bis dato letzte Revitalisierung wurde in den Jahren 1982 bis 1985 durchgeführt. Aufgrund des in den 1930er-Jahren verwendeten Baumaterials - das laut Rathaus damals ebenfalls ein Experimentierfeld für die beteiligten Architekten war - besteht nun erneuter Sanierungsbedarf. In den vergangenen Jahren wurden in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt Vorarbeiten für die geplante Revitalisierung der Siedlung durchgeführt.

Ziel sei es gewesen, das Konzept für eine nachhaltige Sanierung mit einer deutlichen Steigerung des Wohnkomforts für die Mieter zu erstellen - sowie die erforderlichen finanziellen Mittel bereitzustellen, wie betont wurde. Diese Unterstützung ist nun gesichert. Da die Arbeiten laut Ludwig "bei weitem" nicht aus der Mietzinsrücklage finanziert werden kann, wird der Großteil von Wiener Wohnen gezahlt. (red/APA)

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23 Postings
R.Action
17.02.2011 19:21

bitte wie kann man eine Affinität zur Architektur nachweisen? Meinen die damit ein Parteibuch?

black jack
19.02.2011 23:53

Bingo.

der erleuchtete
15.01.2011 11:38
ausgesprochen schiach & scheusslich

wie eigentlich alles vom loos&co... der ganze werkbund is doch in wirklichkeit vorläufer und planer aller modernen plattenbauten gewesen... von kagran bis wladiwostok.
am besten abreissen und stilgerecht verwildern lassen.
loos, dieser ornamentenfeind: barbar und posthum einer der hauptschuldigen an der scheusslichkeit des (post)modernen wien.

warp.faktor
18.06.2011 09:02
Sie können sich gerne ...

... im Burgenland ein Fertigteilhaus mit Giebeln, Barocktreppe, Erkern und Säulen hinstellen. Dort sind Sie (leider) nicht der einzige.

Ill Will.
16.01.2011 00:20

schuld daran sind meis die kunden, nicht die architekten

Benno Berghammer
31.08.2010 20:51
Werkbundsiedlung ist historisch nicht wertvoll...

Die Sanierung der Werkbundsiedlung, sie steht unter Denkmalschutz ist ein Witz für den Steuerzahler. Man hat damals quasi Doppel- bzw. Reihenhäuser mit sehr schlichten architektonischen Mitteln gebaut. Nachdem offensichtlich alles im 13. was schlicht ausschaut oder einen kantigen Stil a la Loos aufweist schützenswert ist, würde ich einfach den Denkmalschutz aufheben und die Mieter die Sanierung zahlen lassen. Die zahlen ohnehin einen Friedenszins von wenigen Euro pro m². Ich wohne selber in einer Jugenstilvilla, die der Architekt Josef Frank für einen Industriellen gebaut hat und bin froh, dass meine Hütte nicht unter Denkmalschutz steht.

Ich bin schon gespannt auf die vielen lustigen Diskussionen mit den Beamten vom Denkmalschutz.

Rittmeister von E.
28.07.2011 14:59
da schreibt ein Fachmann

Der Josef Frank soll eine Jugendstilvilla gebaut haben? Ludwig Wittgenstein modifiziert: wovon man keine Ahnung hat, darüber darf man nicht schreiben!

Alfred Zopf
22.08.2010 17:49
Vermutlich wird umgeschichtet und die Gemeindebauten unterm roten Berg, schon lange zur Generalsanierung angemeldet, werden wieder auf Jahre verschoben !

junjunjun
18.08.2010 20:17
schöne gebäude

sind das. würd ich auch gern drin wohnen.

verleih nix
19.08.2010 10:43

ja, wer nicht. leider kann ich die nötige 'affinität' zur gemeinde wien nicht nachweisen.

Mirstetta Toni
19.08.2010 09:38

nicht nur die gebäude. auch die gegend ist wirklich schön.

Mirstetta Toni
18.08.2010 17:27

was haben wir dort in den 80ern für partys gefeiert!

violavioletta
 
18.08.2010 14:34
bin der meinung von peter in wien

die jetzigen dürfen um 1,50€/m2 im loos haus wohnen und die neuen mieter (falls die alten endlcih mal ausziehen haha) müssen 'affinität zu architektur vorweisen'......na typisch wien

warp.faktor
18.06.2011 09:05

Wenn es ernst gemeint ist, wäre das doch nicht schlecht. Gartenzwerge und Holzverkleidungen machen sich auf Bauhaus Entwürfen nicht übermäßig.

einloggen
18.08.2010 12:45

Die Werkbund wird saniert - die Werkbund wird saniert - Hurra- Hurra - die Werkbund wird saniert!

a grünes stricherl
 
18.08.2010 00:03

wird auch wirklich langsam zeit ..

baumfreund
17.08.2010 22:48
"werkbundsiedlung wird saniert"

na endlich!!

Def. Izit
17.08.2010 17:49
Warum sind nur Männer erwähnt??

Margarete Schütte-Lihotzky könnte ruhig auch genannt werden.

RichardRoe
19.08.2010 06:25

KommunistInnen oder was dafür gehalten wird, fallen leider glatt unter den Tisch.

Peter aus Wien
17.08.2010 16:55
Auch wenn es jetzt vielleicht Proteste (Stricherl in rot) hagelt...

.. aber damit das dauerhaft Erfolg haben kann, müsste man die ganzen <zensiert> rauswerfen, die die Häuser zurzeit behausen. Denen geht die Architekturgeschichte der Häuser komplett am A... vorbei.
Dort sollten Leute drinnen wohnen, die das zu schätzen wissen.

warp.faktor
18.06.2011 09:07

Ein bisserl radikal, aber wenn ich mir die Gartenzwerge in manchen Vorgärten ansehe ...

Lappe ohne Rentier
17.08.2010 14:54
Lieber standard.at,

Links wären angebracht gewesen. Hier sind sie:

http://www.werkbundsiedlung.at.tf/
http://www.werkbundsiedlung.at/

Herzelichst
Ihr Lappe

Eckhausbesitzer
18.08.2010 11:40

Danke für den link. Waren damals teuer, aber umgelegt auf heute war entweder das Brot viel billiger, oder die Immobilien teuer.

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