Kinderpornoseiten sollen gelöscht statt gesperrt werden

17. August 2010, 12:43
  • Artikelbild
    foto: apa/helmut fohringer

    CDU/CSU und FDP sind sich in der Debatte um Internetsperren uneinig.

Sperren erwiesen sich als ineffektiv, halten Experten fest - Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden verbessert

Den Vorwurf, dass es bei Netzanbietern oftmals gar nicht zur Löschung kinderpornographischer Seiten kommt, ließ der Verband der deutschen Internetwirtschaft Eco nicht gelten. "Der Ansatz 'Löschen statt Sperren' funktioniert", erklärt Harald Summa, Geschäftsführer von Eco, gegenüber Heise. Damit wird ein Kampf im Bundestag zwischen den Koalitonspartnern FDP und CDU/CSU entfacht.

Vorwürfe der FAZ

Der Weg, Internetseiten zu löschen und nicht bloß zu sperren, müsse "entschieden und mit größtmöglichem Engagement" verfolgt werden. Zuvor kritisierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) in ihrer Sonntagsausgabe, dass die Löschung entsprechender Internetseiten "meist nur vorgegaukelt" werde. Als Verantwortliche dafür sieht die Zeitung Eco und den internationalen Mindeststellenverband "International Association of Hotlines" (INHOPE).

Summa reagiert auf den Vorwurf und erklärt: "Wir haben im vergangenen Sommer 144 Fälle kinderpornographischer Inhalte geprüft und die strafrechtlich relevanten Beschwerden entweder direkt an die zuständigen Provider herangetragen, oder eine INHOPE-Partner-Hotline informiert". In der Vergangenheit konnte man schnelle Reaktionen auf Seiten der Hostprovider feststellen. Wie rasch ein Provider reagiert konnte man allerdings nur dann erfassen, wenn man den Anbieter direkt selbst informierte.

"Dass nicht alle Mitglieder von INHOPE nach ein- und demselben Muster arbeiten", ist Summa klar. Deshalb komme es auch immer wieder zu Verzögerungen bei der Löschung von Internetseiten. Die FAZ berichtet, dass von 110 US-Seiten nach einigen Monaten noch immer mehr als die Hälfte abrufbar gewesen seien. Mehrere Wochen habe man zum Teil für die Löschung in Russland, Japan, den Niederlanden oder Japan benötigt. Eco habe "massive Probleme" mit INHOPE, die Hotlines hätten ihre Arbeit nur teilweise erledigt, hält die FAZ weiter fest.

Verbesserungen

Summa verteidigt, dass man nun Druck gemacht habe um das Problem in den Griff zu bekommen. Oftmals sei die Weiterleitung an die Anbieter erst mit Verspätung erfolgt. Zusammen mit dem Hotline-Verband und der EU-Kommission möchte man das "notice and takedown"-Prinzip in Verbindung mit einschlägigen Internetseiten verfolgen. Zuvor müsse man allerdings die rechtlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern klären. Die Forderung soll in den EU-Förderverträgen für die Meldestelle festgehalten werden, auch plane man in Zukunft eine engere Zusammenarbeit mit dem US-Justizministerium.

Zu Problemen bei der Löschung entsprechender Seiten sei es in der Vergangenheit aufgrund des zum Teil ausgesetzten Zugangserschwerungsgesetzes gekommen. CDU/CSU-Politiker forderten alternativ die Sperre einschlägiger Webseiten, sofern sich diese aus rechtlichen Gründen nicht löschen ließen. Sperren seien allerdings "nicht effektiv und nachhaltig", betont Summa. Von ersten Erfolgen in der Zusammenarbeit mit den USA und Russland könne man bereits berichten. In sechs Fällen seien Seiten mit kinderpornographischen Inhalten gelöscht worden. "Vier davon waren binnen zwei Werktagen offline, zwei binnen einem", freut sich Summa über die verbesserte Zusammenarbeit.

Statistik

38.679 Beschwerden sind nach Angaben Ecos in Deutschland im ersten Halbjahr eingegangen. 238 davon hätten sich auf die Darstellung kinderpornographischer Inhalte bezogen, bei 207 handelte es sich um begründete Verdachtsfälle. Von 18 solcher Funde im Ausland waren 15 binnen einer Woche offline, zwei innerhalb von 14 Tagen und eine weitere erst mit größerer Verspätung. Dass es nicht sehr schwierig ist Seiten mit Kinderpornographie aus dem Internet zu entfernen, bestätigten auch Tests von "Carechild" oder "AK Zensur".

Für die Zukunft arbeite man an der Verbesserung der Statistik für "alle ins Ausland gemeldeten Inhalte", hält Summa fest. Er fordert vom Bundeskriminalamt (BKA) eine Reduktion der Überprüfungszeit. Eco verspricht sich davon eine verbesserte Statistik, welche die vermehrten Bemühungen in diesem Bereich sichtbar machen soll. Die Statistik für den Monat Juli zeigt, dass 63 Prozent der entdeckten ausländischen Webseiten nach einer Woche noch erreichbar waren. Mit ausschlaggebend dafür dürfte sein, dass das BKA bislang etwaige Funde an Polizeidienststellen im Ausland weiterleitete und nicht direkt an die Provider.

Politik

Die CDU/CSU fühlt sich im Bundestag in ihren Forderungen bestätigt. "Wenn nicht gelöscht werden kann, muss Sperren möglich sein", hält etwa Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses im Parlament fest. Ein Sprecher der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), meinte hingegen: "Die Erfolge von INHOPE sind unbestritten, vor allem im Vergleich zu staatlichen Stellen." (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2
sepperl gorge
30
17.8.2010, 23:20

Tja, das sagte die Piratenpartei schon vor einem Jahr (und viele andere)

Ich fände es trotzdem noch viel besser, wenn die Regierung/Polizei selber ein paar fake KiPo Seiten hochziehen würde + Community und Forum. (ja mit echten Kipos um auch die Leute zu bekommen.. müssen ja keine neuen drehn)

Und nach ein paar Wochen alle User auffliegen lässt und verknackt.

Das machen die ein paar mal auf komplett unterschiedliche weise und kaum ein Kipo Gucker traut sich noch einer solchen Community beitreten, bzw sich solche Filme zu besorgen.

Da sich keiner mehr sicher sein kann, oba das ne "echte" oder ne "regierungs-fake" Seite ist.

(kleine private Netzwerke wird man damit wohl nicht kriegen, aber immerhin)

Nur mal so eine überlegung

LCD
01
18.8.2010, 17:20

Verbreitung vin Kinderpornographie ist ein Delikt, also müssten die Regierungsmitglieder/Polizeibeamte die daran beteiligt sind, eigentlich sofort verhaftet und eingesperrt werden.

blutteddy
01
18.8.2010, 13:39

das problem bei den kinderpronos ist ja das man die konsumenten und vielleicht ein paar kleine betreiber solcher seiten dranbekommt aber nie großen fische also die "filmproduzenten" und das pack was wirklich an diesen seiten verdient

Nerlub
02
18.8.2010, 08:32

Nur das sie das nicht dürfen. Sie dürfen ja auch nicht einfach so ein nicht abgeschlossenes Auto stehen lassen und sobald es wer klaut den Dieb fesnehmen.
Genauso wenig darf z.B Microsoft Raubkopien hochladen und dann alle Downloader dran kriegen.

Und dein Kinderpornobeispiel ist schon extrem.

sepperl gorge
20
18.8.2010, 09:03

nur gehts bei Raubkopien nicht um dass zerstören von Menschenleben und auch nicht um die prävention von Zersötrung von menschenleben

Nerlub
01
18.8.2010, 10:20

Das waren auch nur Beispiele. Im Allgemeinen meine ich, dass man niemanden dazu verführen darf, eine strafbare Handlung zu vollziehen und dann diejenigen zu bestrafen.

Genauso wenig ist die Sperrung eine Lösung. Sobald das System steht (bzw. tut es ja schon) wird es bestimmt nicht mehr lange dauern bis andere Websiten zensiert werden. (z.B. österreichische Videospielhändler, die, in Deutschland verbotene Videospiele, nach D importieren) usw.

Man muss die kriegen, die diese Abscheulichkeiten drehen, und das funktioniert nur über die Originalwebsiten, denn die Konsumenten werden kaum mit denen in Verbindung stehen. Auch wenn sie natürlich ebenso gestraft gehören

Roland Schweiger
01
17.8.2010, 21:36
ach welch tolle Erkenntnis ...

da haben wohl ein paar Politiker langsam verstanden dass es technisch gar nicht so ohneweiteres möglich ist "Seiten zu sperren" (wie man sich auszudrücken pflegt),wer solche Seiten wirklich will wechselt eben den DNS oder resolved über ein VPN oder 100 andere Möglichkeiten, is ja logisch dass man eher die Betreiber solcher Dienste ausfindig machen und ihnen das Handwerk legen sollte. Ich erinnere mich an einen deutschen Spot (glaube es war die Piratenpartei) vor über 1 Jahr: "zensi zensa ZensUrsula, sperren anstatt löschen, na wunderbar..." wow und 1 Jahr später kriegens Justitz und Politiker auch mit oder wie oder hab ich was gaaaanz falsch verstanden?

JosefGott
02
17.8.2010, 20:37
Wenn keine löschung möglich ist,

dann sind die Beamten schlicht und ergreifend inkompetent.

Mathias
 
00
18.8.2010, 10:58
blödsinn

Zu 90% fehlt der politische Wille, um Gesetze dafür zu erstellen. Beamte sind an die Gesetzeslage gebunden.

JosefGott
00
19.8.2010, 18:18

Politischer Wille? Nein! Die Politiker wahrscheinlich selbst verwickelt genauso wie Beamte, oder werden geschmiert.

LCD
01
18.8.2010, 13:09
Blödsinn

Zu 90% sind die in Deutschland/Österreich als KiPo geltenden Inhalte anderswo legal, da überhaupt keine Kinderpornographie vorliegt, bzw. keine Opfer vorhanden sind.
"Anscheinjugendpornographie" ("Tiny Tabs"), "Manga"/"Doujinshi"/"Rori eroga", "NonNude Modells"
Echte Kinderpornographie ist in jedem Land verfolgt, zumindest die Herstellung und verbreitung, nicht immer jedoch der Besitz. Die Beamten können also in jedem Land der Erde KiPo vom Netz nehmen (sofern nicht in Dark Nets gehostet), aber dann müßten Sie auf Schmiergelder verzichten.
Würde man alle KiPo Konsumenten einsperren, müßte man die Anzahl der Gefängnise verfünfzigfachen.

blutteddy
10
18.8.2010, 13:42

also mangas und doujinshi als kinderpronos zu bezeichnen ist doch etwas hart? da fragt man sich kennen sie sich einfach nicht aus oder konsumieren sie nur hentais?

LCD
01
18.8.2010, 17:29

Ich tue es garnicht, aber FPÖ Justizminister Dieter Böhmdorfer hat das sehr wohl getan und sogar durchgesetzt: http://fm4v2.orf.at/burstup/127217/main
Doujinshi sind größtenteils mit erotischen Inhalten garniert und die Personen SEHEN oft aus als ob sie noch Kinder wären. Manga hingegen etwas seltener, aber es gibt auch eine Menge davon. Ich persönlich habe bisher nur ein einziges H-Manga konsumiert, doch es war weniger H als vielmehr Gore, und zwar wegen der Story, und nicht wegen der Fleischszenen.
Mein Lieblingsgenere ist übrigens Riesen-Mecha Kriege wie "Neon Genesis Evangelion", und nicht "Hentai".
"God in his heaven, peace on earth".

hopper
01
17.8.2010, 19:15

Eine Löschung bzw. Sperre bringt doch nichts, ist ja nicht so als hätten die Betreiber nicht lokale Kopien.

Ich kann daher einfach nicht verstehen wie es heute noch möglich ist, sich eine Domain zu kaufen, einen Hoster zu beauftragen und Kundenabos finanziell abzuwickeln und trotzdem für die Polizei nicht auffindbar zu sein.

LCD
01
18.8.2010, 13:13
Das ist einfach zu verstehen.

Es läuft unter dem Oberbegriff "Bestechung".
In Ländern wie Russland oder Deutschland kann man mit dem kleinen Beamtengehalt keige großen Sprünge wagen, also ist man auf großzügige Spenden angewiesen, und drückt dann schon mal beide Augen zu.

yomellamo
00
17.8.2010, 17:37
"sperren" wird von politikern gewuenscht,

weil es da viel leichter ist auch hie und da unerwuenschte nicht-KP-seiten auf den index zu setzen. Zb. seiten die den politikern gegenueber kritisch eingestellt sind.

mitch2
20
17.8.2010, 17:05

warum werden den usern dieser seiten keine fallen gestellt? damit können diese eingesperrt und zu strafzahlungen an den staat verurteilt werden. die arbeitsplätze der dann inhaftierten können auch neu besetzt werden.

angehender Medientechniker
 
01
17.8.2010, 16:14

Löschen ist auf jeden Fall sinnvoller als nur sperren.

free spirit
20
17.8.2010, 16:13
kinderpornoseiten

sollten zu sofortigen, rigorosen verhaftungen führen...

Captain Smoker
00
17.8.2010, 21:47

OK, ich schicke Ihnen dann mal einen verschleierten Link...

Sonstwer
00
18.8.2010, 09:18
Captain Smoker
00
18.8.2010, 19:18

Können Sie bei mir vergessen.

Ich nutze "Long URL Please". ;)

free spirit
00
17.8.2010, 22:22
ich meine das die betreiber solcher seiten ausgeforscht

und zur rechenschaft gezogen werden sollen, ebenso die provider die endlich die verantwortung dafür übernehmen sollten was sie hosten.

wo ist mein zu kritisierender denkfehler?

Captain Smoker
00
17.8.2010, 23:23

Alles klar. Ihr erstes Posting war etwas zweideutig.

Diese Forderung gibt es schon lange nur leider ist die Umsetzung schwer da sich die Hintermänner natürlich sehr gut verstecken bzw. in Ländern aufhalten wo man keinen Zugriff auf sie hat.

Wennso Weitergeht...
01
17.8.2010, 20:40
jo

die Kinder fühlen sich dann nämlich besser
/sarcasm

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 34
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.