Mehr Plätze in staatlichen Lehrwerkstätten

17. August 2010, 09:59
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In Privatwirtschaft werden zu wenig Lehrlinge aufgenommen

Das Arbeitsmarktservice wird im kommenden Jahr 1.500 mehr Plätze in den überbetrieblichen Lehrwerkstätten anbieten. Das berichtete das Ö1-Morgenjournal am Dienstag. Damit werden am Herbst in Österreich rund 14.000 Plätze vom Staat angeboten.

In den überbetrieblichen Lehrwerkstätten werden jene Jugendliche aufgenommen, die am freien Markt keine Lehrstelle finden. Wegen der Ausbildungsgarantie des Sozialministeriums muss diesen Jugendlichen eine Stelle angeboten werden. Der Bund wird für die Lehrwerkstätten im kommenden Jahr rund 215 Millionen Euro ausgeben. Konkret werden nach AMS-Zahlen heuer rund 42.100 Jugendliche eine Lehre beginnen. In der Zeit von 2010 bis 2014 werde die Zahl der 15- bis 19-Jährigen um rund 33.400 Personen sinken. Damit werden Jugendliche künftig wieder leichter eine Lehrstelle finden.

Lernschwache Jugendliche müssen "stabilisiert" werden

Laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer wurden 60 Prozent der Jugendlichen im letzten Ausbildungsjahr aus der überbetrieblichen Lehrausbildung in eine betriebliche Ausbildung oder in ein Beschäftigungsverhältnis aufgenommen. Im Ö1-Interview sagte der AMS-Leiter Johannes Kopf, dass nicht nur die mangelnde Bereitschaft der Betriebe für die Aufstockung der überbetrieblichen Lehrplätze verantwortlich ist. "Das ist nicht so simpel. Es gibt lernschwache Jungendliche, die erst von der Persönlichkeit her stabilisiert werden müssen", so Kopf. Zudem würden die Betriebe auch oft kritisieren, dass die Jugendlichen "nicht ordentlich lesen, schreiben und rechnen können". Er sieht hier einen Auftrag an die Gesellschaft und die Schulen, um dieses Problem zu lösen. 

Wirtschaftskammer: "Aubildung einschränken"

Dass viele Jugendliche keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, daran ist laut Wirtschaftskammer die schlechte Wirtschaftslage schuld. Die Betriebe litten noch immer unter der Krise, daher müsse auch die Ausbildung eingeschränkt werden, sagt Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer im ORF-Mittagsjournal. Außerdem seien die Jugendlichen schlecht ausgebildet, wenig flexibel und wenig mobil.

Der Großteil der Jugendlichen entscheidet sich noch immer für eine kleine Auswahl von Berufen: Bei den Mädchen seien das die Top drei: Verkäuferin, Friseurin oder Bürokauffrau. Bei den Burschen Automechaniker, Installateur oder Elektroinstallateur. Zur Auswahl stünden aber insgesamt 250 Lehrberufe. Außerdem seien viele der Lehrstellensuchenden laut Hochhauser nicht bereit, für eine Lehre auch den Wohnort zu wechseln, etwa vom Burgenland nach Salzburg.

VP warnte vor "Panikmache"

Begrüßt wird die Aufstockung der überbetrieblichen Lehrplätze von den Grünen. Allerdings könne das keine Dauerlösung sein, sagte Grüne-Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz. Betriebe, die sich vor der Lehrlingsausbildung "drücken"sollten zumindest "einen finanziellen Beitrag in einen Lastenausgleichtopf zahlen". Die niederösterreichische VP-Landesrätin Johanna Mikl-Leitner warnt vor einer "Panikmache" rund "um einen angeblichen Lehrstellenmangel". Dies schade der Wirtschaft und "stimme auch nicht". FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl kritisiert die Regierung. Denn der Lehrstellenmangel sei "von der rot-schwarzen Regierung hausgemacht. Für Niederösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreter Sepp Leitner (SPÖ) sind überbetriebliche Lehrwerkstätten das wichtige Standbein in der Lehrlingsausbildung. (APA/red, derStandard.at, 17.8.2010)

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