Krebstherapien als mögliche Ursache von Krebs

  • Mit Hilfe der Strahlentherapie werden Krebszellen gezielt vernichtet.
    foto: apa/arne dedert

    Mit Hilfe der Strahlentherapie werden Krebszellen gezielt vernichtet.

Gezielte Vernichtung fehlerhafter Zellen kann Entstehung anderer Krebserkrankungen zu einem späteren Zeitpunkt fördern

Innsbruck - Krebstherapien könnten Auslöser für weitere Krebserkrankungen sein. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Biozentrums an der Medizinischen Universität Innsbruck. Der durch manche Therapien aktivierte programmierte Zelltod mittels stimulierten, körpereigenen Funktionen könnte für die neuerliche Entstehung von Krebserkrankungen verantwortlich sein, erklärte Andreas Villunger, Leiter der Sektion für Entwicklungsimmunologie am Dienstag.

Mit den Ergebnissen des vom Österreichischen Wissenschaftsfonds geförderten Sonderforschungsprogramm könnte somit erklärt werden, warum beispielsweise nach einer Leukämie gesundete Kinder oft 20 oder 30 Jahre später andere Krebserkrankungen entwickeln. Bei rund 15 Prozent der Krebs-Neuerkrankungen handelte es sich mittlerweile um neue Tumortypen, die bei Krebsüberlebenden auftreten. "Dies kann mit der aggressiven Apoptose-induzierenden Therapie, also die gezielte Vernichtung von fehlerhaften Zellen, bei der ersten Krebserkrankung zusammenhängen", erörterte Villunger.

Anfällig trotz Protein "PUMA"

Das Protein "p53", das in der Medizin gut erforscht sei und auch "Wächter des Genoms" genannt wird, ortet Schäden in den Zellen und entsendet andere Proteine als Helfer. Manche davon hindern die beschädigte Zelle am Wachsen, während andere den Schaden zu reparieren versuchen. Wenn all diese Maßnahmen nicht helfen, werde das Protein "PUMA" aktiviert, das die beschädigte Zelle schließlich vernichtet. Bei manchen Krebsbehandlungen wird sich genau dieser Schutzmechanismus zunutze gemacht.

Die Forschergruppe rund um Villunger schaltete im Rahmen ihres Experimentes besagten Schutzmechanismus aus: "Wir erwarteten, dass diese Zellen in vivo nun in höchstem Maße anfällig für Tumorbildungen sind, wenn sie schädlicher Strahlung ausgesetzt werden", schilderte der Wissenschafter. Aber genau das Gegenteil sei eingetreten: Bei Lymphozyten ohne "PUMA" habe keine Tumorbildungen nachgewiesen werden können. Kontrollgruppen mit dem intakten "PUMA-Schutzprogramm" hätten hingegen nach mehrmaliger, Erbgut-schädigender Bestrahlung sehr wohl Lymphome entwickelt.

Ursache dafür könnte eine Überarbeitung der Stammzellen des Knochenmarks sein. Normalerweise verursache die verwendete Strahlung so viel Schaden an der DNA, dass das "PUMA-Schutzprogramm" aktiviert wird. Allerdings bedeutet dies auch, dass in Folge rund 90 Prozent der betroffenen Blut- und Stammzellen absterben. Die überlebenden Stammzellen müssten zum einen den entstandenen DNA-Schaden beheben, zum anderen aber auch abgestorbenen Blutzellen erneuern. "Diese Doppelaufgabe setzt die Stammzellen unter großen Druck bei der Zellteilung, was erneut Zellschäden hervorrufen kann", erklärt Villunger. Den Stammzellen, bei denen PUMA ausgeschaltet worden war, sei dieser Druck hingegen erspart geblieben.

Zu denselben Forschungsergebnissen wie das Team der Entwicklungsimmunologie des Biozentrums Innsbruck seien Wissenschafter in Australien gekommen. Beide Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Genes & Development veröffentlicht, hieß es. (APA)

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