Hartplastikbomber

16. August 2010, 18:15
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Das MQ macht bedenkliche Werbung - Von Thomas Trenkler

Der Sommer im MQ enttäuscht. Denn als Ersatz für die im Winter abgefackelten "Enzis" gibt es nun "Enzos" . Die männliche Variante zum vielfach prämierten PPAG-Hofmöbel ist zwar von der Kubatur her gleich, hat aber, aufs Skelett abgemagert, eine ganz andere Anmutung: Dem Spoiler eines Formel-1-Boliden nicht unähnlich, wirkt der eingefärbte Hartplastikbomber einfach nur billig.

Und das ist der nahezu unzerstörbare Enzo wohl auch. Denn er muss nicht jede Saison neu lackiert werden - wie die Enzi, die leider schon nach kurzer Nutzung ramponiert ist. Man wird also nicht mehr mitraten können, in welcher Farbe die Möbel künftig temporär leuchten werden. Wolfgang Waldner, der MQ-"Hausmeister" , dürfte dennoch frohlocken. Ist ihm doch ein Schlag gegen den Vandalismus geglückt.

Eine noch größere Enttäuschung ist die neue MQ-Werbung: Man sieht u. a. Fahrräder, von einer Brüstung herabhängend, samt der Frage "Sabotage oder Installation" und der Erklärung "Nicht alles, was irritiert, ist Kunst" . Oder eine Frau auf Schleuderkurs: "Missgeschick oder Choreografie. Nicht alles, was seltsam aussieht, ist Performance." Diese perfiden Plakate spielen den Straches in die Hände. Denn sie stellen Gegenwartskunst infrage und zementieren Klischees ein. Warum lassen sich Tanzquartier und Kunsthalle eine solche Antiwerbung eigentlich gefallen? (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 17. August 2010)

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    "Enzos" im MQ.

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