"Bildnis Wally" wieder in Österreich

20. August 2010, 11:34
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Ankunft in Wien um 7.45 Uhr - Ab Montag zunächst im Schiele-Bereich samt Begleittext zur Provenienz zu sehen

Wien - Heute morgen kehrte das "Bildnis Wally" nach zwölf Jahren wieder nach Wien zurück: Am frühen Morgen erreichte das Gemälde an Bord einer Austrian Airlines Maschine den Flughafen Schwechat, am Montag wird es im Leopold Museum bei einer Pressekonferenz enthüllt und aufgehängt. Bis Ende August soll die "Wally" dann im Schiele-Bereich im Erdgeschoß zu sehen sein, wie das Museum mitteilte. Dazugehängt wird ein Text über die Provenienz des Gemäldes, der im Vergleich mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray vereinbart wurde.

Freitagfrüh landete das lang umkämpfte Gemälde am Flughafen Wien-Schwechat mit einer Austrian-Airlines-Maschine aus New York und wurde von Elisabeth Leopold sowie dem kaufmännischen Direktor des Leopold Museums, Peter Weinhäupl, in Empfang genommen. "Glücklich und froh, dass sie wieder da ist", äußerte sich Leopold.

Dann ließ Leopold das Bild vor der Übergabe an die Spedition auch auspacken: "Ja, das ist die Wally", bestätigte der restauratorische Gutachter mit einem raschen Blick. Der Öffentlichkeit präsentiert wird die "Wally" ab Montag im Leopold Museum. Dabei wird das Bild enthüllt und neben Schieles "Selbstbildnis mit Lampionfrüchten" aufgehängt. Bis Montagabend ist für den "Wally"-Besuch nur die Hälfte des Eintrittspreises zu bezahlen. Neben dem Gemälde werden Texte über Provenienz und Restitutionsgeschichte sowie über die Porträtierte, Walburga Neuzil, zu lesen sein.

Mit einer Warnung "vor Selbstzufriedenheit" meldete sich unterdessen der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl zu Wort. "In all dem patriotischen Jubel um die Rückkehr der verlorenen Tochter" verliere man "leicht aus den Augen, dass im Leopold Museum noch nicht eine einzige Restitutionsfrage zufriedenstellend erledigt ist", so Zinggl.

Zur Rückkehr der "Wally" betonte Leopold, dass es "für Gefühle des Triumphes oder der gleichen keinen Platz" gebe. "Es ist ein Vergleich und der kennt keine Sieger." Im Gegenteil sei "vor dem Hintergrund des beispiellosen Raubes der Nazizeit" eher ein "Gefühl der Trauer" angebracht.

Nach der Beschlagnahmung des "Bildnis Wally" 1998 im Anschluss an eine Schiele-Ausstellung in New York und einem zwölfjährigen Rechtsstreit mit den Erben der ursprünglichen Besitzer einigte sich die Stiftung Leopold mit den Erben im Juli in einem Vergleich auf eine Zahlung von 15 Mio. Euro. Das Bild war in der Nazi-Zeit unter strittigen Umständen der Galeristin Lea Bondi-Jaray abgepresst und nach dem Krieg versehentlich an falsche Besitzer restituiert worden. 1954 wurde es von Rudolf Leopold erworben.

Während der ersten Herbstwochen, in denen große Teile der Sammlung Leopold im Austausch mit der Sammlung Beyeler in Basel zu Gast sind, wird die "Wally" innerhalb des Hauses wahrscheinlich in den 4. Stock wandern. Langfristig ist ihr ein Platz in der Schiele-Dauerausstellung zugedacht. Künftig sollen auch weitere Texte den Besucher informieren: Über die spezielle Geschichte des umkämpften Gemäldes, über die porträtierte Walburga Neuzil sowie über weitere Restitutionsfälle, die durch den Fall Wally angeregt wurden. (APA) 

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