Ex-Hypo-Chef möchte gegen Kaution freikommen

16. August 2010, 20:51
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Wolfgang Kulterers Anwalt wirft der Justiz vor, mit der Verhaftung Kulterers nur von anderen Fällen ablenken zu wollen

Der Anwalt von Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer möchte seinen Mandanten auf Kaution freibekommen. Er werde einen Antrag gegen die U-Haft einbringen, sagte Anwalt Ferdinand Lanker am Montag dem Standard. Er sprach von einer "skandalösen Vorgehensweise" der Justiz und ortet politische Motive. Bei der jüngsten Hausdurchsuchung fanden Beamte bei Kulterer 145.000 Euro in bar und Dokumente, die zum Ex-Politiker Mario Canori weisen.

Die Vorwürfe gegen Kulterer sind offenbar massiver als bisher angenommen. Dem 56-Jährigen werden neben Untreue und Bilanzfälschung auch Kreditvergaben ohne ausreichende Sicherheiten und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

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Wien/Klagenfurt - Kleine Zelle statt nobler Wohnung. Ex-Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer sitzt seit Sonntagabend offiziell inUntersuchungshaft. Ihm wird in zahlreichen Fällen Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Bei der jüngsten Hausdurchsuchung wurde die Soko Hypo jedenfalls fündig: Die Beamten konnten in Kulteres Wohnung rund 145.000 Euro Bargeld sicherstellen, bestätigte Soko-Chef Bernhard Gaber. Zudem wurden Dokumente gefunden, die einen Zusammenhang mit dem Klagenfurter Ex-Vizebürgermeister und Fußball-Manager Mario Canori herstellen sollen, berichtet Österreich.

CSI Hypo-Chef Wolfgang Peschorn von der Finanzprokuratur sagte: "In über einem Dutzend Fällen geht es um den Verdacht der Untreuehandlung, aber auch um den Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung, um Vorteile zu Lasten der Bank und des Steuerzahler und zum Nutzen bestimmter Personen zu lukrieren." der Standard berichtete bereits Ende Juni darüber. In den vergangenen Tagen wurden einige Vorwürfe gegen Kulterer bekannt, die mittlerweile auch Ermittlerkreisen bestätigen: So wird Kulterer etwa Geldwäsche und Untreue vorgeworfen. Und zwar im Zusammenhang mit Geldtransfers in Millionenhöhe nach Liechtenstein, die Kulterer und sein Vorstandskollege Günter Striedinger für den ehemaligen kroatischen General Vladimir Zagorec arrangiert haben soll.

Kulterers Anwalt, Ferdinand Lanker, sprach am Montag von einer "skandalösen" Verhaftung, die überdies politisch motiviert sei. "Parteipolitische Vorwürfe gegen die Justiz und die verantwortliche Justizministerin wegen Untätigkeit und ‚schonendem Verhalten‘ in mehreren Fällen wie Grasser, Hypo-Niederösterreich, Meischberger etc. sollten durch einen schnellen Zugriff in der Causa Hypo überlagert werden" , meint der Kärntner Anwalt. Er möchte der Justiz für die Freilassung seines Mandanten nun eine Kaution anbieten. Zuletzt wurde darüber spekuliert, ob diese von der Flick-Privatstiftung übernommen werden könnte. In dieser fungiert Wolfgang Kulterer weiterhin als Stiftungsvorstand. Das sei allerdings nicht möglich, erklärte der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Jörg-Andreas Lohr, auf Anfrage des Standard. Kautionszahlungen seien in der Satzung der Stiftung nicht vorgesehen. "Zweck der Stiftung ist die Begünstigung der Familie Flick, nicht des Herrn Kulterer." Ob die Familie Flick direkt für die Kaution aufkommen würde? "Das ist derzeit kein Thema, weil wir nicht genau wissen, wie die konkreten Vorwürfe lauten. Außerdem muss sich erst ein Richter finden, der die Freilassung verfügt" , meinte Lohr.

Kulterer-Anwalt Lanker bestreitet zudem, dass Fluchtgefahr bestanden habe, wie von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt angeführt. Kulterer sei seit Beginn der Ermittlungen zwischen England, Rumänien und Österreich gependelt. Auch habe er seinen bisherigen Wohnsitz nicht abgemeldet. Die Justiz sei auch davon informiert worden, dass Kulterer plane, sein Büro nach Wien zu verlegen. Ein entsprechender Mietvertrag sei bereits abgeschlossen.

Bei der Justiz sieht man darin keinen Widerspruch zur Verhängung der U-Haft. "Die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, haben ein Bild ergeben, das solche Zwangsmaßnahmen nötig machte" , erklärte Staatsanwalt-Sprecher Helmut Jamnig.

Von den Ermittlern der Soko Hypo und CSI Hypo wurden mehr als ein Dutzend Sachverhaltsdarstellungen verfasst, die direkt Kulterer betreffen. Im Raum steht auch der Vorwurf, Kulterer und andere Spitzenbanker könnten bei Kapitalerhöhungen in den Jahren 2004 und 2006 direkt oder indirekt profitiert haben und die Kapitalerhöhung falsch in der Bilanz ausgewiesen haben. (go, cr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.8.2010)

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    Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer wird auch eine falsche Zeugenaussage vor dem U-Ausschuss des Kärntner Landtages vorgeworfen.

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