Schluss mit Custom Skins: Plädoyer für Android pur

17. August 2010, 10:45
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Eigene Benutzeroberflächen der Hersteller verhindern eine schnellere Aktualisierung der Smartphones

Ob es nun HTC, Samsung, Motorola oder Sony Ericsson ist - fast alle Hersteller haben ihren Android-Smartphones eigene Benutzeroberflächen oder Skins aufgesetzt. Mit TouchWiz, Sense, Motoblur und Co wollen die Hersteller ihre Smartphones einerseits deutlicher von der Konkurrenz abheben. Andererseits wollen die Handy-Produzenten quer über alle Plattformen eine einheitliche Userexperience bieten, ob der Nutzer nun ein Windows Mobile-, Symbian- oder ein Android-Gerät in Händen hält. Doch nun ist es für die Hersteller an der Zeit, Abschied vom eigenen Interface zu nehmen, meint JR Raphael von der Computerworld. Seinem Plädoyer für ein nacktes Android kann man sich nur anschließen.

Langwierige Updates

Vom Nutzerstandpunkt sind die angepassten Oberflächen unnötig: das Interface von Android ist mittlerweile ausgereift genug für den Massenmarkt. Das drängendste Problem mit Sense und Co macht sich jedoch bei Updates bemerkbar. Google hat bei der Entwicklung von Android ein hohes Tempo vorgelegt - zwischen den Versions-Sprüngen lagen bislang nur wenige Monate. Um die Smartphones aktualisieren zu können, müssen alle Hersteller ihre getweakten Android-Versionen selbst updaten. Das dauert - mitunter so lange, dass Google bereits die nächste oder übernächste Version veröffentlicht hat. Mit dem Update des Desire auf Android 2.2 Froyo vor einigen Wochen, war HTC überraschend schnell. Andere Hersteller wie Samsung benötigen noch einige Zeit. Aber wie das so ist mit technikaffinen Smartphone-Nutzern: das Update soll so rasch wie möglich am eigenen Handy landen, nachdem Google es vorgestellt hat.

Neue Geräte mit alten Versionen

Noch unverständlicher aus Kundensicht ist es, wenn neue Geräte mit "uralten" Betriebssystemen auf den Markt kommen. Android 1.6 Donut wurde im September 2009 veröffentlicht. Dazwischen folgten die Updates auf 2.0 und 2.1 - beide mit dem Codenamen Éclair - und im Mai schließlich auf 2.2 Froyo. Die neuen Versionen bringen nicht nur neue Features des Betriebssystems. Viele neu entwickelte Apps von Drittanbietern setzen ebenfalls die aktuellsten Versionen voraus. Und noch im vierten Quartal soll die nächste Version namens Gingerbread folgen. Sony Ericsson etwa hat das Xperia X10 Mini mit 1.6 im Sommer auf den Markt gebracht. Das Unternehmen hat zwar ein Update auf 2.1 für das dritte Quartal versprochen, warum aber sollten Kunden ein Gerät mit 1.6 kaufen wenn es am Markt bereits aktuellere Smartphones gibt und Version 2.1 bereits im Jänner veröffentlicht wurde?

Die Lösung?

Die Hersteller müssten auch ohne eigene Benutzeroberflächen nicht darauf verzichten, den Android-Phones ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Mit vorinstallierten Apps, selbstentwickelten Widgets oder auch eigenen Wallpapers gibt es mehrere Möglichkeiten, wie JR Raphael vorschlägt. Auch wären selbst entwickelte Alternativen für Homescreen und Launcher denkbar, die von Kunden bei Bedarf deaktiviert werden können. Ohne die fixe Integration in das Betriebssystem könnten Updates schneller aufgespielt und neue Geräte tatsächlich mit der aktuellen Version auf den Markt gebracht werden. "Das wird das Android-Ökosystem - auch ja, eure Produkte - am Ende viel stärker machen", richtet sich der Blogger an die Hersteller. Ob sie ihn erhören, muss aber leider bezweifelt werden. (br/derStandard.at, 17. August 2010)

 

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    Samsung Galaxy S mit selbstgestrickter Oberfläche TouchWiz

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