Melancholie des Nordens

16. August 2010, 18:41
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Dabei wird nicht gekleckert, sondern im großen Stil der global organisierten Großkriminalität hinterhergejagt

Um den Sonntagskrimi stand es schon einmal besser. Das wissen auch die vom Tatort und stocken die schwächelnde, heuer ihren 40. Geburtstag feiernde Kultserie bald von 15 auf 17 regionale Ermittlerteams auf. Wir sind gespannt.

Als Alternativangebot wiederholt das ZDF derzeit sonntags um 22 Uhr die dänisch-deutsche Krimiserie Der Adler, in der eine Spezialeinheit der Polizei vom coolen Undercoverbüro in einem Kopenhagener Hafengebäude aus internationale Verbrechernetzwerke sprengt. Dabei wird nicht gekleckert, sondern im großen Stil der global organisierten Großkriminalität hinterhergejagt.

Der Tod eines achtjährigen Mädchens in einem schwedischen Hotelzimmer brachte in der jüngsten Folge (Deckname: Thanatos) einen via Kinderhilfswerk abgewickelten, groß angelegten Menschenhandel ans Licht. Nicht nur in der Wahl der Delikte (z. B. Terrorismus, Wirtschaftskriminalität) ist Der Adler eine typische Krimiserie der Nullerjahre. Auch durch die Fokussierung auf computertechnische Ermittlungsmethoden, die an Google Earth gemahnenden Panoramablicke beim Schauplatzwechsel oder die eingestreuten technischen Kinkerlitzchen wie sekundenschnelle Handyortung oder demonstrative Konferenzschaltungen erweist die Serie ihrem schnelllebigen Zeitalter entsprechende Reverenz.

Kontrastiert wird das durch den tragischen Protagonisten Detective Hallgrimsson, auf dessen hochprofessionelle Fassade ein trauriges, unklares, der nordischen Melancholie verpflichtetes Schicksal abstrahlt. Ein Mann auf der Suche nach sich selbst. Es lebe der Handyempfang in Gudbrandsdalen! (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 17.8.2010)

  • "Der Adler" im ZDF.
    foto: zdf

    "Der Adler" im ZDF.

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