13 Jahre Haft für kleinsten "Dalton"

17. August 2010, 14:30
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Neunfacher Bankräuber nennt gesundheitliche Probleme als anfängliches Bankraubmotiv

Wien - "Es tut mir leid", wiederholt Mirko C. mit einer gleichgültigen Miene bei jedem einzelnen Zeugen. Es sind Bankangestellte, die ihr Trauma im Kontext der von ihm und zwei anderen Täter verübten, bewaffneten Überfälle schildern. Der mit 1,65 Metern kleinste der "Daltons" , wie das Serien-Bankräubertrio aufgrund der aufsteigenden Körpergröße benannt wurde, weist in Österreich bereits drei einschlägige Vorstrafen auf.

Dreizehn Jahre bedingt lautet das Urteil für ihn, gemildert durch seine Kooperation mit Strafverfolgungsbehörde und seines Geständnisses. Ohne ihn wäre die Ermittlung gegen den Kopf der Bande, den 55-jährigen Argentinier Santiago Alfredo S. nicht möglich gewesen, der am vergangenen Mittwoch in Italien verhaftet wurde, bestätigt die Staatsanwältin Ursula Kropiunig.

Ihn hat der Verurteilte während eines Gefängnisaufenthaltes in Italien kennengelernt. Verantworten musste sich Mirko C. für neun Banküberfälle zwischen 2007 und 2009 in Wien und Wels, bei denen insgesamt eine Summe von 960.000 Euro erbeutet wurde. Spezifisch an den Überfällen: Das Trio tarnte sich mit falschen Bärten und Schlapphüten und flüchteten meistens mit Fahrrädern.

Aufgrund eines vertraulichen Hinweises konnte Mirko C. festgenommen werden. Sein Motiv: EIn Nierenleiden. Aufgrund der Erkrankung war er nicht in der Lage, einen Beruf auszuüben. Deswegen nahm er an den von Santiago Alfredo S. geplanten und organisierten Raubüberfällen teil.

"Es ging mir schlecht, ich musste drei Mal wöchentlich zu Dialyse", so Mirko C. Er wäre lediglich dabei gewesen um anwesende Angestellte und Besucher bei den Überfällen zu überwachen. Ein weiterer Punkt: Er sprach als einziger ausreichend Deutsch, um bei den Taten zu dolmetschen. Er habe Geld für die Nierentransplantation und für seine fünfköpfige Familie benötigt. Allerdings: Nach einer rettenden Nierentransplantation sah der "Dalton" offenbar keinen Grund mit den illegalen Bankbesuchen aufzuhören.

Auf der Anklagebank war auch Mirkos Nachbar, Bojan M., der bei einem Bankraub als Chauffeur beteiligt war. Er wurde zu eineinhalb Jahre Haft verurteilt, davon sechs Monate unbedingt. (Jelena Andjelkovic, DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2010)

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