Strenge Auflagen bei Tiefsee-Ölbohrungen beschlossen

17. August 2010, 13:36
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Versiegelung des lecken Bohrlochs im Golf von Mexiko verzögert sich

In den USA sind Ölbohrungen in tiefen Gewässern künftig nur noch nach eingehenden Untersuchungen zu den möglichen Folgen für die Umwelt erlaubt. Jedem Bohrvorhaben müsse ein ökologisches Gutachten vorausgehen, erklärte das US-Innenministerium am Montag (Ortszeit) in Washington. Wegen Zementrückständen verzögert sich unterdessen die endgültige Versiegelung des lecken Bohrlochs im Golf von Mexiko weiter.

Laut dem US-Innenministerium werden Bohrprojekte in großer Tiefe künftig nur noch bei sehr "begrenzten Risiken für die Umwelt" genehmigt. Die Regierung zieht damit weitere Konsequenzen aus der Explosion der Öl-Plattform "Deepwater Horizon" im April, mit der die schwerste Ölkatastrophe der US-Geschichte ihren Lauf nahm. Schon vorher hatte Washington einen Stopp aller Tiefseebohrungen bis Ende November angeordnet.

Nach scharfer Kritik an ihrer jahrelangen laxen Kontrollpraxis arbeitet auch die für die Bohrgenehmigungen zuständige Behörde MMS nach Angaben ihres Leiters Michael Bromwich an schärferen Regeln für Tiefseebohrungen. Diese sollten sicherstellen, dass das Land und die Industrie vor Katastrophen wie im Golf von Mexiko künftig besser geschützt seien, erklärte Bromwich.

Versiegelung des lecken Bohrlochs im Golf von Mexiko verzögert sich

Unterdessen verschoben sich die Arbeiten zur endgültigen Versiegelung des lecken BP-Bohrlochs weiter. Der Plan, das Bohrloch von unten mit Zement zu verschließen, sei vorerst gestoppt worden, sagte der Krisenkoordinator der Regierung, Thad Allen. Nach seinen Angaben könnte bei ersten Arbeiten zur Versiegelung der lecken Rohrleitung von oben Zementrückstände in die Leitung gelangt sein und dort nun Öl einschließen. Bei der endgültigen Versiegelung des Lecks direkt am Bohrloch könne neuer Druck entstehen. Bevor er BP anweise, mit der Versiegelung von unten zu beginnen, müsse deshalb geklärt werden, wie sich dieser Druck auswirken werde, sagte Allen.

Seit der Explosion der "Deepwater Horizon" waren nach Behördenangaben rund 780 Millionen Liter Rohöl in den Golf von Mexiko ausgelaufen, von denen ein Großteil inzwischen jedoch wieder eingefangen oder aufgelöst wurde. Erstmals nahmen Fischer diese Woche den Krabbenfang an der Küste Louisianas wieder auf. Der größte US-Großhändler Dean Blanchard erklärte, ein paar der insgesamt 140 Boote seien ausgefahren, sie hätten zunächst allerdings Unmengen Öl anstelle von Krabben entdeckt.

BP stellte 52 Millionen Dollar (etwa 40 Millionen Euro) für die Behandlung psychischer Folgeerkrankungen im Zusammenhang mit der Ölpest bereit. Mit dem Geld sollen unter anderem eine Telefon-Hotline für Hilfesuchende sowie Projekte zum Kampf gegen Depressionen, Angstzustände und andere Stresserkrankungen finanziert werden, kündigte der Chef von BP America, Lamar McKay, an. Ausgezahlt würden die Mittel in den von der Umweltkatastrophe betroffenen Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida. Die Ölpest und ihre Folgen hätten in der Region "ein großes Maß an Stress und Sorgen" verursacht, sagte McKay. "Wir wollen sicherstellen, dass die Betroffenen Hilfe erhalten." (APA)

  • "Bottom Kill": Zement wird von oben in das Bohrloch gepumpt
    foto: epa/bp

    "Bottom Kill": Zement wird von oben in das Bohrloch gepumpt

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